Island Roadtrip im Juni – 7 Tage, 1000 Kilometer, eine Millionen Eindrücke [+Mini Packliste]

Island Roadtrip im Juni – 7 Tage, 1000 Kilometer, eine Millionen Eindrücke

Gastbeitrag von Stefan Kuhnigk

 

Im Juni 7 Tage durch eines der schönsten Länder Europas

Eine einzige Woche hat erreicht, wozu es normalerweise Jahre braucht. Gewöhnung an Schönheit und Anmut in Form von Landschaften, die man so nicht kennt, die man so noch nie gesehen hat, die unbeschreiblich sind, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Ich habe mit den eigenen Augen, die Farben und die Ferne aufgesogen, mit den eigenen Ohren, dem leisen Rauschen des Windes und dem zirpen der wenigen Vögel gelauscht, mit der eigenen Gänsehaut die Regenschauer und Sturmböen erfahren, die mich durchnässt haben, mit der eigenen Nase das Moos, das Gras und den Schwefelgeruch der heißen Quellen geatmet und nicht zuletzt den immerwährenden, salzigen Geschmack des Ozeans auf der Zunge gespürt.

All diese Eindrücke verbinden sich an einem Ort zu einem ganzheitlichen Ding, das man nicht wirklich in Bildern wiedergeben kann. Wahrscheinlich auch nicht in Worten. In Island.
 

So schnell kann man sich in ein Land verlieben

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Wie du merkst, bin ich immer noch zutiefst beeindruckt von einem Land, welches herzlich mit seinen Besuchern umgeht, das mit offenen Armen empfängt und mit eben diesen offenen Armen so schnell feste zudrückt, dass man eigentlich nicht mehr weg will.

Ein Land, in dem 120.000 Menschen im Großraum der südwestlich gelegenen Hauptstadt Reykjavik leben und die restlichen 200.000 im weiten, nahezu menschenleeren Raum jenseits von Reykjaviks Grenzen. 3,1 Menschen pro Quadratkilometer, durchschnittlich 35,6 Jahre alt. Und hier in Deutschland?

229 pro Quadratkilometer und 44,9 Jahre. Genau diese Jugendlichkeit merkt man dem Land an. Es wirkt frischer, nicht so festgefahren, einfacher. Wenn man durch die Straßen und Cafes stromert bemerkt man die Gelassenheit, die vielen hier in die Wiege gelegt wurde. Und das ist wunderbar.
 

Gemeinsam mit wildfremden Menschen durch Island

roadtrip island

Meine Reise begann am Flughafen Hamburg, zusammen mit Luisa, einer Freundin, die ich über Instagram, ja, das geht, kennengelernt habe. Wir kannten uns vorher nicht und das war schonmal Teil 1 des Abenteuers.

Wir hatten über Airbnb ein Apartment gebucht. Ingibjörg, unsere Gastgeberin war sehr herzlich und hat uns nach 3 Stunden Flug mit Airberlin vom 45km entfernten Flughafen aufgelesen. Auf dem Flug haben wir Norman und Christoph kennengelernt, die uns auf fast allen Touren begleitet haben.

Dicken Gruß an die Kerle an dieser Stelle. Unsere Wohnung lag auf der Halbinsel Seltjarnarnes, einem Stadtteil von Reykjavik, mit Blick auf die südliche Bucht.
 

Tag 1 – Pingvellir & Pingvallavatn

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Farben, die ihresgleichen suchen. Unentdeckte Seen, die sich hinter Nebenstraßen aus Schotter verstecken. Landschaft so weit das Auge reicht und noch weiter. Absolute Stille und Ruhe. Wind. Steinhügel, Klippen am Rande der Kontinentalverschiebung und die wohl einzige von Büschen bewachsene Fläche Islands. Absolut irre, was man innerhalb von ca. 60 km Umkreis schon entdecken kann.
 

