Salkantay Trek – Unser Weg nach Machu Picchu – Teil 1


 

Salkantay Trek

Es kommt ja immer anders als man denkt. So auch diesmal, denn eigentlich wollten wir von Arequipa weiter nach Puno fahren, von dort nach Cusco und dann nach Lima. Weils quasi auf einem Weg liegt. Nun schrieb uns aber die Dani an, dass sie für den 10.09. eine Gruppe für den Salkantay Trek hätte. Mit Dani waren wir bereits in Chachapoyas auf dem 4-Tages Trek und hatten eine Menge Spaß. So entschlossen wir uns kurzerhand, direkt nach Cusco zu fahren und mit ihr gemeinsam den Salkantay Trek zu wandern. Wir kamen also am 08.09.13 in Cusco an und hatten genug Zeit, um anzukommen und alles zu organisieren. Den Trek buchten wir mit Intisun Trek. Wir bekamen ein ausführliches Briefing und alle unsere Fragen wurden geduldig beantwortet. Es war ja schließlich unser erster Mehrtages-Trek mit Camping.

Tag 1 (10.09.13) – Bis zum Fuße des Salkantay

Am 10.09.13 klingelte dann um 4:15 der Wecker, da wir gegen 05:30 abgeholt werden sollten. Leider blieb der Wecker von uns ungehört, da wir aufgrund nächtlicher Ruhestörung Oropax in die Ohren gestopft hatten. Um 5:00 bin ich dann zum Glück hoch geschreckt und war sofort hellwach. Da wir tags zuvor bereits alles gepackt hatten, waren wir dann trotzdem pünktlich an der Hotelrezeption.Mit dem Bus ging es zunächst 1 1/2 Stunden nach Mollepata, wo wir ein kleines Frühstück einnehmen konnten. Anschließend ging es weitere 40 Minuten nach Marcocasa auf 3470m. Hier wurden die Reisetaschen, sowie das Proviant und die Zelte auf Pferde geladen und unsere Wanderung konnte starten. Neben unserem Guide Joel begleiteten uns noch Alejandro, der Pferdetreiber, Wilfredo, unser Koch, und Domingo, der Hilfskoch. Es ging dann auch sogleich 1 1/2 Stunden bergan, bis zu unserem ersten Mittagsstop auf. Und unser erstes Mittagessen haute uns gleich mal vom Hocker. Vorspeise: Avocado mit einer leckeren Cocktailsauce, dann eine leckere Suppe und als Hauptspeise: Forellenröllchen gefüllt mit Spinat. Wahnsinn. Danach fiel es uns mit unsren vollen Bäuchen schwer weiter zuwandern. Die nächsten 3 1/2 Stunden ging es zu unserer Erleichterung auf ebener Strecke durch die braun-grünen Berge. Und dann lag er plötzlich vor uns: der gewaltige, 6271m hohe, schnee- und eisbedeckte Salkantay. Wie uns Joel erzählte, seien einige beim Versuch ihn zu besteigen, ums Leben gekommen. Und so trägt er seinen Namen „wilder Berg“ zu recht.

Am Fuße des Salkantay, in Soray Pampa (3800m) schlugen wir nun unsere Zelte auf. Martin und ich hatten allerdings noch eine besondere Mission zu erfüllen: unsere Hotelrezeptionistin hatte uns einen Brief für ihre Mutter mitgegeben, die hier lebt und einen kleinen Kiosk betreibt. Also machten wir uns auf die Suche und wurden alsbald fündig. Wir erkannten sie sofort, ihre Tochter ist ihr absolutes Ebenbild. Die Freude über den Brief war groß und als Dankeschön konnten wir unsere Kamera bei ihr aufladen. Mission erfüllt!

Nachdem die Zelte aufgebaut waren, packten wir uns ersteinmal mehrlagig ein. Heute würde die kälteste Nacht werden, um die -7 Grad. Danach trafen wir uns für ein Bierchen an der Bar (!), bevor um halb sechs dann zur Teatime gerufen wurde: Coca Tee, Kaffee oder Schokolade und dazu Popcorn, so stell ich mir das Paradies vor!
Beim Abendessen erklärte uns Joel dann den Ablauf des nächsten Tages. Das sollte unser anstrengendster Tag werden: 4 1/2 Stunden hinauf auf den Salkantaypass auf 4650m. Und anschließend ein 5-stündiger Abstieg auf 2800m und in wärmere Gefilde. Aufgrund des langen bevorstehenden Tages als auch wegen der Kälte packten wir uns alle zeitig in die Schlafsäcke.

 
 


 

 Tag 2 (11.09.13) – Wir holen alle ein! Hinauf auf den Salkantay Pass (4650m).

