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Hintrauen, sehen, staunen – der ultimative Reiseführer für Jordanien

Jordanien als Reiseland: hintrauen, sehen, staunen

petra jordanien

Jordanien … aber Syrien … aber Jordanien!

Ich will ehrlich mit dir sein. Als die Einladung vom Jordan Tourism Board kam, hatte ich für den Rest des Tages folgende Endlosschleife im Kopf: Jordanien … das ist doch direkt neben Syrien? In Syrien ist Krieg. Aber in Jordanien ist auch diese berühmte Felsenstadt, Petra … und das Tote Meer!

Aber in Syrien ist … aber in Jordanien ist Petra. Kurzum, schon der Gedanke hat meine Comfort Zone mächtig auf die Probe gestellt. Hauptsächlich deshalb, weil ich keine Ahnung hatte.

Wenn man keine Ahnung hat …
einfach mal hinfahren.

Ich sage das nur, weil du wahrscheinlich die gleichen Bedenken hast wie ich. Hierzulande hört man ja leider nicht allzu viel Gutes über die Geschehnisse im Nahen Osten. Außerdem tendiert man dazu, alles in einen Topf zu werfen.

Syrien, Irak, Libanon, Israel, Westjordanland, Palästina … das ist doch, wo die Leute (gefühlt) eher weg wollen, als dass sie zum Spaß hinfliegen. Und Jordanien ist halt mittendrin. Und genau das ist das Problem.

Das ist wie, wenn Legoland in der Bronx steht, und keiner traut sich, hinzugehen. Dabei merkt man drinnen gar nichts von der Bronx. Also, Jordanien. Kann man das überhaupt machen? Ich sage: Man kann. Man sollte sogar.

Denn in Jordanien ist seit 30 Jahren Frieden. Und das Land ist so voller sehenswürdiger, erlebenswürdiger Dinge, dass man aus dem Staunen kaum heraus kommt. Weltnaturerbe, Weltkulturerbe, Weltgastfreundschaftserbe … und für den gemeinen Europäer allein schon wegen seiner Andersartigkeit eine Reise wert.

 

Part 1: Sehenswertes

Amman: Eine Metropole, aus dem Staub gemacht

Man steigt aus dem klimatisierten Flugzeug, es sind 33 Grad im Schatten. In der Luft liegen die Überreste eines erst wenige Tage alten Sandsturms. Man trägt lange Hose, weil man gelesen hat, dass Männer in kurzen Hosen in Jordanien eher belächelt werden.

Die Sonne ballert. Man schwitzt. Und dann sagt einem der Reiseleiter, für Jordanische Verhältnisse sei es eigentlich nur »warm«. Klar, es ist ja auch schon Mitte September. Also fast Winter.

Amman bei Nacht
Der Flughafen in Amman ist ein respekteinflößendes, aber irgendwie auch schönes Monstrum aus Beton. Die riesigen Kuppeln verleihen dem modernen Konstrukt einen Touch Orientalik. Niemand wäre überrascht, wenn gleich Aladdin auf dem Hoverboard um die Ecke kommt.

Der Flughafen ist irgendwie ein Sinnbild für die ganze Stadt. Mitten in der Wüste aus dem Boden gestampft, eine beeindruckende Verschmelzung moderner und traditioneller Elemente – und aus viel, viel Beton.

Amman ist eine sehr junge Stadt mit einem sehr alten Kern. Sie ist in den letzten 30 Jahren unheimlich schnell gewachsen – hauptsächlich deshalb, weil Jordanien in der Nachbarschaft als Oase der Sicherheit empfunden wird.

Mit seinen dreieinhalb Millionen Einwohnern beherbergt die Hauptstadt rund die Hälfte der Jordanischen Bevölkerung. Vieles außerhalb des Stadtkerns wirkt recht »schwellenländisch« – wo man bauen konnte, stehen Häuser, dazwischen gibt es immer wieder Flicken aus Steinwüste, auf denen einzelne Nomadenzelte stehen, mal ein Kamel, mal ein Esel, mal nichts davor.

Das Haus ist nicht unfertig,
sondern zukunftsorientiert!

Das Opferfest, das islamische Äquivalent zu Weihnachten, steht vor der Tür. Immer wieder sieht man kleinere Schafherden am Straßenrand, bei denen man sich fragt, was es da zwischen Steinen und Sand eigentlich zu grasen gibt.

Aus den flachen Dächern der Gebäude ragen Betonpfeiler, aus den Betonpfeilern ragen Stahlfasern. »Falls man mal noch eine Etage anbauen will«, lautet die pragmatische Erklärung. Irgendwie sympathisch.

