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Kann man jetzt noch in die Türkei reisen, um Urlaub zu machen?

Kann man jetzt noch in die Türkei reisen, um Urlaub zu machen?

Die aktuellen Geschehnisse in der Türkei überschlagen sich. Erst die Terroranschläge in Istanbul und Ankara und nun der Putschversuch, der das Land scheinbar endgültig ins Chaos gestürzt hat. Ich frage mich schon seit Wochen, ob man noch in die Türkei reisen kann – viel wichtiger noch für mich: will ich überhaupt in die Türkei reisen?

Die aktuelle Lage

Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseziele für die Deutschen. Terroranschläge und Unruhen lassen jedoch viele zweifeln. Anfang des Jahres sanken laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die Buchungsumsätze für Reisen in die Türkei um 40% im Vergleich zum Vorjahr. Mittlerweile sind es sogar bis zu 50 %. Das ist ein wirklich dramatischer Zustand für den Tourismus in der Türkei.

Aktuell haben Lufthansa und Eurowings wohl wieder regulär den Flugbetrieb in die Türkei aufgenommen. Trotzdem sitzen noch einige Fluggäste fest, nachdem viele Flüge wegen des Putschversuchs gestrichen wurden.

Reisenden die vor Ort sind wird immer noch bei unklarer Lage geraten, Wohnungen und Hotels im Zweifel nicht zu verlassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen. Die Lage in den touristischen Regionen am Mittelmeer ist aber wohl ruhig geblieben und nur wenige Touristen brachen ihren Urlaub bis jetzt ab.

Ein interessanter Hinweis vom ZDF: Reisen können in Fällen wie diesen wegen höherer Gewalt beim Reiseveranstalter komplett storniert werden.

Kann ich also in die Türkei reisen?

Grundsätzlich wird von einer Reise nicht abgeraten. Nach dem Putschversuch rät das Auswärtige Amt aber zur äußersten Vorsicht, besonders in Ankara und Istanbul. „Aus anderen Teilen des Landes, insbesondere von der Mittelmeerküste, wurden keine besonderen Ereignisse gemeldet.“ Weitere aktuelle Sicherheitshinweise findest du: hier.

Auf dem Schirm haben sollte man, dass die Türkei sich aktuell in einigen Konflikten befindet (z. B. mit Russland, Syrien, den Kurden und dem IS). Deshalb ist landesweit immer mit politischen Spannungen zu rechnen.

Das Auswärtige Amt rät dazu die Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei aufmerksam zu verfolgen. 

Besonders der touristische Südwesten (Ägäis bis Riviera) ist dato von Anschlägen und Unruhen weitestgehend verschont geblieben. Schnäppchen-Jäger können jetzt bei günstigen Angeboten zuschlagen.

Will ich überhaupt in die Türkei reisen?

Der Putschversuch wird noch die kommenden Tage und Wochen für viel Unruhe sorgen. Besonders die ganzen Terroranschläge bereiten mir persönlich große Sorge. Jedoch ist der Terror mittlerweile in der ganzen Welt angekommen. Man muss nur einen Blick nach Frankreich, Belgien, Tunesien oder Ägypten werfen. Ein Anschlag kann im Prinzip zu jeder Zeit an jedem Ort stattfinden und wir können nichts dagegen tun.

Soll ich deshalb meine Reisepläne ändern? Ich bin der Meinung, dass man trotz der Anschläge seine Reisepläne verfolgen sollte, denn sonst haben die Terroristen ihr Ziel erreicht, Chaos und Angst in die freie Welt zu bringen. Ich werde auch weiterhin nach Belgien, Frankreich und andere Länder reisen, die anschlagsgefährdet sind.

Was mich persönlich aber von einer Reise in die Türkei abhält, ist einzig und allein ein Mann und seine Politik. Recep Tayyip Erdoğan macht mir mehr Angst als jeglicher Terror auf der Welt – sein Größenwahn, seine Art auf Kritik zu reagieren.

