Der Antrag – Oder: Wie kann ich Pläne schmieden, ohne das Caro etwas merkt?

 

26.06.13 – Der Verlobungsring

Am Tag des Abflugs (26.06.13) fiel kurzfristig meine Entscheidung: Ich kaufe einen Verlobungsring, verstecke ihn tief in meinem Backpack und hole ihn erst raus, wenn der richtige Ort gefunden und die richtige Zeit gekommen ist, um schließlich den Antrag zu machen. Wir sind jetzt fast 7 Jahre zusammen. Genauer gesagt, exakt an dem Tag unserer Rückkehr (26.04.14) werden wir 7 Jahre zusammen sein. Irgendwie ist die Zeit reif.

So ließ ich mir 4 Stunden vor Abflug eine Ausrede einfallen, um noch schnell den Ring in der Stadt zu kaufen. Der Grundstein war also gelegt und Caro ahnte nichts. Der Ring war während der Reise bis nach Fiji auch gut versteckt, selbst wenn Caro mal an meinem Rucksack irgendetwas raus holen musste, ist sie nicht drauf gestoßen. Aufgeregt war ich die ganze Zeit auch nie. Denn irgendwie war für mich klar, erst mal müssen wir ein wenig gereist sein, bevor ich den Antrag machen werde. Richtig viel Zeit, um irgendwo etwas zu organisieren oder zu arrangieren war vor Fiji auch nicht. Denn maximal waren wir immer 2-3 Tage an einem Ort. Wenn überhaupt. Und wo sollte man einen Antrag machen, wenn nicht auf Fiji!?! Hier kommen doch wohl alle romantischen und kitschigen Komponenten zusammen.

26.09.13 – Erste Pläne werden geschmiedet

Als wir dann schon ein paar Tage im Long Beach Resort auf Matathawa Levu waren, ich die Lage und Leute für sehr gut befand, nahm ich mir Ruben (der auf den Bildern wie Samuel Jackson aussieht) zur Seite und schmiedete erste Pläne: Was können wir machen? Wo kann es stattfinden? Und wie können wir die Sache durchziehen ohne das Caro etwas merkt?

Das Problem bei Caro ist nämlich, das sie sofort Lunte riecht und es sofort vorbei ist mit der Überraschung. Zwei mal wollte ich sie schön überraschen und nie hat es hingehauen. Das erste Mal wollte ich ihr den Spanischkurs schenken, den wir kurz vor der Reise nahmen. Hat nicht geklappt. Das zweite Mal wollte ich mit allen Freunden eine Überraschungsparty vor der Reise für sie veranstalten. Hat nicht geklappt. Deswegen wurde ich auf Fiji dann doch ein wenig nervös, ob das alles hinhaut was wir da austüfteln.

Einige Tage habe ich mich mit Ruben immer wieder zusammen gesetzt, um die Pläne konkreter werden zu lassen. Und das war schon nicht einfach. Denn wir waren nun mal auf einer kleinen Insel. Und was macht man da? Richtig, man hockt die ganze Zeit zusammen am Strand oder an der Hütte aufeinander. Zwischendurch geht man mal Volleyball spielen oder es gibt Essen. Da fällt es auf, wenn einer von beiden dauernd ohne triftigen Grund zum Haupthaus geht. Mal ne kühle Cola, frische Handtücher oder neues Toilettenpapier holen ist ja kein Problem. Aber fast gingen mir die Ausreden aus.

29.09.13 – Der grobe Plan steht

Der grobe Plan stand seit dem 29.09.13 dann endlich fest: Es soll am 02.10.13 bei Sonnenuntergang ein Dinner, an einem einsamen Strand geben. Welcher Strand, wie wir dort hinkommen, ohne dass sie etwas merkt und einen genauen Zeitplan gab es nie wirklich. Denn auf Fiji herrscht „Fiji-Time“. Das heißt alles läuft langsamer und Absprachen werden eher locker gesehen. Deswegen wurde ich dann doch langsam sehr nervös. Schließlich sollte es doch die perfekte Überraschung werden.