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Amman: Die König-Hussein-Moschee

In Jordanien gibt es verschiedene Sorten Polizei mit verschiedenen Uniformen. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Vor der König Hussein Moschee stehen Beamte in militär-esker Uniform neben einem Mannschaftswagen mit vergitterten Scheiben. Ansonsten ist dort weit und breit niemand. Nur eine Katze, die einen Müllcontainer durchstöbert.

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Die Polizisten sind junge Männer, die einen mit ein paar Worten Englisch (»Welcome to Jordan«) willkommen heißen und bereitwillig ein Foto von den irren Touristen schießen. In die Moschee hinein kann man zu diesem Zeitpunkt leider nicht – aber auch hinterm Zaun sieht das Gebäude ganz imposant aus.

Im Zweifel spaziert man einfach eine Runde durch den Garten, der vor der Moschee am Hang des Berges liegt.

Amman: Der Raghadan-Fahnenmast

Die einen sagen, es ist die größte Flagge der Welt, die anderen sagen, die in Aserbaidschan ist noch größer. Ich habe keine Lust, zu recherchieren und sage, es ist eine verdammt große Flagge (wer sieht sie auf dem Bild?).

Man sieht sie vom höchsten Hotel Ammans aus weit über den Horizont ragen, und das, ob wohl der Fuß des Mastes vom Horizont gar nicht mal so weit entfernt ist. Bis zu 1.800 Quadratmeter Fahne kann man daran aufhängen. Harald Juhnke wäre stolz.

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Amman: Die Zitadelle und das römische Theater

Die ganze Stadt ist voll mit Überresten römischer Architektur. Der Zitadellenhügel ist da eher die Spitze des Eisbergs. Wie das immer so ist, wurden hier im Laufe der Jahrtausende einige Dinge übereinander gebaut – stets unter Verwendung der Bausubstanz der vorhergehenden Gebäude.

So ist von der Zitadelle selbst nicht viel übrig. Auch nicht vom Herkulestempel oder von der byzantinischen Kirche, die aus seinen Steinen gebaut wurde. Dafür ist eine Sache ziemlich gut erhalten:

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Der Qasr. Dabei handelt es sich um einen quadratischen Teilbau des Palastes der arabischen Stammes der Umayyaden, die die Stadt im Jahr 635 eroberten. Er wurde vor einigen Jahren mit einer neuen Kuppel versehen.

Interessant neben den alten Gemäuern und dem Museum (mit teils noch weit älteren Schätzen) sind die Malereien im Qasr und die gute Rundumsicht über die Stadt. Von dort oben sieht man auch sehr gut das römische Theater – das nicht nur erstaunlich gut erhalten ist, sondern auch noch benutzt wird. Sollte man auch mal von innen gesehen haben.

Kuppel über Qasr, Zitadellenhügel Amman, Jordanien Kuppel über Qasr, Zitadellenhügel Amman, Jordanien

Die trockenste Gasse Ammans

In Jordanien regnet es relativ wenig, darum braucht auch niemand einen Regenschirm. Ob das der Grund ist, warum die ganzen Schirme über dieser Treppe hängen? Vielleicht. Vielleicht aber auch, weil es schön aussieht.

Und weil es Spaß macht, zufällig darüber zu stolpern. Darum verrate ich auch nicht, wo sie ist … na gut, ich habe versucht, zu googeln, wo genau das war und es nicht gefunden. Nur so viel: Es war ganz in der Nähe des römischen Theaters. Viel Spaß beim entdecken!

Regenschirmgasse, Amman, Jordanien Regenschirmgasse, Amman, Jordanien

Amman: Obst- & Gemüsemarkt

Klischeefotos hin oder her – ein echter Obst- und Gemüsemarkt ist schon geil. Denn, wie schon Andy Warhol sagte: Viel hilft viel. Wenn man also einen Berg Tomaten, einen Berg Limetten oder einen Berg Petersilie vor sich hat, ist das einfach sehr ästhetisch. Die Gänge sind eng und belebt, mit stehenbleiben und fotografieren ist da eigentlich nicht viel. War mir aber egal.

Natürlich sollte man ein bisschen aufpassen, dass man nicht zu sehr im Weg steht. In der Regel haben die Leute (verständlicherweise) auch nicht so viel Lust, als Fotomodel herzuhalten. Fragen kostet natürlich nichts. Einen Dinar als Trinkgeld dabei haben auch nicht. Aber einmal kurz drüber laufen und die Eindrücke und Gerüche aufsaugen ist auch schön!

 

Für mehr Weltwunder mit Frauennamen: Petra

Petra war mein heimlicher Hauptgrund, her zu kommen. Um ehrlich zu sein, ich wusste gar nicht viel mehr über Jordanien, als das hier Petra ist. Ein unverhoffter Haken auf meiner Liste der Dinge, die man eigentlich mal gesehen haben müsste.

