Grenzerfahrungen – In 7 Schritten von Ecuador nach Peru


 

Am 19.08.13 um 06:30 Uhr beginnt unsere abenteuerliche Fahrt zum Grenzübergang Ecuador/Peru, La Balza. Und somit bereits mit einer halben Stunde Verspätung, da der Bus nicht pünktlich kam. Die Gründe dafür erschließen sich uns später aber noch.

Schritt 1

Busfahrt von Vilcabamba nach Zumba, Dauer: 6 Stunden. Preis 13$/Person. Der Zustand des Busses war so naja, also wie immer in Ecuador. Dafür war die Straße in einem super Zustand, wunderbarer Asphalt, Kurve um Kurve. Leider hielt dieser Zustand nicht bis zu unserem Ziel an. Immer wieder schmälerten Erdrutsche die Straße oder Teile der Straße hatten sich ins Tal verabschiedet. Es häuften sich auch die Baustellen, immer wieder mussten wir anhalten und auf Baufahrzeuge warten. Das schien auch der Grund für die, uns nun gering erscheinende, Verspätung des Busses. Dafür entlohnten uns die Ausblicke auf die umgebenden, dicht bewaldeten Täler und Berge. Schließlich endete die asphaltierte Straße und es ging die restlichen 4 Stunden auf den uns wohlbekannten Schotter- und Lehmpisten weiter. Immer wieder stiegen Leute an den unmöglichsten Stellen aus oder zu. Mitten im nirgendwo. Trotz der vielen Stops, einmal sah es sogar so aus, als könne der Bus gar nicht weiterfahren, kamen wir planmäßig um 13 Uhr in Zumba an einem überdimensionierten Busbahnhof an.

Schritt 2

Laut Plan sollten wir um 14:30 einen sogenannten Ranchero besteigen, ein LKW, auf dessen Ladefläche man auf einer unbequemen Holzbank Platz nehmen kann. Um Zeit zu sparen, entschlossen wir uns allerdings, ein Taxi zur Grenze zu nehmen (20$). Und bei der folgenden 1 1/2 stündigen Fahrt über Staub und Schotter waren wir sehr froh über diese Entscheidung. Martin frotzelte schon: „Das erste, was nach dem Grenzübergang besser sein wird, sind die Straßen“. So erreichten wir La Balza bereits um 14:30 Uhr. Auf ecuadorianischer Seite standen ungefähr vier Häuser, davon eine Bar und ein Häuschen für die Migration. Hier wurde uns dann auch ohne Probleme der Ausreisestempel in den Pass gestempelt und wir konnten über die Grenzbrücke Richtung Peru laufen. Ein besonderer Augenblick. Und von weitem sahen wir schon: die Straße auf peruanischer Seite war in bestem Zustand, wieder erstreckte sich wunderbar grauer Asphalt vor uns. Martin hatte also recht behalten. Ansonsten ändert sich auf peruanischer Seite nicht viel. Neben den Taxis stehen auch noch sogenannte Mototaxis parat. 3-rädrige Motorräder mit Sitzmöglichkeit, so wie die Tuktuks in Asien. Prima, nun sind wir in Peru, nun wollen auch hier die Modalitäten erledigt werden. Leider war die Migration hier nicht so eindeutig zu finden und wir standen etwas ratlos da, bis uns ein netter Colectivofahrer die richtige Hütte zeigte. Die allerdings nicht besetzt war. Wir vermuteten den Herrn/die Dame in der Mittagspause und entschlossen, zu warten. Nach einiger Zeit erhielten wir wieder Hilfe vom Colectivofahrer. Vermutlich nicht ganz uneigennützig aber das macht ja nix. Er hatte die Migrationszettel zum Ausfüllen besorgt und erklärte uns, dass wir damit zunächst zur Polizeistation und dann nochmal zu einem gelben Haus für den Stempel gehen müssten.
Gesagt getan, allerdings liefen wir erst einmal an der „Polizeistation“ vorbei und erst nach heftigem Gestikulieren des Colectivofahrers verstanden wir, dass die Holzbaracke unterhalb der Straße die Control Policial ist. Stand ja auch ganz groß dran. Hier trafen wir wiederum niemanden an, allerdings hörten wir nach einem vorsichtigen „Hola?“ unsererseits ein mürrisches „Cinquo minutos!“ aus dem Nachbarraum. Schließlich kam ein älterer, ziemlich beleibter Herr aus einem Raum und machte sich gerade noch die Hose zu. Natürlich hatten wir ihn bei seinem Mittagsschlaf gestört. Ein muffeliges „Buenos Tardes“ war dann auch das Einzige, was er noch von sich gab. Er tippte unsere Daten mit dem Zweifingersuchsystem in den Computer ein, unterschrieb und stempelte unsere Migrationszettel und das war’s.
Wir wollten nun damit zur Migration latschen, aber der freundliche Colectivofahrer fragte uns, ob wir denn nicht nach San Ignazio wollten. Doch, doch, aber wir müssen ja noch unseren Stempel für den Pass abholen. Ja, sagt er, kein Problem, er fährt uns hin. Na dann, warum nicht.
In der Migration bekamen wir problemlos unsere Einreisestempel und eigentlich konnten wir dann weiter. Martin musste aber noch auf Toilette und leider hatte er den Türgriff beim schließen der Tür in der Hand, so dass er erst noch befreit werden musste. Dem Typen von der Einreise war das wohl ein bekanntes Problem. Behoben wird es aber wohl nie.

