Arequipa – Durch den Colca Canyon zu den Kondoren

 

 Tag 1 – 06.09.13

Von Huaraz aus sind wir, mit einem halben Tag Aufenthalt in Lima, direkt weiter nach Arequipa gefahren. Fahrtdauer Huaraz-Lima 8 Stunden, Lima-Arequipa 16 Stunden. In Arequipa haben wir uns im sehr schönen und für zu zweit Reisende mit 83 PEN günstigem Los Andes BnB eingemietet. Natürlich wollten wir hier in Arequipa den Colca Canyon mit seinen Kondoren besichtigen, also machten wir uns gleich auf, uns über mögliche Touren zu informieren. Schon bei der ersten Agentur erfuhren wir, dass die übliche, 2-tägige Tour in den Colca Canyon und zur Oase Sangalle nicht möglich war. Ein Erdbeben hatte für Erdrutsche gesorgt und der Weg war nicht mehr sicher. Die Alternative sah sehr bescheiden aus: einen steilen Weg hinunter in den Canyon, eine Nacht in der Oase und den gleichen Weg wieder hinauf. Nee, das war nix für uns. Wir fragten noch bei anderen Agenturen nach Alternativen, aber alle boten die gleiche, einfallslose und vermutlich überfüllte Route an. Wir überlegten schon, ob wir stattdessen den Vulkan El Misti (5825m) oder den Chanchan (6075m) besteigen sollten. Aber wir wollten uns noch nicht geschlagen geben, also suchte ich im Internet nach Infos zu dem Erdbeben. Und prompt stieß ich auf einen Eintrag bei Tripadvisor, wo ein Schweizer Pärchen den Mountain Guide Johselm Canta empfiehlt. Wir kontaktierten ihn sofort auf Facebook und erhielten auch gleich eine Rückmeldung: Treffen am nächsten morgen um 09:30 vor der Kathedrale. Quasi ein Blinddate.
Johselm war uns gleich sympathisch. Ein quirliger, offenherziger Peruaner der sein Herz auf der Zunge trägt. Er machte uns dann gleich verschiedenste Vorschläge. Bei der 2-tägigen Tour, die uns am meisten zusagte, war allerdings nicht der Abschnitt des Canyons dabei, in dem die Kondore fliegen. Und wegen denen waren wir doch dort. Kein Problem für Johselm, er stellte die Tour ein wenig um und so sollten wir am zweiten Tag auch die Kondore sehen.

Dani hatte sich mittlerweile bei uns aus Huaraz gemeldet und uns informiert, dass sie vom 10.-14.09. ein gutes Angebot für den Salkantay Trek hätte. Für uns war schnell klar, dass wir uns den nicht entgehen lassen und das wir daher nicht soviel Zeit in Arequipa verbringen würden. Also hieß es noch am gleichen Tag auf die Canyon Tour aufzubrechen. Und zwar um 0:00 Uhr! Johselm holte uns am Hostel ab, damit wir um 01:00 den Bus nach Chivay nehmen konnten. Dort kamen wir dann um 04:00 Uhr am Hostel an. Gut, dass wir uns so dick eingepackt hatten, es waren nämlich nur um die 0°. Im Hostel konnten wir noch ein wenig die Augen zu machen.
Um 6:00 gab es dann ein kleines Frühstück, anschließend fuhren wir mit dem Taxi nach Yanque zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Von dort wanderten wir eine Stunde bis zur Ausgrabungsstätte Uyo Uyo. Auf dem Weg erzählte uns Johselm soviel über die Inkas, die Waris und wen es noch so alles gab, dass uns hören und sehen verging. Wir querten den Canyon über eine schmale Brücke, unter der sich, dicht am Felsen gedrängt, Grabstätten der Waris befinden. Einer der Inkakönige, so erzählte Johselm, ließ die Waris alle grausam abschlachten, nachdem sie einen Aufstand gegen ihn angezettelt hatten. Nur ein paar waren übrig geblieben, die nun ihren gemeuchelten Brüdern und Schwestern die Haut abziehen und in diesen Grabstätten begraben mussten. Die Knochen der Krieger befinden sich immer noch in den Grabkammern. Nach dieser schauerlichen Geschichtsstunde gelangten wir schließlich zur Ausgrabungsstätte Uyo Uyo, einer Inkasiedlung. Hier nahmen wir dann ein ausgiebigeres Frühstück ein und Johselm erklärte uns allerhand. Langsam wurde die Sonne kräftiger und wir konnten uns unserer vielen Kleidungsstücke entledigen. Nun führte uns unsere Wanderung hinauf auf 3800m, vorbei an weiteren Gräbern und mit einer tollen Aussicht über die terassenförmigen Felder im Tal.
Gegen 10:30 trafen wir schließlich in Coporaque ein, wo uns ein Taxi erwartete. Dies fuhr uns zwanzig Minuten nach Canocota zum Ausgangspunkt unseres Weitermarsches. Die Sonne brannte mittlerweile vom Himmel. Vom Dorf aus wanderten wir eine halbe Stunde weiter zum Einstieg in den Canyon, wo wir erstmal unser Mittagessen einnahmen: Kartoffeln mit panierten Hähnchenstücken, von Johselms Mama für uns zubereitet. Anschließend führte uns der Weg hinab in den Canyon, der Weg lag auf der Sonnenseite und der Wind war eher spärlich. So wanderten wir in der Mittagshitze vorbei an Kakteen und spärlicher Vegetation, weiter unten schlängelte sich der Fluss Colca, der in der Regenzeit zu einem reißenden Strom wird. Eine fantastische Landschaft ohne eine Menschenseele.
Gegen 15:30, eine Stunde früher als geplant, kamen wir endlich an den heißen Quellen von La Calera an. Wir waren doch ganz schön geschafft und freuten uns über die Entspannung mit fantastischer Aussicht auf den Canyon. Im Hostel ließen wir den Abend bei einem, von Johselm zu bereitetem, Alpaka Steak und einer Flasche Wein ausklingen.