Vom Besucherzentrum aus läuft man entlang eines ausgetrockneten Flussbetts in ein Tal hinein. Neben dem Schotterweg verläuft eine Piste, auf der Pferde und Kutschen vorbeibrausen. Wer ein paar Dinar zu viel hat oder schlecht zu Fuß ist, kann hier mitfahren.

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Wer laufen kann, sollte laufen –
es gibt unheimlich viel zu sehen.

Nach ein paar hundert Metern kommt man an einen Punkt, an dem der Weg in eine Schlucht (den Siq, arabisch: der Schacht) einbiegt. Kutschen fahren hier weiter, Pferde nicht. Antike Soldaten halten dort Wache. Von dort an geht es, nach oben offen, immer tiefer in den Berg hinein. Die roten Felswände hängen über, werden immer höher, der Weg immer schmaler.

In den Felswänden finden sich kleine, altarähnliche Nischen, an denen früher die Karawanen Halt machten, um ihrer Verstorbenen zu gedenken. Es regnet zwar hier nur sehr selten, aber insgeheim ist man trotzdem froh, dass die alten Nabatäer einen Tunnel gegraben haben, um das Wasser umzuleiten, das diese ehrfurchteinflößende Schlucht in dem Stein gewaschen hat.

Tja und dann, kurz bevor es beklemmend wird, erhaschst du einen kleinen Ausschnitt des Schatzhauses.

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Wer etwas gegen Ganzkörpergänsehaut hat, sollte jetzt umdrehen.

Denn: der Ausschnitt wird größer. Es folgt die rechte Hälfte des Tempels. Die Schlucht öffnet sich zu einem großen, von Felswänden umschlossenen Platz, an dessen gegenüberliegender Seite die mächtige Fassade des »Khazne al-Firaun« aus dem Stein gehauen ist.

Das Ding ist noch viel größer, als man es sich vorgestellt hat. Fotos mögen beeindruckend sein, aber das musst du dringend mit eigenen Augen sehen.

Alles was danach kommt, geht irgendwie im Dusel unter, dabei ist es gar nicht weniger atemberaubend. Das Tal öffnet sich wieder. Ein römisches Theater – aus dem Fels gehauen!

Ein kompletter Berg voller Höhlen und kleinerer Tempel, Gräber, Klöster, byzantinische Kirchen. Ein römischer Triumphbogen, ein Artemistempel, was soll’s! Ich habe das Schatzhaus gesehen. Am Ende des Tals gibt’s ein Restaurant.

Spätestens seit »Indiana Jones und der letzte Kreuzzug« kennt jeder Petra.

Vielleicht wusste nicht jeder, dass es Petra (griechisch: Fels) heißt, aber das sogenannte »Schatzhaus des Pharao« ist definitiv ein Bild, dass man schon mal gesehen hat – auch wenn es mit dem Pharao ungefähr so viel zu tun hat wie mit Indiana Jones, nämlich: nichts! Ist aber nicht so schlimm.

Allein das Schatzhaus wäre einen Besuch wert, aber: Petra ist aber viel mehr als das. Petra ist eine komplette antike Stadt, ein riesiges System aus Schluchten, Höhlen, Tempelanlagen und Resten römischer Architektur – das meiste davon sieht man noch nicht mal, weil es sich in irgendwelchen Nebentälern befindet.

Hier haben zur Blütezeit (vor 2000 Jahren!) dreißig- bis vierzigtausend Menschen gelebt, manche Fachleute schätzen die Zahl noch höher.

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Petra war die Hauptstadt des ersten arabischen Reichs der Geschichte, der Nabatäer.

Um zu verstehen, wie diese Stadt so wohlhabend werden konnte, dass sie sich 40 Meter hohe, aus dem Fels gemeißelte Prachtbauten leisten konnte, muss man sich eigentlich nur die Lage und die Beschaffenheit ansehen. Hier gab es Wasser. Hier kreuzten sich mehrere Karawanenwege. Die Stadt war praktisch ein Nadelöhr, um von Ost nach West zu kommen.

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Ein antikes Ikea, durch das man komplett durch muss, selbst wenn man nur zum Köttbullar will.

Klar, dass man rechts und links etwas kauft. So hat sich die Stadt reich gehandelt. Dazu kam, dass die versteckte Lage und die tiefen Schluchten die Stadt praktisch immun gegen Angriffe von außen machten.

So entstand eine gut geschützte, bunte Multikulti-Oase. Man sieht es noch heute an der Architektur, die neben den nabatäischen auch ägyptische, griechische und römische Einflüsse aufweist – teilweise in ein und demselben Gebäude.

