Estland entdecken: Warum sich eine Reise zur kleinen Insel Prangli nahe Tallinn lohnt

Estland entdecken: Warum sich eine Reise zur kleinen Insel Prangli nahe Tallinn lohnt

Wenn man an Estland denkt, denkt man automatisch an Tallinn. Von mindestens einem hat man schon mal gehört „ooh, Tallinn ist so eine schöne Stadt, da müsst ihr unbedingt mal hin“. Auch ich hatte schon seit längerem Tallinn auf meiner Wunschliste für ein verlängertes Wochenende.

Aber der Rest von Estland? Kein Plan. Ein weißer Fleck in meiner Vorstellungskraft. Naja, irgendwie osteuropäisch hätte ich vermutet. Wie falsch ich lag wurde mir schon beim Einchecken in unser Hotel bewusst. Gar nicht osteuropäisch! Viel mehr finnischer bzw. skandinavischer Einschlag.

Tallinn kehrten wir gleich nach der Ankunft fürs erste den Rücken. Unsere erste Etappe unseres Estland Roadtrips, den wir gemeinsam mit Mandy von Go Girl! Run! Und Simone von WOLKENWEIT im September machten, führte uns auf die kleine Insel Prangli.

Mit dem Mietwagen ging es in 30 Minuten zunächst zum Hafen von Leppneeme – wir waren ganz schön spät dran und hatten Angst, die Fähre um 09:15 Uhr zu verpassen. Unser Tourguide Annika Prangli (kein Witz, sie hatte den gleichen Namen wie die kleine Insel) von Prangli Travel wartete schon ungeduldig auf uns und wir wurden erleichtert begrüßt als wir gerade noch rechtzeitig ankamen.

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Und schon ging es mit der Fähre in einer knappen Stunde von Leppneeme hinüber zur Insel. Der „Hafen“ der Insel liegt auf der Ostseite in Kelnase. Als wir uns dem Küstenstreifen bei strahlendem Sonnenschein nähern, ließ sich schon der Charme der kleinen Insel erahnen. Kleine Segelschiffe dümpelten an den Bootsstegen, Pickups warteten schon um die Ankommenden zu ihren Zielorten zu fahren.

Sightseeing auf Prangli Island

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Eine bunt bemalte Scheune, die von den Inselbewohnern gemeinschaftlich als Veranstaltungshaus hergerichtet worden war, beherbergte einen Kiosk, den Annika nach unserer Ankunft für eine Viertelstunde öffnete und Kaffee ausschenkte. Annika schlug vor, direkt eine Rundfahrt über die gerade mal 6,5 km2 kleine Insel zu machen, so dass wir uns einen Überblick verschaffen konnten. So sprangen wir auf die Ladefläche des Pickups und fuhren los.

Prangli besteht aus drei Hauptdörfern – Kelnase, Idaotsa und Lääneotsa. Wir fuhren vorbei an zuckersüßen, skandinavischen Häuschen, darunter das Gemeindehaus und die Schule. Wir besuchten die einzige Kirche der Insel, Prangli Kirik. Annika erklärte uns viel zum Leben auf der Insel. Sie ist Lehrerin und unterrichtet 5 Kinder gemeinsam, alle aus unterschiedlichen Altersklassen. Echt interessant, wie das Leben auf so einer kleinen Insel so anders abläuft.

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Die Fahrt führte uns weiter über sandige Feldwege mit dem ein oder anderen Schlagloch. Neben unendlich vielen, dicken und süßen Blaubeeren machten wir noch Bekanntschaft mit einer ärgerlich fauchenden Ringelnatter und bestaunten die einzige Naturgasquelle der Insel.

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Desweiteren gibt es auf der Insel noch die Überreste eines abgestürzten Flugzeuges aus Kriegszeiten zu begutachten sowie einen Friedhof, auf dem die Besatzung eines vor der Küste versenkten Kriegsschiffes beerdigt ist. Einige Besatzungsmitglieder konnten sich retten und die Bewohner der Insel kümmerten sich um sie, bis sie weiterziehen konnten.

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Nach der Rundfahrt lud uns Annika wieder in Kelnase beim Kiosk ab und wir schnappten uns ein paar Räder. Annika fuhr das Gepäck mit dem Pickup zur Unterkunft, dem Praaga Hof. Dort gab es ein super leckeres Mittagessen mit Pilz Risotto und selbst geräucherten Flundern.