 
 


 

Tag 2 – 07.09.13

Am nächsten morgen wurden wir um halb sieben von einem Touribus Richtung Colca Canyon mitgenommen. Etwa 3 km vor dem Aussichtspunkt Cruz del Condor stiegen wir aus und liefen das letzte Stück am Rand des Canyons zu Fuß zum Aussichtspunkt. Bald sahen wir die ersten Kondore am Cruz del Condor aufsteigen und wir wollten uns beeilen, um dort hinzukommen. Wir sahen schon von weitem, wie sich die Menschen dort drängten. Und dann kamen drei Kondore direkt auf uns zugesegelt! Dicht über unseren Köpfen glitten sie über uns, so dicht, dass wir die Luft an den Flügeln vorbei pfeifen hörten. Unglaublich, diese majestätischen Vögel so nah zu erleben. Sie flogen noch ein paar mal über unsere Köpfe und schraubten sich in der Thermik immer höher. Nach einer guten halben Stunde waren sie nicht mehr zu sehen.
Für uns war es dann auch an der Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Unser Weg führte uns dabei noch durch die Tocrapampa, wo wir noch fast wild lebende Lamas, Alpakas und Bigunias sahen.
Gegen 18:00 erreichten wir unser Hostel und verabschiedeten uns von Johselm. Im Hostel konnten wir noch duschen bevor wir dann um neun Uhr den Bus nach Cusco nahmen.

 
 


 
 


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  • Adinsk

    Was für schöne Bilder! Freut mich,dass ihr wieder schreibt….nun kann ich meiner wöchentlichen, lieb gewonnenen, Routine wieder nachgehen. Und wie glücklich ihr ausseht–> weiter so!

    • Na, obs wöchentlich wird wissen wir noch nicht ….aber Danke! 🙂

  • Joachim Steig

    Schön wieder von Euch zu hören und zu lesen! Eure Aktivitäten sind ja wirklich bestaunenswert. Das sollte später in Buchform/Reisebericht erscheinen samt Hitliste der schönsten Gegend, der nettesten Menschen und der brenzligsten Situationen.
    Gruß von Ma+Pa

    • Das wird dann vielleicht irgendwann mal ein anderes Projekt, wie zB ein Fotoalbum zum 18, Geburtstag 😉

      • Joachim Steig

        Sack!!!

  • annette steig

    Da muss ich auch noch meinen Senf dazugeben: Das ist ja ein fantastischer Bericht mit herrlichen Bildern. Ihr findet aber auch immer so sympatische Reiseführer mit Familienanschluss. Bin mal auf den ersten Bericht aus NZ gespannt!

  • Janine & Marcel

    Cool, wir waren auch im Los Andes B&B und anscheinend gibt es sogar den Weihnachtsmann noch, der jeden Abend auf der Straße stand 🙂 Witzig! Viel Spaß noch in NZ und weiterhin gute Reise!

    • Der Weihnachtsmann scheint wohl ein Drogendealer zu sein, wie wir von unserem Guide hörten, ….ziemlich strange 🙂