Fazit: Wenn du dir nur eine Sache in Jordanien aussuchen kannst: Nimm Petra. Ich muss auf jeden Fall noch mal hin.

Tipps für Petra:

  • Zieh dich kalt an & geh hin, wenn es heiß ist. Es ist dann leerer, das gibt schönere Fotos. Wasser einpacken, Sonnencreme, Kopfbedeckung, festes Schuhwerk. Man wird staubig.
  • Sieh dir auch (am besten zuerst, für die bessere Dramatik) Little Petra an. Es ist sowas wie der historische Ortskern von Petra – wenn auch etwas außerhalb. Hier ist weniger los, es ist kleiner, älter, aber mindestens genau so beeindruckend.
  • Nimm dir Zeit. Einen ganzen Tag, oder sogar zwei, drei, wenn du hast. Es ist enorm weitläufig und es gibt viel zu sehen. Außerdem soll Petra bei Nacht unheimlich schön sein. Und der Sonnenuntergang vom Aussichtspunkt aus genauso.
  • Am Ende des Tals gibt es einen Laden (Petra Rosemary), der Kräuter, Gewürze und Düfte verkauft, wie sie vor 2000 Jahren in Petra gehandelt wurden. Wenn du was mitbringen willst, dann ist das dein Laden. Wer nur mal schnuppern, probieren, oder in der Zeit zurückreisen will, ist hier aber auch gut aufgehoben.
  • Der Petra Eintrittspreis hat Freizeitpark-Niveau. Lohnt sich aber. Selbst dann, wenn man nur einen Tag dort ist. 50 JD (63 EUR) kostet das Tagesticket – am besten in bar. Wenn man eine 2- oder 3-Tageskarte kauft, wird es allerdings nur unwesentlich teurer: 3 Tage gibt’s für 60 JD (75 EUR). Wenn das mal kein Wink mit dem Zaunpfahl ist.

Wenn die Welt Natur erbt:
Wadi Rum

Kreuzung in Wüste, Wadi Rum, Jordanien Kamelritt durch Wadi Rum, Jordanien

Ich weiß nicht, ob ich jemals vorher ein Weltnaturerbe gesehen habe, aber besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. Ein weites Wüstental, in dem rein gar nichts ist außer Sand und Felsen.

Ein Wadi sollte eigentlich ein ausgetrocknetes Flussbett sein, das nur vorübergehend, dafür dann sehr viel Wasser führt. Das hier ist allerdings so weitläufig, dass man den Fluss vor lauter Bett nicht sieht.

Man kann ein Stück mit einem historischen Zug hineinfahren. Und dann muss man laufen. Oder mit einem Jeep fahren. Oder auf einem Kamel reiten.

Falls man sich für den Jeep entscheidet, kann man einen Fahrer anheuern, der schon mal 8 Leute durch tiefen, feinen Sand gebracht hat. Man kann aber auch ein Abenteuer erleben, damit man zu Hause was zu erzählen hat!

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Meine Enkel werden später auf meinem Schoß sitzen, und ich werde sagen „Opa ist mal in der Wüste stecken geblieben.“ – ich freu mich schon drauf. Unabhängig davon empfehle ich aus vollstem Herzen einen Kamelritt.

So eine vollkommene Stille wie auf einem Kamel in der Sandwüste kennt man als Europäer nicht. Hierzulande gibt es immer etwas zu hören – Tiere, Wind in Blättern, im Zweifel irgendeine Autobahn in zehn Kilometern Entfernung. Oder den Kühlschrank.

Im Wadi Rum hört man einfach nichts. Es ist fantastisch. Mach das. Und wo du gleich dabei bist, übernachte in einem Beduinencamp und schau dir die Milchstraße an. Ich hatte leider nicht das Vergnügen, bin aber immens neidisch auf zum Beispiel Daniel von Travel on Toast.

Unerreicht paradiesisch:
Wadi Mujib

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Meistens freut man sich ja über Wasser in der Wüste. Außer, wenn man ins Wadi Mujib will, und es wegen einer kürzlichen Überschwemmung nicht begehbar ist. Nur so viel: Es ist eine tiefe Schlucht, die ein Gewässer ins Tote Meer führt.

Und wenn man diese Schlucht hinauf wandert, öffnet sich das Ganze zu einem ansonsten schwer zugänglichen Tal – einem Reservat, in dem seit Urzeiten viele wilde Tiere unbehelligt leben. Es gibt dort Flüsse, die ganzjährig Wasser führen und überhaupt klingt es ziemlich paradiesisch. Definitiv auf meiner Liste für die nächste Jordanien-Reise.