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Die Esten sind ein ziemliches Pilzvolk, sie essen im Herbst eigentlich ständig nur Pilze. Nach dem Mittagessen schmissen wir unsere Klamotten in die einfachen aber sehr gemütlichen Holzhütten und erkundeten die Insel noch mit dem Rad.

Zur Ruhe kommen und entschleunigen

Wenn man Entschleunigung sucht ist man hier, gerade mal 1 Stunde von der Großstadt entfernt, genau am richtigen Fleck. Absolute Ruhe und Einsamkeit, leckeres Essen und die gerade mal 80 ständigen Einwohner der Insel sind super herzlich.

Am einzigen Konsum der Insel genossen wir in der Nachmittags-Sonne noch einen Cider, bevor wir uns zum wiederum vorzüglichen Abendessen zu unserer Unterkunft aufmachten. Abends wurde es schon knackig kalt, so dass wir nicht mehr lange das funkelnde Himmelszelt betrachteten.

Mit klassischer Musik zum Robben beobachten

Am nächsten Morgen konnten wir erst mal ausschlafen. Annika sammelte uns um halb zehn ein und es ging zum Hafen. Dort wartete schon ihr Mann mit ihrer süßen Tochter – es ging mit dem Boot raus zum Kegelrobben Beobachten.

Wir fuhren ca. eine dreiviertel Stunde und Annika erklärte uns ein wenig über die Robben in Estland. Als wir das Kolga lahe MKA, Malusi skv (keine Ahnung was das bedeutet) Naturschutzgebiet mit ein paar winzigen Inseln erreichten, war keine einzige Kegelrobbe zu sehen.

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Der Himmel hatte sich zugezogen und wir dümpelten auf dem Meer, was uns Landratten gar nicht gut gefiel. Wir suchten mit den Ferngläsern die Felsen ab und fixierten unsere Blicke immer wieder am Horizont, um nicht vollends seekrank zu werden.

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Annika hatte klassische Musik mitgebracht, die über zwei Lautsprecher auf das Meer hinaus klang – das macht die Robben gewöhnlich neugierig und sie kommen zum Boot. Heute passierte allerdings nichts. Auch der Wechsel zu estnischer Volksmusik änderte nichts, wir sahen nur Wellen. Durch das grau in grau von Himmel und Meer musste man sie auch sehr anstrengen, um überhaupt irgendetwas unterscheiden zu können.

Wir hatten gerade beschlossen abzudrehen, als ich meinte auf einem Felsen eine Bewegung gesehen zu haben. Und tatsächlich, da lagen zwei dicke Kegelrobben auf dem Felsen und glotzten zu uns rüber.

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Und von jetzt auf gleich guckten noch weitere neugierig aus dem Wasser. Immer wieder verschwanden die Köpfe, um kurze Zeit später ein Stückchen näher wieder aufzutauchen. Wir versuchten ein paar Bilder zu machen, was mit dem schwankenden Boot und den sich bewegenden Tieren nicht ganz einfach war.

Schließlich ging es mit Vollspeed Richtung Festland zurück. Beim Blick in die Gesichter der anderen war ich beruhigt, ihnen war es wohl genauso unwohl zumute wie mir. Waren wir froh, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und doch noch die Robben entdeckt zu haben.

Allerdings hieß es nun Abschied nehmen von Annika und ihrer kleinen Familie. Da war uns doch etwas wehmütig. Aber wir freuten uns auch auf den vor uns liegenden Roadtrip durch Estland!

Weitere Infos zu Prangli:

Die kleine Insel Prangli nahe Tallinn
➜ Prangli Travel
Praaga Hof

Warst du schon mal auf Prangli?

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Disclaimer: Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Visit Estonia.
Carolin Steig

Carolin Steig

Projektmanagerin, Bloggerin & Weltreisende bei WE TRAVEL THE WORLD
Am liebsten draußen in der Natur unterwegs. Entweder zu Fuß oder mit ihrem Islandpferd.
Carolin Steig

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2 Kommentare auf "Estland entdecken: Warum sich eine Reise zur kleinen Insel Prangli nahe Tallinn lohnt"

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[…] Von dort machten wir uns auf den Weg nach Rakvere, mit Zwischenstopp im grandiosen OKO Restaurant in Kaberneeme. Den kompletten Bericht zu Prangli findest du: hier […]

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[…] gemeinsamer Road Trip startete in Tallinn und führte uns entlang der Küste zur Insel Prangli. Dann vorbei am Jägala Wasserfall nach Rakvere. Von dort aus ging es zur Bärenbeobachtung […]

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