Kratie – Nach Koh Trong und zu den Mekong Flussdelfinen


 


 

Wüstendurchquerung nach Koh Trong

Am 02.03.14 haben wir die Stadt Phnom Penh in Richtung Norden verlassen. Unser Weg führte uns in den Norden nach Kratie. Nach anstrengenden 8 Stunden Fahrt unter ständigem (sinnlosem) Gehupe des Busfahrers erreichten wir gegen 15 Uhr unser Ziel. Wir wurden von der Hitze, die uns trotz des nahen Mekong Flusses entgegen schlug, schier umgehauen. Wir hatten kein Hostel gebucht, hatten aber das Le Tonlé Guesthouse im Internet gesehen und hofften, eins der vier Zimmer ergattern zu können. Und siehe da, wir hatten Glück und konnten ein wunderbares, kleines Zimmer im traditionellen Holzhaus beziehen. Das Le Tonlé in Kratie gehört zum Tonlé Trainingscenter for Help, einem Projekt in Stung Treng und Kratie, dass benachteiligten Jugendlichen hilft, sich auf einen Job im Tourismus Sektor vorzubereiten. Das Guesthouse in Kratie hat erst im Dezember 2013 eröffnet.
Gäste, die hier übernachten sind willkommen, ihr Können oder Wissen zur Verfügung zu stellen. Und sei es nur, mit den Schülern englisch zu reden. Martin bot gleich seine Hilfe als Grafikdesigner an und machte sich noch am gleichen Abend an die Gestaltung einer neuen Speisekarte passend zum Ambiente.

Am 03.03.14 genossen wir die „kühlen“ morgendlichen Temperaturen (27 Grad) und frühstückten gemütlich. Nachdem wir unseren Aufenthalt hier um zwei weitere Nächte verlängert hatten machten wir uns mit einer winzigen Fähre auf zur Insel Koh Trong. Es war inzwischen bereits über 30 Grad und der Schweiß floss in Strömen. Die Fährfahrt war recht lustig, da neben uns und einigen Einheimischen noch zwei französische Mädels, eine davon recht proper, hinzustiegen. Sofort wurde die etwas korpulentere Dame lachend von einer schmächtigen, älteren kambodschanischen Dame in den speckigen Arm gekniffen. Nach dem Motto „kein Wunder, das de schwitzen tust, hast ja ordentlich auffe Rippen“. Die ältere Dame wollte nun unbedingt das Gewicht der Französin wissen und so griff sie sich einen Stift und ein Stück Styropor und jeder durfte reih um sein Gewicht notieren. Wir mussten alle herzlich lachen. Echt köstlich.
An der anderen Seite angekommen erstreckte sich vor uns ein ewig breiter Sandstrand, den es zu überqueren hieß. Gott sei dank lag ein Pfad aus Holzlatten über dem Sand, so kamen wir leichter voran. Bei der Hitze kam es uns vor wie eine Wüstendurchquerung. Während die anderen Passagiere mit Motorrollern oder Rädern an uns vorbei fuhren, mussten wir uns zu Fuß durch die Wüste quälen. Am Ende des Weges angekommen, waren wir schon komplett durch geschwitzt. Wir leihten uns dort gleich für teure 2$/Stück Fahrräder aus. Der kleine Radverleih hat hier ein Monopol und so mussten wir wohl oder übel zahlen. Wir bekamen, immerhin gratis, einen Zettel mit Informationen zur 9km langen Route dazu. Und los ging die gemächliche Fahrt einmal um die Insel. Der Weg ist ausgesprochen gut, teilweise sogar betoniert. Wir fuhren an vielen der traditionellen, auf Stelzen gebauten Holzhäuser vorbei, deren Bewohner größtenteils im Schatten dösten und uns freundlich zu winkten. Wer ist denn auch so verrückt, sich in der Mittagshitze in irgendeiner Weise zu bewegen? Wir entschlossen uns dann auch, nach den ersten 3km einen Mittagsstop einzulegen. Dafür bot sich eigentlich nur das Resort Rajabori Villas an. Das Resort sieht wunderschön aus, mit einem herrlichen Pool der für Nicht-Gäste allerdings 5$ kostet! Das fanden wir ziemlichen Wucher und so begnügten wir uns damit, den Pool beim Essen zu bewundern. Die Bedienung war ziemlich lahm, obwohl, oder vielleicht weil, wir die einzigen Gäste waren. Das Essen war ok, aber seinen Preis nicht wert. Erst auf dem Rückweg sahen wir, dass man auch bei einem der Homestays essen konnte, von denen es ein paar auf der Insel gibt. Wir setzten unsere Reise auf jeden Fall gestärkt fort und genossen diese ursprüngliche und ruhige Insel. Hier war das Müllproblem, das einen in ganz Kambodscha und auch Vietnam ständig begleitet, bei weitem nicht so ausgeprägt wie sonst im Land. Wie die Menschen hier ihren Müll entsorgen ist allerdings fraglich, im Fluss vielleicht? Auf dem Weg passierten wir noch ein Baumpflanz Projekt, wo man willkommen ist, einen Baum zu pflanzen. Martin war kurzzeitig versucht aber bei der Hitze hatte ich ehrlich gesagt keine Lust. So temmelten wir weiter, bis wir an zwei kleinen Buben vorbei kamen, die uns aufgeregt zuwinkten und riefen. Wir stiegen ab und gingen zu ihnen rüber, da sie wild nach oben in die Bäume gestikulierten. Dann sahen wir, was sie meinten: im Baum war ein riesiges Wespennest, was die zwei Jungs mit ihrer Flitsche beschossen und einen riesen Spaß dabei hatten. Wir beobachteten sie ein wenig und machten Fotos, die sie sich mit Begeisterung ansahen. Schließlich setzten wir unseren Weg fort und kamen an einigen Feldern vorbei, wo eine Familie auf dem Feld arbeitete. Arbeitende Kinder gehören hier zum Alltag, viele Familien sind so arm, dass sie jede Arbeitskraft brauchen und daher ihre Kinder nicht zur Schule schicken können.
Nach ca. 2 Stunden reiner Fahrtzeit erreichten wir wieder die Fähre, wir hatten Glück und erwischten noch das ablegende Boot. Wir waren von oben bis unten eingestaubt und durchgeschwitzt und freuten uns auf die klasse Dusche im Le Tonlé.