Saladin’s Kreuzfahrerbremse:
Die Festung von Ajloun

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Sultan Saladin, Held und Herrscher der islamischen Welt im 12. Jahrhundert und erfolgreicher Bösewicht wenn man es aus Sicht der christlichen Kreuzfahrer sieht, ließ diese Burg an einen strategisch wichtigen Punkt etwa 70 Kilometer nordwestlich von Amman bauen.

Von dort hatte (und hat) man gute Sicht in alle Richtungen, weshalb die Burg eine wichtige Rolle in der damaligen Nachrichtenübermittlung spielte.

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Was die Mongolen im 13. Jahrhundert dann dort zu suchen hatten? Keine Ahnung. Ich recherchiere das mal nicht, das macht es irgendwie interessanter (sind ja nur 18 Flugstunden bis in die Monglolei). Die Burg ist jedenfalls ein Muss für jeden Mittelalter-Fan – aber auch für Geschichtsmuffel sehr beeindruckend.

Alter Römer! Die antike Stadt Gerasa

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3000 Kilometer vom alten Rom und 40 Kilometer nördlich von Amman liegt die antike Stadt Gerasa, auch Jerash oder Jarash genannt. Nimm dir einen Tag, um dir das anzusehen. Es ist eine für antike Verhältnisse extrem gut erhaltene, komplette römische Stadt.

Theater, verschiedene Tempel, Triumphbogen, ein Versammlungsplatz mit Säulen rundherum, Hippodrom … man muss mal da durch laufen und sich vorstellen, dass das alles mal Dächer hatte und dass die Straßen voller Leute waren. Saucool. Und sauheiß. Unbedingt Wasser mitnehmen.

Wie von einem anderen Stern:
Das Tote Meer

Der tiefste Punkt der Erde – der nicht unter Wasser liegt, versteht sich. Das Wasser ist so salzig, dass man es nicht in die Nähe von Mund und Augen lassen sollte. Dafür kann man sich reinlegen und Zeitung lesen. Wer eine Erfrischung sucht, sollte allerdings lieber in einen Pool springen, denn die Wassertemperaturen im Toten Meer liegen im September gern mal über 30 Grad.

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Bei einer teilweise schwülheißen Umgebungstemperatur von 40 Grad und mehr liegt ein dicker Dunst in der Luft, der die Sonne etwas dämpft. Entgegen einer verbreiteten Annahme kann man trotzdem einen Sonnenbrand bekommen, wenn man sich nicht eincremt. Ich bin Augenzeuge. Also: Sonnencreme nicht vergessen!

Alternativ kann man sich natürlich nach Herzenslust mit salzhaltigem, schwarzem Schlamm einreiben. Der macht einen nebenbei auch mindestens zehn Jahre jünger. Wenn du mich fragst, einen Tag sollte man am Toten Meer einplanen, ansonsten fällt das aber eher in meine Kategorie »muss man mal gemacht haben, aber muss man auch nicht übertreiben«.

Einzig einen Tipp habe ich: Schau dir den Film Interstellar an. Und dann leg dich ins Tote Meer und beobachte den Sonnenuntergang, während du dir vorstellst, du wärst auf einem weit entfernten, erdähnlichen, aber lebensfeindlichen Planeten. Fühlt sich erschreckend realistisch an. Fast, als wäre man Matt Damon.

Wie bescheuert sind eigentlich Grenzen:
Taufstelle Bethanien

Jesus war ohne Zweifel ein geiler Typ, denn er hat es geschafft, dass sich die Leute heute noch streiten, ob er jetzt westlich oder östlich des Jordans getauft wurde. Wir werden es natürlich nie erfahren. Ist ja auch total egal. Früher war das übrigens auch schon total egal, weil es die heutigen Grenzen noch gar nicht gab.

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Heute ist das etwas komplizierter, denn westlich liegt das Westjordanland, das nach einigem kriegerischen Hin und Her unter israelischer Militärverwaltung steht. Und östlich eben Jordanien. Entsprechend muss man auch, wenn man zur mutmaßlichen Taufstelle will, durch verschiedene Checkpoints, Pässe zeigen und Genehmigungen einholen – militärisches Sperrgebiet halt.

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Die ganze Absurdität wird in dem Moment deutlich, in dem man vor einem wenige Meter breiten Fluss steht, am anderen Ufer ruft jemand »Who’s from Germany?« und auf beiden Seiten heben die Leute die Hände. Geschichtlich und landschaftlich und irgendwie auch politisch interessant. Aber auch irgendwie seltsam.

Oase in Mondlandschaft:
Die heißen Quellen von Ma’In

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Ein Stück das Tote Meer runter, eine halbe Stunde südwestlich von Madaba, liegen die heißen Quellen von Ma’In. Inmitten einer unwirtlichen, bergigen Steinwüste tut sich hier plötzlich eine grüne Oase auf.