Am 02.10.13 sollte es also nun passieren. Dafür musste ich allerdings noch mit Ruben den geeigneten Strand finden. Und mir war klar, ich kann nicht einfach mit ihm zusammen mit dem Boot raus fahren und einfach mal nach Stränden schauen. Caro würde definitiv mit auf eine Bootstour kommen wollen. Lange überlegten wir, bis mir schließlich einfiel, dass es auf Fiji Dinge gibt die nur Männer machen dürfen. Und traditionell ist Angeln nur für Männer gedacht. Das war also die perfekte Ausrede.

30.09.13 – Hutflechten und andere Ausreden

Am 30.09.13 setzten wir uns zusammen, um mit Ruben Hutflechten zu lernen. Dabei spielten Ruben und ich uns gegenseitig die Bälle zu. Er sagte, ein solcher Hut sei traditionell ein Anglerhut und ob ich nicht mal mit ihm zum Angeln raus fahren möchte, um mich als Mann zu beweisen. Caro wollte natürlich unbedingt mit. Aber Ruben machte ihr klar, dass dies nur den Männern vorbehalten sei. Da konnte sie nichts mehr erwidern. Aber sie erwartete natürlich fette Beute, wenn wir zurück sind.

01.10.13 – Der perfekte Strand, aber alles läuft schief

So machten Ruben, Tuni (der Bootsführer) und ich uns am 01.10.13 mit dem Boot auf den Weg, um den geeigneten Strand zu suchen. Zeit zum Angeln blieb da nicht. Und so mussten wir uns hier auch schon wieder eine Ausrede einfallen lassen. Leider fingen wir nur kleine Fische, die wir wieder zurück ins Meer warfen, war die magere Ausrede. Zähneknirschend und ein bisschen grübelnd akzeptierte Caro diese aber. Eigentlich sind die Fijianer ja bekannt, gute Angler zu sein.

Als wir endlich den richtigen Strand fanden, mussten wir diesen erst mal von Treibgut, Ästen, Blättern und vier voll gesammelten Müllbeuteln mit Plastikflaschen befreien. Es war halt ein unberührter Strand und auch im angeblichen Paradies wird ganz schön viel Plastikmüll angeschwemmt. Ziemlich traurig. Auf jeden Fall fingen Ruben und Tuni dann plötzlich zu meiner Verwunderung an, einen kleinen Pavillon aus Palmstämmen und -blättern zu bauen. Einfach der Wahnsinn. Ruben sagte mir auch trotz „Fiji-Time“ würde er da schon was im Kopf haben und umsetzen wollen. Abends wollte er sogar noch für uns frische Krebse für das Dinner fischen gehen. Das fiel dann aber flach, weil er wegen der abendlichen Kava-Zeremonie krank wurde. Bei den Fijis wirkt Kava scheinbar wie eine Droge. Außer einer tauben Zunge haben wir allerdings nie richtig etwas davon gespürt.

Der Plan, alles am 02.10.13 stattfinden zu lassen, fiel also flach, denn ohne Ruben ging es nicht. Es war nicht weiter schlimm, da an diesem Tag sowieso schlechtes Wetter war. Aber langsam platzte ich vor Nervosität.

02.10.13 – Warten und bangen

So verschoben wir alles auf den 03.10.13. Leider wurde der Pavillon wegen des schlechten Wetters am Tag zuvor beschädigt und Ruben musste einen Teil wieder neu aufbauen und deswegen nochmals mit dem Boot raus. Dafür musste er allerdings erst mal 1 Stunde ins Dorf wandern, um neuen Sprit zu holen, denn den gibt es auf Fiji auch nicht an jeder Ecke.

03.10.13 – Der Antrag

Ich machte mit Ruben aus, dass er Caro und mich nach dem Mittagessen zu einer Bootstour einladen soll. Schließlich seien wir „Special Guests“, wie sie immer sagten. Denn wir waren die einzigen Gäste die länger als 1 oder 2 Nächte im Resort blieben. Normalerweise machen die meisten Gäste nämlich Insel-Hopping. Also von einer Insel zur Nächsten. Und das war für die Angestellten dann schon „Special“, dass wir 12 Tage blieben.

Tuni fuhr uns dann zum Schnorcheln mit dem Boot auf’s offene Meer und zur Blue Lagoon raus und danach einmal um die Insel, um schließlich kurz vor Sonnenuntergang an dem vorbereiteten Strand anzugelangen. Ruben blieb am Resort und bereitete alles andere vor, um später mit einem anderen Boot mit dem Essen und Tisch und Stühlen dazu zu stoßen. Da Caro und ich nur in Badesachen unterwegs waren, bereitete ich vorher heimlich Taschen mit trockenen und wärmeren Klamotten für Abends vor und ließ Ruben die Sachen mit dem anderen Boot zum Strand bringen.