Ich kann einfach nicht in ein Land reisen, in dem ich meine Meinung nicht frei äußern darf und Angst um mein Leben haben muss, wenn ich das tue. Ein kritischer Tweet oder eine kritische Äußerung auf Facebook über ihn und man muss mit juristischen Repressalien rechnen. Nein, danke.

Selbst wenn man im Ausland etwas kritisches äußert, kann man mit einer Anzeige rechnen. Lassen wir mal das Schmähgedicht vom Böhmermann außer Acht und ob das nun Presse- oder Kunstfreiheit ist. Aber wenn dieser Mann über 1800 Menschen (darunter auch Kinder) anzeigt, weil er sich in seiner Ehre verletzt fühlt, dann muss man sich doch wirklich ernsthaft fragen: Was stimmt mit diesem Typen nicht? Ganz ehrlich.

Nach dem Putsch fordert er jetzt auch noch die Wiedereinführung der Todesstrafe und spricht gleichzeitig von einem „Feiertag der Demokratie“. Hallo!?!

Die gesamte Entwicklung, welche die Türkei wegen diesem Mann momentan durchmacht, erinnert mich zu stark an die dunklen Zeiten von Deutschland. Ich kann meine Augen davor nicht verschließen und habe für mich diese Schlüsse gezogen.

Jeder muss das für sich entscheiden. Aber solange dieser Mann an der Macht ist, werde ich die Türkei meiden.

Wie ist deine Meinung dazu?

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Foto: Shutterstock – Istanbul
Martin Merten
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Martin Merten

Freelance Art Director, Screendesigner & Blogger bei Martin Merten Kommunikationsdesign
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  • Ich finde den Ansatz sehr gut, zu sagen, dass man sich von Terroranschlägen nicht vom Reisen abhalten lassen soll. Statistisch gesehen ist es möglicherweise wahrscheinlicher, von einer herabfallenden Kokosnuss getötet zu werden als in einem Terroranschlag. Die gefühlte Wahrheit sieht bei den meisten Menschen ganz anders aus. Rational ist es nicht, sich vor Terror zu fürchten (außer, wenn man, sagen wir mal, ohne Zwang an einen syrischen Kriegsschauplatz fährt).

    Den zweiten Punkt sehe ich etwas kritischer. In der Sache stimme ich dir zwar absolut zu. Aber unterstützt du wirklich einen Despoten, nur weil du in ein Land reist? Ist eine Reise ein politisches Statement? Und wie viele Länder gibt es auf der Welt, in denen auch nicht alles so toll ist. Dafür muss man gar nicht weit reisen, bzw. nicht in exotische Länder. Ich liebe die USA als Reiseland und ich finde, dass die Todesstrafe eine der widerlichsten Erfindungen der Menschheit ist. Kann ich reinen Gewissens in die USA reisen?

    Erdogan ist nicht erst seit gestern an der Macht. Vielleicht zeigt er jetzt erst sein wahres Gesicht. Vielleicht muss man auch noch abwarten, was weiterhin passiert, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Bleibt aber zu sagen: Das Problem ist nicht neu. Doch natürlich war es nie so offensichtlich. Tunesien und Marokko kämpfen seit Jahren arg damit, dass die Touristen ausbleiben. Die Türkei wird das nächste Land sein, das deshalb massive Probleme bekommt. Dabei sieht man, wie gefährlich es ist, wenn ganze Regionen vom Tourismus abhängig sind.

    Wer bisher in die Türkei gereist ist und die Türkei als Reiseland mag, der sollte meiner Meinung nach auch weiterhin dorthin reisen (und sich mal überlegen, ob es nicht schöner ist, in kleineren, inhabergeführten Hotels unterzukommen statt in All-inclusive-Burgen und so ganz direkt die lokale Bevölkerung zu unterstützen). Aber wenn man nicht eh Türkei-Fan ist und nur mal überlegt hatte, irgendwann hinzufahren, dann kann man das auch einfach sein lassen und ein anderes Land wählen.