Tag 2 – Stykkisholmur, Olafsvik und Hellnar

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near hellnar

Eine beeindruckende Route, die ich jedem nur empfehlen kann, der auf Island ein Auto gemietet hat. Man kann die Route an einem Tag, wir waren ca. 16 Stunden unterwegs, schaffen und wird mit atemberaubenden Anblicken von Vulkanen, kleinen Fischerstädten, einer Wal-Tour in Olafsvik, Gletschern und Wanderwegen durch Lavafelder in Hellnar verwöhnt.

Außerdem bemerkt man, warum die Isländer an Trolle glauben – die sind einfach überall. Jeder Stein sieht aus, als würde er sich im nächsten Moment bewegen können. Abgesehen davon war es einfach unfassbar auf einen freistehenden Vulkanrest zu klettern und die Aussicht auf den Gletscher Snaefellsjökull zu genießen.
 

Tag 3 – Reykjavík, Kleifarvatn und Porlakshöfn

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Der absolute Regen. Ich war selten so nass, wie an diesem Tag, an dem wir erst in der Stadt drei Cafes abgeklappert haben, über den Kleifarvatn bis nach Porlakshöfn gefahren sind und unterwegs, trotz wasserfester Jacke, einfach nur geduscht wurden. Geduscht.

Und ich wohne in Hamburg. Der Regen hier ist ein Heidenspaß gegen den isländischen Regen. Klatsch… nass. Also ernsthaft. Nass. Und trotzdem sehr sehr glücklich, denn der Kleifarvatn ist ein gigantischer See, der an diesem Tag eher wirkte wie ein Meer, da man das Ufer gegenüber nicht sehen konnte.

Fun Fact: Der See versickerte im Jahre 2000 relativ plötzlich und büßte 1/5 seiner Fläche ein. Man erzählt sich, dass man es sogar gluckern hören konnte wie bei einem gigantischen Abfluss und geht davon aus, dass sich unter dem See tektonische Spalten geöffnet haben. Der See hat heute allerdings schon wieder normale Größe erreicht.
 

Tag 4 – Vik, Pakgil, Seljalandsfoss und Skogafoss

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Das Wetter hatte sich eingeregnet, was den Reisenden in Island herzlich wenig interessieren sollte. Wasser gibt es von allen Seiten, dafür gab es aber für die Augen die unfasslichsten Anblicke von Natur, die man sich vorstellen kann.

Moos und grasbehangene Hügelketten, schwarze Lavasandstrände, schroffe Klippen aus Lavagestein oder Basaltsäulen und wunderschöne Wasserfälle wie den Seljalandsfoss, der 60m über eine Klippe fällt und hinter dem ein Wanderweg entlangführt.

Dazu eine Tour über Stock und Stein, 14 km in das Landesinnere, bis zu einem Campingplatz namens Pakgil und später der Skogafoss, bei dem wir nochmal so richtig nass werden. Und das Alles in der Gegend um Vik, den südlichsten Punkt Islands oder auf dem Weg dorthin. Hier könnte man sicherlich auch mehrere Tage verbringen und sich ein Hotel in Vik gönnen.
 

Tag 5 – Kleifarvatn & Reykjavik

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Wir versuchen uns nochmal daran den Kleifarvatn zu besuchen und nicht durchnässt wiederzukehren. Wir schaffen es fast ohne Regen, der genau dann einsetzte, als wir im Auto sitzen und ich bemerke, dass ich mein Fotostativ ca. 200m entfernt am Strand vergessen hatte.

Also doch wieder klatschnass. Island, du Schlingel. Das Gute: Der Regen ist einem wirklich egal, weil man mit diesen immer neuen wunderbaren Ausblicken vertröstet wird. Hier habe ich auch dieses hübsche Foto von Luisa geschossen, die sich in Vik einen tollen Island-Pullover gekauft hatte.

Den Nachmittag verbrachten wir entspannt in Reykjavik. Endlich wieder Sonne, Ozean, Hafen und wieder in die schönen Cafes.
 

Tag 6 – Golden Circle

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Wir tun es doch – und fahren den „Golden Circle“ ab. Das ist die Route, die von allen Pauschaltouristen gefahren wird, denn sie vereint Pingvellir, Geysir und Gullfoss. Also das Naturschutzgebiet, den zweitgrößten Geysir der Welt und den größten Wasserfall Islands.