 
 


 

Zu den Mekong Flussdelfinen

Für den nächsten Tag planten wir eine Fahrt flussaufwärts, um die seltenen Flussdelfine zu beobachten. Um 8 Uhr holte uns das Tuktuk ab und wir fuhren eine halbe Stunde durch ländliches Gebiet in Richtung Norden. An der Anlegestelle, wo allerhand Souvenir-Ramsch verkauft wird, kauften wir die teuren Tickets. 9$/Person für eine Stunde auf dem Fluss. Ab 3 oder 4 Personen wird es allerdings günstiger. Leider war sonst niemand da, mit dem wir uns zusammen schließen konnten. So fuhren wir allein mit unserem Bootsmann und dem laut knatternden Boot hinaus. Bei dem Krach würden wir niemals diese seltenen Tiere zu Gesicht bekommen. Von wegen, nach fünf Minuten Fahrt rief der Bootsmann aus und zeigte nach vorne und siehe da, wir sehen den Rücken eines der Tiere auftauchen. Dann allerdings nichts mehr und es dauert eine Weile bis wir wieder welche in einer ganzen anderen Richtung entdecken. Ganz anders als die meeresbewohnenden Delfine, die wir bisher gesehen haben, sind diese Irawadi Delfine viel scheuer. Genau genommen handelt es sich auch nicht um „echte“ Flussdelfine, sondern eigentlich um Küstenbewohner, die auch die Flussmündungen besiedeln. Die Delfine im Mekong bilden eine Ausnahme, da sie sehr weit den Fluss hinauf gewandert sind und bis hoch nach Laos den Fluss besiedeln.
Ein paar mal konnten wir die Tiere von weitem noch sehen, unter anderem sogar ein Jungtier.
Die Landschaft an diesem Flussabschnitt ist sehr schön, da sich hier viele kleine Inseln im Fluss befinden.
Nach einer Stunde auf dem Fluss ging es mit dem Tuktuk wieder zurück. Es war ein schönes Erlebnis, obwohl ich mich frage, ob die Tiere nicht sehr gestresst sind, wenn sie jeden Tag mit diesen knatternden Booten „gejagt“ werden.Für den Besuch bei den Flussdelfinen macht es Sinn, sich zu einer Gruppe zusammen zu schließen, das schont den Geldbeutel, die Umwelt und die Delfine.
Für die Radtour auf Koh Trong ist es zwar etwas teurer, sich das Rad auf der Insel zu leihen, man hat aber auch nicht den schweren Abstieg bzw. Aufstieg zur Fähre in Kratie. Da befindet sich zwar neben den Treppen eine Radspur zum schieben, es scheint aber sehr anstrengend zu sein, die Räder da hoch zu bekommen. Vorteil wenn man sein Rad schon in Kratie leiht: man kann die Wüste auf dem Rad durchqueren. Obwohl das auch nicht so einfach aussah.

 
 


 
 
 

Carolin Steig

Carolin Steig

Projektmanagerin, Bloggerin & Weltreisende bei WE TRAVEL THE WORLD
Am liebsten draußen in der Natur unterwegs. Entweder zu Fuß oder mit ihrem Islandpferd.
Carolin Steig