    Es gibt ja immerhin ein paar Länder, in denen echte Meinungs- und Pressefreiheit herrscht. Ich finde ja, dass die Pressefreiheit ein recht guter Indikator dafür ist, wie es in einem Land wirklich zugeht. By the way: Costa Rica steht in der Rangliste ganz weit oben – auf Platz 6. Falls es euch interessiert, die ganze Rangliste von Reporter ohne Grenzen gibt es hier: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/costa-rica/alle-meldungen/meldung/rangliste-der-pressefreiheit-2015-veroeffentlicht/

    Liebe Grüße 🙂

    Anna

    • Hey Anna,

      erstmal danke für den mega Kommentar 🙂

      Ich glaube mir geht es gar nicht so sehr um ein politisches Statement in erster Linie. Mir geht es wirklich um die Angst in diesem Land einfach festgenommen zu werden, nur weil man auf Facebook was falsches geschrieben hat, bzw. weil man eine Meinung hat. So eine akute Angst hätte ich in den USA jetzt erstmal nicht. Da hätte ich mehr Angst ausversehen erschossen zu werden, weil ich Bartträger bin.

      Die politische Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei verbessert sich leider gerade auch nicht und umso größer sehe ich die Chance, dass man als Statement festgehalten werden kann in diesem Land. Ich persönlich hätte einfach Angst dorthin zu reisen. Vor allem wenn man Berichte liest über Journalisten, auch deutsche, die festgehalten werden, denen die Einreise verboten wird oder schlimmeres. Solche Aktionen finde ich schon krass genug.

      Despoten gibt es leider überall. Weitere Länder in die ich aktuell nicht unbedingt reisen würde sind zB Indonesien mit ihrem neuen Diktator oder Saudi Arabien. Wenn Trump an die Macht kommt, muss man sich das mit den USA auch noch überlegen… Aber ich finde schon, dass man sich auch über die politische Situation Gedanken machen sollte, wenn man reist. Im Falle der Türkei überwiegen nicht nur meine Gedanken, sondern einfach auch Angst vor dem was passieren kann.

      Ich glaube es hat bei mir aber auch ganz viel mit der Außenwirkung von Erdogan zu tun. Sein Verhalten und sein Agieren erinnert mich einfach so krass an 1933 – das ist einfach nur erschreckend. Vor allem wenn man überlegt was daraus alles resultieren kann oder sogar schon passiert. Und ich glaube es hat auch wirklich etwas mit der persönlichen Beziehung zu dem Land zu tun. Hier in Deutschland leben wir mit so vielen Türken als Nachbarn zusammen, die unsere gemeinsame Kultur mitgestalten, da hat man (also zumindest ich) eine ganz andere Beziehung zu dem Land als beispielsweise Costa Rica. Ich empfinde das als viel emotionaler, weil quasi unsere direkten Nachbarn auch davon betroffen sind. Ich hoffe du hast verstanden was ich sagen will, ich kann das irgendwie gerade nicht besser ausdrücken… Aber genauso emotional wäre das vermutlich wenn in Italien oder Holland so ein Typ an der Macht wäre. Nur nochmal so als Vergleich.

      LG
      Martin

      • Für Blogger oder Journalisten ist die Situation vielleicht tatsächlich ein bisschen anders. Da wiederum müsste man aber auch noch zwischen (aus Sicht Erdogans) „gefährlichen“ Journalisten, also unabhängigen politischen Berichterstattern, und „harmlosen“ Reisebloggern oder -journalisten unterscheiden. Ich verstehe schon, was du meinst. Als „normaler“ Tourist muss man aber derzeit glaube ich noch keine Angst haben. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass Social Media-Accounts von Touristen überwacht werden – vielleicht noch nicht. Das kriegen nichtmal die USA hin 😉

        (Costa Rica war übrigens ein Positivbeispiel – Costa Rica und Kanada sind die einzigen beiden Länder auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, in denen Reporter ohne Grenzen die Situation der Presseberichterstattung als gut ansehen.)

        LG!

        • Puh, da bin ich aber froh mit Costa Rica 😀

          Ja, ich bin sehr gespannt wie sich das jetzt alles entwickelt… momentan verfolge ich das alles mit großer Sorge.