Sie wird von thermischen Wasserfällen gespeist, die im September mit um die 65 Grad am heißesten sind. Wenn man die Umgebungstemperatur mal als erfrischend kühl empfinden möchte, muss nur vorher ein Bad in einem der heißen Pools nehmen.

Man kann auch unter den Wasserfällen duschen oder in einer Höhle saunieren. Das hat wohl auch dereinst der kranke König Herodes zu Genesungszwecken versucht – gestorben ist er allerdings trotzdem.

Wenn man die richtige Stelle unterm Wasserfall findet, kann man auch ein paar kühle Tropfen abbekommen. Aber Vorsicht: Dort oben ist es sauglatt. Und damit meine ich, es ist so glatt wie ein Babypopo. Auf dem Eis. Mit Wasserrutsche.

Blühender Baum mit Katze, Ma'In, Jordanien

 

Part 2: Wissenswertes

Jordanien und die Familie

Eins merkt man hier ziemlich schnell: Die Familie hat, wahrscheinlich nicht nur in Jordanien, einen deutlich höheren Stellenwert als bei uns. Da kann man sich als Europäer ein paar Scheiben von abschneiden. Hier wird keine Oma ins Altersheim abgeschoben.

Es gibt viele Kinder, alle wohnen zusammen bis sie heiraten, und die Großeltern wie die Geschwister werden in die Erziehung mit einbezogen. Die Bedingungen sind natürlich auch andere. Trotzdem finde ich das irgendwie menschlicher, noch nicht so kapitalismusversaut.

Hier wird alles geteilt. Selbst in Mehrfamilienhäusern stehen alle Türen offen, die Kinder spielen mal hier, mal da, und holen sich ihre Bonbons, wo sie wollen.

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Apropos Zusammenhalt. Wenn der kleine Bruder Scheiße baut, helfen ihm die großen Brüder. Danach erst fragen sie ihn, was überhaupt passiert ist. Und auch sonst ist hier nie jemand allein: Familien gehören zu Clans. Egal, wo man hinkommt, man hat man sofort ein paar Freunde, wenn man sagt, ich bin vom Clan soundso. Ziemlich praktisch.

Klimatisiert oder Zelt:
Unterkünfte in Jordanien

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Ich persönlich stehe ja nicht so auf 5-Sterne-Hotels. Aber mit Zelten ist in der Steinwüste leider nicht so viel, wenn man nicht gerade Beduine ist und ein Nomadenzelt im Garagenformat und ein Feldbett dabei hat.

Wer trotzdem mal eine Nacht in der Wüste verbringen möchte, kann in einem Beduinencamp übernachten. Mitten in der Wüste. Der Sternenhimmel muss da fantastisch sein. Beim nächsten Besuch werde ich es vielleicht mal mit Airbnb versuchen – das ist familiärer als Hotels und günstiger als Barcelona. Und ins Beduinencamp kommt man damit glaube ich sogar auch.

Von A wie Amman nach B wie Aqaba:
Fahren in Jordanien

Faszinierend. Wie die hier fahren! Kreuz und quer, ohne Vorfahrtsregeln, kaum einer ist angeschnallt. Faszinierend auch, dass hier nichts passiert. Nicht einen Unfall haben wir gesehen, und wir sind ziemlich viel rumgefahren. Autobahnen sind nicht viel mehr als zwei Asphaltstreifen, die nebeneinander durch die Wüste laufen.

Genau genommen sind es mehrere Asphaltstreifen übereinander, die in mehreren Stufen nach außen hin abfallen. Sechsspurig, ohne Fahrbahnmarkierungen. Alle paar Kilometer wird gebremst. Wer sich jetzt fragt, warum, hier die Antwort: Ja, es gibt Drempels – auf der Autobahn. Häufig dort, wo sich entlang der Straße Leute oder Geschäfte angesiedelt haben. Muss man wissen, sonst ist man überrascht.

Das Wichtigste ist nicht, dass es vier Räder hat –
das wichtigste ist, dass es hupen kann.

Apfeltransport in Jordanien

Wer hier selbst fahren will, sollte vorher einen Hup-Führerschein machen. Es gibt Hupsignale für alles: Von »Obacht, ich bin im Toten Winkel« über »Ich überhole jetzt rechts« bis hin zu »Ich komme gleich um die Ecke«, »Ich habe nicht vor, anzuhalten« und »Stell dich nicht so an, du …«.

Kleinkinder sitzen auf dem Schoß, größere Kinder schauen aus dem Dachfenster, ganz große Kinder stehen auf der Ladefläche. Kurzum, am besten, man hat jemanden, der einen fährt. Ein Taxi für einen Tag kostet 30 Dinar, knapp 40 Euro.