Diese Tour ist nicht so anstrengend wie die anderen beiden großen Touren in den Süden und Westen und wir sind guter Dinge, als wir in Gullfoss ankommen. Es ist unvorstellbar, wie viel Wasser diesen Wasserfall hinunterbricht. Gigantisch und von Touristen total überlaufen, denn wir haben ja Juni.

Danach geht es nach Geysir, dem namensgebenden Ort für alle Geysire der Welt. Und ratet mal, was man dort alle 8-15 min bestaunen kann. Seht selbst oben im Foto. Danach haben wir zu viert die große Wohnung genutzt und gekocht. Ein bisschen verschnaufen.
 

Tag 7 – Reykjavik und Finale

Wir müssen früh raus, denn der Tag ist unser letzter Tag. Wir müssen noch packen. Ab 12 gehen wir zu Fuß bis nach Downtown und trennen uns dort. Luisa macht noch eine Bootstour und ich brauche ein bisschen Ruhe von der Hektik und dem vielen Fahren. Ich setze mich in ein Cafe und genieße die Ruhe bei einem tollen Kaffee im Cafe Mokka.

Ein Greis setzt sich zu mir, denn ich sitze auf seinem Stammplatz, und erzählt mir Teile seiner Lebensgeschichte, erzählt von dem und dem, und was er schon gemacht hat. Er kennt jeden, der draußen vorbeigeht. Die Welt, und grade Island, ist klein – und steht für mich in diesem Moment mal kurz still.

Er war, oder ist noch immer, Schauspieler am Theater. Er ist bekannt. Eine Größe gewesen. Davon sehe ich selbst natürlich nicht mehr so viel, wirkt er doch eher verwahrlost und träumerisch in alten Zeiten schwelgend. Spontane Sympathie, denn ich fühle mich auch ab und an genau so.

Als der Mann dann von einem Freund begrüßt wird beschließe ich zu gehen, klappe mein Notizbuch mit Kaffeemonster zu und verabschiede mich höflich. Er lächelt, kauderwelscht etwas auf englisch und verabschiedet mich ebenso herzlich, wie er mir seine Geschichte erzählte.

Später schaue ich das WM-Finale 2014 mit Tommy, einem neuen Bekannten aus Berlin, vor einem Pub in Island. Luisa ist derweil von der Tour wieder zurück und schaut sich das Finale ein paar Meter weiter auf einem größeren Platz an. Direkt danach holt uns Ingibjörg ab und bringt uns zu unserem Flug. Wie gesagt. Die Isländer sind nett. Das hätte wohl kaum ein anderer getan.

Um 6 Uhr sind wir wieder in Hamburg und können es noch nicht so richtig fassen, was wir innerhalb einer Woche gesehen haben.

Wow. Wenn ich daran denke, will ich wieder weg.

Ach. Eins noch. DER Tipp für alle, die in Island kein Auge zubekommen, weil es einfach hell ist im Sommer – Foto um 11 Uhr nachts:


 

Meine Mini Island Packliste:

  • Regenfeste, warme Jacke (10-20°C im Sommer)
  • Eine Kombi aus günstigem Regencoat und Fleecejacke
    ist absolute Empfehlung
  • Wanderschuhe
  • 
Regenhose (teilweise wurden wir echt nass, wenn es an die Wasserfälle geht)
  • Tagesrucksack
  • Meine angestaubte Nikon D80 mit 14 mm Walimex Objektiv und Nikon AF-S DX Nikkor 18-200mm Objektiv
  • Flasche Wasser & Snacks für längere Fahrten
  • kostenlose oder die kostenlose DKB VISA Kreditkarte → geht überall in Island, auch für Kleinstbeträge in den entlegensten Shops
  • Handy (3G ist auch auf einem Vulkan kein Problem. Deutschland, was geht da eigentlich bei dir so?)