Am nächsten morgen wurden wir um sechs Uhr von einem Klopfen und einem zarten „Buenos dias, Coca Tee“ geweckt. Wilfredo steht mit zwei Tassen dampfendem Tee vor unserem Zelt. Das ist mal ein Start in den Tag. Kurze Zeit später bekamen wir noch zwei Schüsseln mit dampfendem Wasser zum Waschen. Beim Frühstück wurden wir dann noch von einem riesen Fruchtsalat begrüßt. Aufbruch war um 07:15 Uhr, die meisten anderen Gruppen waren schon los marschiert. Für den heutigen Tag hatten alle Gruppen ein sogenanntes Emergency Horse dabei, falls man den Aufstieg nicht schaffen sollte. Vielen ging es allerdings jetzt schon so schlecht, entweder aufgrund der Höhe oder schlechten Schlafs, dass sie von anfang an auf die Pferde mussten. Wir marschierten selbstverständlich per Pedes.
Bereits nach einer viertel Stunde hatten wir die erste Gruppe eingeholt. Und als es dann richtig steil wurde überholten wir einen schwer schnaufenden, mit Stöcken nach halt ringenden Wanderer nach dem anderen. Oben am höchsten Punkt angekommen, hatten wir, statt der angekündigter 4 1/2 Stunden, nur 2 1/2 Stunden gebraucht, jeah!
Joel erklärte uns hier nun einiges zu den vielen aufeinander gestapelten Opfersteinen, die es hier oben zu finden gibt. Die Einheimischen, die den Pass überqueren opfern hier Cocablätter und einen Stein und bitten den Berg sowie Pacha Mama (Mutter Erde) so um eine sichere Reise und Gesundheit für ihre Familien. Wir alle opferten ebenfalls und durften im Stillen drei Wünsche äußern. Wir waren alle sehr berührt von der besonderen Stimmung und der Zeremonie. Nach etwa zwanzig Minuten an diesem zugigen Ort mit fantastischem Blick auf das Tal und den Salkantay ging es an den Abstieg. Nach ungefähr 100m befanden wir uns im Nebel und nach weiteren 100m fing es an zu regnen. Und bis zur Mittagspause nach 1 1/2 Stunden hörte es auch nicht mehr auf.
Ich brauche vermutlich nicht erwähnen, dass das Mittagessen mal wieder vorzüglich war. Frisch gestärkt ging es tiefer ins Tal und die Landschaft veränderte sich. Bald waren die Hänge dicht bewaldet und von Wasserfällen durchzogen. Unten im Tal rauschte ein Fluss und durch die Luft schwirrten Kolibris. Wenn wir uns umdrehten, konnten wir noch einen Blick auf den Salkantay werfen. Unglaublich, von dort sind wir gekommen?
Langsam wurde es wärmer und wir konnten uns aus unseren Klamotten pellen. Und gleichzeitig mussten wir uns mit Mückenspray einbalsamieren. In der Zwischenzeit überholten uns Wilfredo, Alejandro und Domingo mit den Pferden. Sie waren immer vor uns am Ziel, um alles aufbauen und vorbereiten zu können. Und das in Sandalen und ausgelatschten Chucks, alle Achtung. Diesmal überholten wir sie allerdings nach kurzer Zeit wieder: Domingo war bei den Pferden und die anderen Zwei schlugen sich im Gebüsch am Steilhang unterhalb des Weges rum. Komisch, was machen die denn da? Naja, so genau wollten wirs dann doch nicht wissen und marschierten weiter. Am Zeltplatz in Ccolpapampa auf 2800m angekommen mussten wir also erst einmal warten, da wir nicht wussten, ob wir vielleicht noch etwas weiter gehen. Joel ging mit den etwas langsameren Canadiern. Kein Problem für uns, wir setzten uns gemütlich auf einen der Balkone und genehmigten uns das obligatorische Bierchen. Später erfuhren wir von den zwei anderen, dass das Emergency Horse den Hang hinunter gestürzt war und Wilfredo und Alejandro es bergen mussten. Dem Pferd ist glücklicherweise nix passiert und es saß ja zum Glück auch niemand drauf.

 
 


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Carolin Steig

Carolin Steig

Projektmanagerin, Bloggerin & Weltreisende bei WE TRAVEL THE WORLD
Am liebsten draußen in der Natur unterwegs. Entweder zu Fuß oder mit ihrem Islandpferd.
Carolin Steig
  • Joachim Steig

    Ein grandioser Blick auf den Berg Salkantay! Welche Wünsche hattet Ihr denn auf der Passhöhe?
    Gruß vom Pa!
    P.S. wir waren gerade in Neuseeland und fuhren mit dem Overlander von Auckland bis Wellington, dann mit der Fähre nach Picton (das werdet Ihr sicher auch tun) und dann bis Dunedin. Wo seid Ihr gerade?

  • Julia

    Was für tolle Fotos vom Salkantay! Und das Essen war sicher der Hammer!

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