Ansonsten kann man alles heranwinken, was einen grünen Streifen am Nummernschild hat.

Ein grüner Streifen am Nummernschild bedeutet »öffentliches Verkehrsmittel«. Da es keine Bushaltestellen gibt, stehen die Leute einfach so an der Straße. Fahr- oder Linienpläne gibt es hier nicht – die Leute wissen einfach, welcher Bus wohin fährt und wann er kommt.

Wenn er nicht kommt, sind Linientaxis eine bezahlbare Alternative. Kleine Anekdote am Rande: Man hat mal versucht, das Verkehrschaos in Amman einzudämmen, indem man täglich abwechselnd Kennzeichen mit geraden und ungeraden Nummern fahren ließ.

Innerhalb eines Tages gab es allerdings so viele Schlägereien und vermöbelte Polizisten, dass man sich das schnell anders überlegt hat. Die Jordanier sind schon ein eigenes Völkchen, wenn es um ihre persönliche Freiheit geht. Oder ist es ihr persönlicher, kleiner Protest gegen die Staatsgewalt? Ich weiß es nicht.

Viel und lecker:
Essen und trinken in Jordanien

Generell muss man sich seine Magenkapazitäten gut einteilen, denn wenn man nicht aufpasst, ist man schon nach dem Durchprobieren der vielen leckeren Vorspeisen pappsatt. Idealerweise isst man zuerst die beste Linsensuppe der Welt (Shourbat Adas).

Dann probiert man sich durch einen Tisch voller Salate, zum Beispiel Sesamsalat (Salatat Khodra bil Tahina) oder Tomatengurkensalat mit geröstetem Brot (Fattoush), während man sein – mit etwas Glück frisch gebackenes – Brot in Auberginenpüree (Baba Ganuj), eine heiße Tomatenpfanne (Galayat Bandura) oder Kichererbsenmus (Hummus) dippt.

Wenn man satt ist, kommt die Hauptspeise.

Oft ist das gegrilltes Fleisch, Lamms- oder Hähnchenfleisch aus dem Ofen mit Reis oder Kartoffeln. Zum Nachtisch gibt es gern mal süßes Gebäck. Und Türkischen Kaffee mit Kardamom. Sehr zu empfehlen ist zum Essen ein Getränk namens Laimun bi-na’na‘. Hat mit Banane nichts zu tun, sondern ist Zitronensaft mit frischer Minze. Kommt aus dem Mixer. Mit Schaumkrone. Deliziös! Das in meiner Hand sind übrigens frische Datteln. Die sind schon total süß, haben aber (noch) eine Esskastanienartige Konsistenz. Ersetzt jedes Lebensmittel und hilft gegen alles. Die Jordanier schwören drauf!

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Wenn man das Ganze selbst kochen will, kann man das unter fachkundiger Anleitung zum Beispiel in Petra Kitchen tun. Ein schönes Video von unserem Bloggerkochabend zusammen mit diversen Rezepten zum Nachkochen hat die liebe Victoria von Globeastronaut gemacht:

Guten Appetit!

Obacht: Kein Trinkwasser.

Was man übrigens mit Vorsicht genießen sollte, ist Leitungswasser und alles, was aus Leitungswasser gemacht ist. Einschließlich Eiswürfel. Manch einem reicht schon das bloße Zähneputzen mit Wasser aus dem Hahn, um sich nachhaltig mit Bauchweh und anderen unangenehmen Dingen zu versorgen.

Warum ist das so? Naja, weil Wasser in Jordanien nicht auf den Bäumen wächst – und deshalb zum Beispiel in solchen Tanklastwagen transportiert wird:

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In Hotels finden sich unter anderem aus diesem Grund auf dem Zimmer täglich frische Wasserflaschen mit stillem Mineralwasser. Die kann man übrigens auch an jeder Ecke auf der Straße kaufen. Sollte man in die Verlegenheit kommen, irgendwelche Feldfrüchte kaufen zu wollen, sollte man die auch mit Flaschenwasser waschen oder ausgiebig kochen.

Eine Hepatitis A-Impfung wird trotzdem vom Auswärtigen Amt für Jordanien empfohlen und ist wahrscheinlich auch sinnvoll.

Dresscode Jordanien:
Was man anzieht

Das Spektrum der Möglichkeiten ist sehr groß. In Amman laufen viele Leute, Frauen wie Männer, sehr europäisch rum. In den abgeschlossenen Systemen von Hotels tun sie das auch in ländlicheren Regionen. Ansonsten ist es eher so: Egal wie arm oder reich sie sind, egal wie staubig, und egal wie heiß es ist, die Männer tragen hier lange Bundfaltenhose und Hemd, oder zumindest ein Poloshirt.