 
back country at Vik 1
 

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Stefan Kuhnigk

Stefan Kuhnigk

Mehr von Stefan findest du auf www.kuhnigk.com – einer Mischung aus Blog, Arbeiten und anderen Gedanken. Stefan kreiert außerdem auf www.thecoffeemonsters.com die Kaffeemonster, die du vielleicht schon auf BoredPanda, Buzzfeed, Mashable oder in der FAZ gesehen hast.
Stefan Kuhnigk
  • Mandy Jochmann

    Lieber Stefan,

    ein schöner Bericht, der nicht nur Deine, sondern auch meine Faszination für dieses wunderbare kleine Eiland widerspiegelt!
    Ich finde es klasse, dass Ihr Euch die sieben Tage Zeit genommen habt, um den eher südlicheren Teil der Insel ausgiebig kennenzulernen. Viele nehmen sich direkt die Ringstraße für eine Woche vor und ärgeren sich dann, dass es so schnell ging und sie nicht genug Zeit haben.
    Ihr wart an Ecken, die ich beispielsweise auslassen müsste, dafür sind mein Freund und ich aber in 14 Tagen einmal um die Insel. Und ich kann Euch versprechen: Es wird noch viel viel grandioser für Euch, wenn Ihr das nächste Mal hinfliegt! Vor allem die Gletscherlagune Jökulsárlón am Vatnajökull hat mich tief beeindruckt, dazu die einsamen Ostfjorde und wir waren ganz verliebt in die Gegend um Akureyri! Bei uns stünde dann noch Eure Route an und die Westfjorde, für die man sich Zeit nehmen sollte!
    Falls Ihr für die Ring Road Reisetipps braucht, schaut gerne auf Go Girl! Run! vorbei!
    Aber erst mal in den faszinierenden Bildern und Erinnerungen schwelgen. Danke, dass Ihr mich wieder in Island-Fernweh gestürzt habt!

    • Hey Mandy,

      Dank Dir. Der Trip war echt wundervoll. Der Süden lohnt sich wirklich sehr. Ich habe noch ein paar weitere Eindrücke, die ich hier gar nicht in der Kürze wiedergeben konnte. Grade der Weg nach Westen war bombastisch. Da konnte selbst die Kamera nicht das einfachen, wie essich angefühlt hat. 🙂

      Werde da definitiv nochmal hinfliegen, wenn es die Zeit erlaubt, denn ich habe noch einen Gutschein für eine Waltour in Olafsvik, da wir leider keine Wale gesehen haben – bei absoluter Wal.Garantie. 😉

      Herzchen,
      Stefan

      • Mandy Jochmann

        Hi Stefan,

        ja, es gibt Momente, da sollte die Kamera einfach mal liegen bleiben und man die Eindrücke mit ganzem Herzen und Sinnen einsaugen. In Island ging mir das nur so! 😀
        Ja, den Walgutschein haben wir auch noch. Wir hatten das Glück bei einen Wal bei Dalvik zu sehen. Ursprünglich wollten wir eine Mittagsnachtour machen, aber das Wetter war schlecht und so buchte man uns auf die Waltour. Ein Wahnsinns-Erlebnis. Wie alles dort oben 😉

        Sonnige Grüße und Herzchens zurück!

  • Simone

    Ohhh, habt ihr eine neue Kommentarfunktion? DAS HIER IST JETZT MEIN ERSTER KOMMENTAR, aber nicht weil ich nicht wollte, sondern weil ich die Funktion vorher schlichtweg nicht gefunden habe. Sehr schöner Artikel. Vor allem die Tatsache, dass die beiden sich über Instagram kennengelernt haben. Wie schön! Ich sehe schon, ich muss wohl auch mal nach Island.

    Bis bald! … in Estland! :))

    • Huhu,

      Absolut. Flieg hin. Es ist einfach richtig… richtig schön dort. Auchbei Regen. 😉

      Grüßle,
      Stefan

    • Mandy Jochmann

      Du Nase, die Funktion gibts doch lange! Wir machen dann Estland unsicher und Du musst dann ALLE Artikel kommentieren 😉

    • Ich glaube du hast schon mal irgendwo bei Neuseeland kommentiert, …aber kommentieren konnte man schon immer 😀