Als wir mit Tuni am Strand ankamen, schaute Caro nur verdutzt, was wir hier denn sollen. Ihr sei kalt vom Schnorcheln und sie wolle unter die Dusche. Tuni hielt einfach am Strand, legte sich in den Schatten und schlief einfach ein. Caro hatte den Pavillon noch nicht erspäht und war einfach nur verwundert. „Warum fährt Tuni uns hier hin und schläft einfach ein?“ fragte sie. Da Ruben eigentlich schon mit Tisch, Stühlen und dem Essen da sein sollte, blieben mir nun auch die Ausreden aus. „Ach komm, das ist bestimmt Teil von der Bootstour, dass wir uns hier den Sonnenuntergang anschauen können“, sagte ich.

Zum Glück kam Ruben endlich mit dem Boot um die Ecke geschossen und hatte alles dabei. Langsam dämmerte Caro, dass hier was nicht stimmt. Sie freute sich auf einmal riesig. Aber sie war im Glauben, ich hätte nur ein Abendessen arrangiert. Dass wir in einem selbstgebauten Pavillon Essen würden, von einer Kellnerin bedient werden und Ruben als Musik- und Gesangsbegleitung dazu den Abend abrundet, ließ Caro ein dauerhaftes Lächeln ins Gesicht zaubern.

Zum Sonnenuntergang wurde uns ein tolles Mahl kredenzt. Danach fasste ich meinen ganzen Mut zusammen, kniete mich nieder und stellte die Entscheidende Frage. Was sie sagte? „Ja“!

 
 


Fiji auf einer größeren Karte anzeigen

 
 
 

Martin Merten
Follow me

Martin Merten

Freelance Art Director, Screendesigner & Blogger bei Martin Merten Kommunikationsdesign
Kreativer // Ideenfinder // Impulsgeber // Perfektionist // Genießer // Ironiker
Martin Merten
Follow me
  • Julia

    Ohhh, das ist so romantisch und ein wenig kitschig! Aber wie Du schon gesagt hast, wenn nicht auf Fidji wo dann????

    • Ein wenig? Das ist ja wohl mal ultra kitschig 🙂

      • Carolin Steig

        Hätte ja nie gedacht, dass ich so einen Romantiker als Freund habe, bin fast aus den Latschen gekippt!

  • Ina

    Ohhhh… Da schießen mir doch glatt die Tränen in die Augen! Wie schön!!! Genießt eure Reise weiterhin!!!

    • 🙂 Danke! Wie läufts überhaupt mit deinen Vorbeitungen?

  • Pa

    Lieber Martin, das hast Du wirklich großartig gemacht – großes Kompliment! Ich weiß nun sicher, dass meine Caro den Richtigen fürs Leben gefunden hat…Glückwunsch an Euch beide!

    • Carolin Steig

      Ohhh, danke Papa, das sind schöne Worte!

    • 🙂

  • Jan

    Eine geile Story, wir freuen uns riesig mit Euch:)) great job maddin:) Grüße von Irene und Jan

  • Ela

    Oh man(n) endlich hab ich den richtigen Blogeintrag gelesen!!! Hach… Ich freu mich für Euch!!!! 😀 😀 😀

    • Danke! Welche anderen Einträge hast du denn gelesen? 😀

  • Pingback: Einmal um die Welt - Wir haben's geschafft! | WE TRAVEL THE WORLD()

  • Pingback: The Journey of our Lifetime - In 700 #Selfies around the World()

  • Mandy Jochmann

    AWWWWWWWWWW!
    Ich glaube neben dem „Ja!“ ist die Tatsache, dass es einfach super schwer zu sein scheint, Caro zu überraschen, das Beste an der Geschichte 😉 Denn das kenne ich zu gut. Um so schöner, wenn es funktioniert.
    Geilo!

    • Du hast ihn also gefunden, den Artikel. Dann muss ich auch nix erzählen 😀

      • Mandy Jochmann

        Als ob Du etwas erzählt hättest!

  • Pingback: 7 Blogger verraten 🍀 Irland Tipps und Highlights()