Schritt 3

1 ½ Stunden ging es nun mit dem Colectivo nach San Ignazio. Preis: 17 PEN/Person. Um 16:30 erreichten wir San Ignazio. Eigentlich sollte laut Plan hier ein Zwischenstopp eingelegt werden, wir entschlossen uns aber gleich weiter nach Jaén zu fahren, da wir ja in Schritt 2 mit der Taxifahrt Zeit gespart hatten.

Schritt 4

Um 17:00 Uhr starteten wir zu einer 3-stündigen Fahrt mit dem Colectivo nach Jaén. Preis: 20 PEN/Person. Leider endete die wunderschöne Straße hier wieder und verwandelte sich in eine extrem staubige Piste mit vielen Baustellen. Als sich langsam die Dämmerung über die Landschaft legte stellte sich heraus, dass an unserem Auto nur das Fernlicht funktionierte. Jedesmal, wenn uns ein Auto entgegenkam, machte unser freundlicher Fahrer das Fernlicht aus, er will die anderen ja nicht blenden! Oh man, haben wir geschwitzt… Unglaublich. Um 20:00 Uhr erreichten wir völlig verstaubt und verschwitzt Jaén. Was für eine Stadt, unendlich viele, hupende und stinkende Mototaxis und ein Staub wie in der Wüste. Die Temperatur war hier sommerlich warm und wir konnten in unserem überteuerten Hotel El Bosque (nicht weiter zu empfehlen) noch eine Runde im Pool schwimmen.

Schritt 5

Am nächsten morgen, 20.08.13, ging es von Jaén nach Bagua Grande. Preis: 12/Person. Allerdings mussten wir zunächst aus unserem Zimmer befreit werden, dass Schloss war kaputt. Diesmal waren wir also zu zweit eingesperrt. Eine Entschuldigung hörten wir allerdings keine. Wir ließen uns von einem Mototaxi zum Terminal, an dem die Colectivos abfahren, bringen. Wir dachten, wir hätten mit 1,50 PEN einen guten Preis ausgehandelt. Allerdings wussten wir nicht, dass das Terminal nur auf der anderen Straßenseite lag. Pech!