Die Kleidung wirkt hier ein bisschen wie ein kleines, unveräußerliches Stück Würde, das sich jeder bewahrt. Man hat das Gefühl, hier gäbe es hier nur rechtschaffene Leute und ehrbare Berufe. Und ich glaube, das ist tatsächlich so. Der Straßenfeger wird hier genau so respektiert wie der Bürgermeister. Liegt aber wahrscheinlich nicht nur an der Kleidung. PS: Eine Kopfbedeckung gegen den Sonnenstich ist ganz nützlich.

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Wer sich als Frau nicht so gerne beobachtet fühlt, ist gut beraten, nicht zu viel Haut zu zeigen. Die Leute in Jordanien sind durchsichtige Klamotten und öffentlich unbedeckte Knie nicht unbedingt gewöhnt, und so ist jeder freie Bauch und jede hautenge Hose eine kleine Attraktion, die relativ ungeniert angestarrt wird.

Wer hier als Frau mit Hotpants rumläuft, erteilt quasi einen Freifahrtschein zum Gucken. Und neben den vielen halb- und vollverschleierten rutscht man gefühlt auch schnell in die Ecke der – nun ja – nicht so ehrbaren Berufe.

Ein Tuch zum Bedecken der Schultern und des Kopfes sollte man griffbereit haben, insbesondere, wenn man so etwas wie eine Moschee betreten will. Hilft übrigens auch gegen die Sonne. Und gegen die Kälte der in der Regel sehr klimatisierten Hotels, Geschäfte und Autos.

Gesunder Optimismus:
Reisekrankenversicherung für Jordanien

Ja, sollte man machen. Sagt das Auswärtige Amt. Habe ich auch gemacht. Mit Rückhol-Option. Gebraucht habe ich sie nicht. Aber dazu sind Versicherungen ja da, damit man sie nicht braucht. Die Medizinische Versorgung soll in Amman sehr gut sein, im Rest Jordaniens teilweise mit Einschränkungen.

Was ganz schlau ist, ist, dass Ärzte, bevor sie in einer größeren Stadt arbeiten dürfen, zwei Jahre auf dem Land praktizieren müssen. Könnte man sich für Deutschland auch mal überlegen. Ansonsten: Putz dir einfach nicht die Zähne mit Leitungswasser, dann ist alles gut.

Arm, aber sexy:
Geld in Jordanien

Geld kann man ganz normal vor Ort abheben oder umtauschen. Ein Jordanischer Dinar sind im Moment (Oktober 2015) etwa 1,25 EUR bzw. 1 EUR sind 0,80 JD. In vielen Hotels werden auch Euro akzeptiert. Es empfiehlt sich allerdings, immer ein paar einzelne Dinar in der Tasche zu haben, denn in Jordanien gibt man für alles Mögliche ein Trinkgeld.

Blumenkästen in Jordanien

Apropos Trinkgeld: Dass eine kleine Flasche Wasser meistens einen Dinar kostet, ist reiner Zufall. Im Allgemeinen unterscheiden sich die Preise nicht so sehr von den europäischen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass man Tourist ist?

Jordanien versteht dich:
Kleines Wörterbuch Arabisch

  • assalam’aleikum = Guten Tag (Gruß)
  • ‚aleikum assalam = Guten Tag (Antwort)
  • sabah el khair = Guten Morgen (Gruß)
  • sabah el noor = Guten Morgen (Antwort)
  • masa el khair = Guten Abend (Gruß)
  • masa el noor = Guten Abend (Antwort)
  • marhaba = Hallo
  • ma’assalama = Auf Wiedersehen (wenn man geht)
  • fi amman allah = Auf Wiedersehen (wenn man bleibt)
  • shukran = Danke
  • Hal tatakalum Al Engleaziah? = Sprechen Sie Englisch?
  • Ana la atakallum Al Arabiah = Ich spreche kein Arabisch

Tausend und ein Dank!

An das Jordan Tourism Board für die Einladung. Und auch an unseren Reiseleiter Nasr. Es war wunderschön! Wenn du mehr über Jordanien lesen willst, schaut doch mal bei den lieben Kollegen von globeastronaut, patotra, thebestoftheworld und urlaubsgeschichten nach.

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Hast du auch noch Tipps für Jordanien?
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Disclaimer: Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Visit Jordan.
Piet Fischer

Piet Fischer

Freier Texter & Konzepter bei B.3CO
Kommunikationsdesigner aus Krefeld am Niederrhein. Passionierter Fahrradnomade und Rucksacktourist. Freut sich über Feedback!
Piet Fischer