Schritt 6

In Bagua Grande angekommen, war es etwas schwieriger mit den Colectivos. Hier hatten sie nur Busse für 8 Personen und das konnte dauern, bis die voll waren. Nachdem uns erst bescheinigt wurde, dass seien die einzigen Colectivos nach Chachapoyas, fanden wir nach einigem Nachfragen doch noch ein 4er Taxi. Mit einem Mototaxi wurden wir für 1,50 PEN zum 4er Taxi gefahren. Hier war alles ein bisschen konfus. Man sagte uns es seien schon 2 Personen da und wir könnten direkt los. Allerdings waren es zwei Frauen mit 2 Kindern. Für uns waren das 4 Personen. Bei dem Preis von 18 PEN hatten wir keine Lust uns mit so vielen Leuten in ein Taxi zu quetschen. Ausserdem ging der Fahrer mit uns zu einer Schrottkarre und nicht zu dem angepriesenen neuen Taxi. Er lud gegen unseren Willen erst einmal unsere Rucksäcke ein. Nachdem er dann verstanden hatte, dass wir nicht mit so vielen Leuten fahren wollten, sagte er, wir könnten das Taxi für den gleichen Preis alleine haben. Also ging Martin zum Schalter, um zu bezahlen. Plötzlich wollte aber niemand mehr von der Abmachung etwas wissen und wir sollten für 4 Personen zahlen. Da platzte uns der Kragen und wir schnappten uns unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum und gingen zu einem anderen Taxi. Das war dann auch gleich voll und so ging’s in 2 ½ Stunden nach Chachapoyas. Preis: 18 PEN/Person.

Schritt 7

Wir erreichten Chachapoyas gegen 14 Uhr, checkten im Hostel Revash ein und buchten gleich für den nächsten Tag eine 4-Tages Tour nach Kuelap.

 
 


Border Crossing – Ecuador/Peru auf einer größeren Karte anzeigen

 
 
 

Carolin Steig

Carolin Steig

Projektmanagerin, Bloggerin & Weltreisende bei WE TRAVEL THE WORLD
Am liebsten draußen in der Natur unterwegs. Entweder zu Fuß oder mit ihrem Islandpferd.
Carolin Steig
  • R J

    Südamerika scheint wirklich eine andere Welt zu sein. für uns Europäer wohl sehr gewöhnungsbedürftig. Ich frage mich, wie lange braucht man wohl um mit all den anders-tickenden Lebensweisen klar zu kommen. So richtig entspannt kann ich mir das nicht vorstellen. Aber ihr scheint ja die Situationen prima zu meistern! Gutes Durchhaltevermögen! Ihr werdet ja mit einer tollen Landschaft immer wieder neu belohnt! VlG Renate und Familie

    • Die Lebensweisen sind teilweise schon anstrengend. Aber man gewöhnt sich daran damit umzugehen. Sonst wird man auch dauernd nur über den Tisch gezogen. Die Landschaften hier sind wirklich immer eine gute Belohnung 🙂

    • Katoomi

      „Südamerika“. Lustig, wenn das so zusammengefasst wird. Auch sehr
      lustig, wenn ich mal einen Brasilianer von „Europa“ reden höre.
      Portugal, Polen, Norwegen, alles irgendwie das gleiche, so wie eben auch
      Kolumbien und Argentinien irgendwie „Latinolandia“ sind. OK, genug
      gewitzelt. Ich kann nur empfehlen, sich wenn man nicht eben eine
      Weltreise macht, ein Land zu nehmen und das genauestens unter die Lupe
      zu nehmen. Ecuador ist da ein gutes Beispiel, eine kleine Welt für sich.
      Spanisch ist da natürlich auch von Vorteil, je nach Gegend aber auch Guarani oder Schwäbisch (Südbrasilien).

  • Pa

    Ihr macht das wirklich prima! Was ist ein „Colectivo“ und wieviel ist „1 PEN“? Empfehle den Kauf einer Zange zum Öffnen verschlossener Türen, alternativ eine Tröte!
    Gruß Pa

    • 1PEN sind aktuell 27 Cent. Und ein Colectivo ist ein Sammeltaxi. Kann auch mal die Ladefläche eines Trucks sein 🙂

    • Carolin Steig

      Martin hat sich übrigens mittlerweile schon viermal in irgendwelchen Lokalitäten eingeschlossen 🙂