Sen Monorum – Elefantenreiten? Nein Danke!


 


 

Mit dem Minibus von Kratie zu den Elefanten

Am 05.03.14 wurden wir morgens von unserem Minibus am Hotel Le Tonlé in Kratie abgeholt. An dieser Stelle möchten wir euch einen wertvollen Tip geben. Als wir Minibus hörten war unsere Gedankenkette wie folgt: komfortabler, schneller, super Sache. Aber weit gefehlt! Schneller ja, da der Fahrer in einer Affen-Geschwindigkeit durch die Landschaft rast. Da er aber ständig anhält, um zunächst Leute und Waren aufzugabeln und später dieselben wieder abzuladen, schrumpft der Vorsprung zum Reisebus dann doch wieder. Komfortabler? Niemals! Die Knie stoßen an den Vordersitz und statt der 16 Passagiere, die entsprechend der vorhandenen Sitze angebracht wären, waren wir 24 Leute plus Gepäck. Allein auf dem Fahrersitz saßen schon zwei Personen. Die Klimaanlage funktionierte nur, wenn das Fahrzeug anhielt, ansonsten hieß es Fenster auf, Staub und Steinschläge rein. Nun gut, soviel dazu, jetzt müsst ihr selbst entscheiden.
Wir bevorzugen nun nur noch Reisebusse, hier hat man auf jeden Fall einen Sitz für sich und gewisse Beinfreiheit. Klimaanlage sei dahingestellt und die ewige Karaoke Musik haben wir eh schon ausgeblendet.
Wir erreichten Sen Monorum gegen 12:30 Uhr. Sen Monorum ist eine staubig rote und dreckige Kleinstadt in der Provinz Mondulkiri im Osten des Landes. Wir hatten uns in der Nature Lodge eingebucht, die 10 Minuten mit dem Mototaxi entfernt liegt. Dort angekommen sollten wir die zwei Nächte direkt im voraus bezahlen, wo gibt’s denn sowas! Wir einigten uns auf eine Anzahlung. Unser Bungalow war wunderbar, schlicht aber schön. Allerdings mit ziemlich vielen Lücken und Ritzen in der Decke, so dass es bei Wind abends schnell auskühlt. In der ersten Nacht haben wir tatsächlich gefroren. Ansonsten hat uns die Nature Lodge nicht gefallen, einzig und allein wegen des unmotivierten Personals. Einen Chef oder irgend jemanden, der da verantwortlich ist, konnten wir nicht ausmachen.
 

Elephant Valley Project – Einfach wieder Elefant sein

Für den nächsten Tag wollten wir das Elephant Valley Project besuchen. Wir überlegten wieder hin und her, da die Tour mit 70$ ganz schön teuer ist. Andererseits sahen wir das Geld auch als Spende an das Projekt und so buchten wir für den nächsten Tag.
Am 06.03.14 machten wir uns um 7:00 Uhr auf zum Treffpunkt. Bei dem Preis ist kein Pickup drin, das könnten sie echt mal anbieten. Nun gut, Abfahrt zum Projekt war dann gegen viertel vor acht. Der Bus wurde an einer kleinen Wellblechhütte abgestellt, wo wir erst einmal eine sehr detaillierte Einführung erhielten. Hier wurden uns auch alle Kostenfaktoren aufgeschlüsselt und beschrieben, wie unser Geld Verwendung findet, echt super.
Kurz umschrieben handelt es sich um ein Projekt, das überarbeiteten und geschundenen Elefanten ermöglicht, sich zu erholen. Hier können sie einfach Elefant sein oder es lernen. Einige werden von ihren Besitzern nur vorübergehend, sozusagen auf Urlaub, hierher gebracht. Andere haben das Glück, für immer bleiben zu dürfen. Mehr Infos findet ihr auf der Website.
Nun ging es zu Fuß in den Dschungel zu den Elefanten. Der Weg dorthin ist steil und man muss über provisorische Holzbrücken kraxeln, festes Schuhwerk ist ein Muss. Im Tal fließt ein kleiner Fluss, an dem wir auf den ersten Elefanten und seine traurige Geschichte stießen. „Onion“ wurde für eine der härtesten Arbeiten missbraucht, als Holzrücke Elefant, um die seltenen Edelhölzer aus dem Wald zu ziehen. 12 Stunden arbeiten, nichts zu essen, nichts zu trinken, immer wieder wird die empfindliche Elefantenhaut mit dem spitzen Mahut Haken traktiert. Irgendwann gab Onion einfach auf, setzte sich hin und wollte nicht mehr. Als nichts half, bohrten ihr die Arbeiter ein Loch in die Stirn, um dort den Haken einzusetzen und sie zu steuern. Unvorstellbar und an Grausamkeit kaum zu übertreffen.

Wir möchten hier aber auch darauf hinweisen, dass nicht alle Elefantenbesitzer „schlecht“ sind. Viele sind schlichtweg überfordert, sie haben den Elefanten geerbt, aber ihnen wurde das dazugehörige Wissen nicht vermittelt. Sie wissen nicht, wie man mit einem Elefanten umgehen sollte, wieviel die Tiere essen oder trinken, was sie benötigen. Woher auch. Viele sind abhängig von den Einnahmen, die der Elefant erzielt, um ihre Kinder zum Arzt zu schicken oder sonstige Ausgaben abzudecken. All diese Ausgaben versucht das Projekt ebenfalls zu decken und versucht somit die Kernprobleme zu lösen.

Onion hat den Umgang mit anderen Elefanten nie gelernt und kann daher keinen direkten Kontakt mit den anderen Elefanten haben.
Wir schauten drei weiteren Elefanten dabei zu, wie sie im Fluss badeten beziehungsweise von ihren Mahuts mit Wasser bespritzt wurden. Sie hatten nie gelernt, sich selbst mit Wasser zu bespritzen. Jeder der Elefanten hat seine Geschichte, viele müssen zum Elefantenreiten für Touristen herhalten. Jeder von uns denkt, dass sind so große Tiere, dass ist doch nicht schlimm für die – leider weit gefehlt. Elefanten sind sehr empfindliche Tiere, sie können höchstens 10% ihres Gewichtes tragen. Das Gestell für die Touristen drückt ihre Rippen zusammen, durch die Schläge des Mahuts mit dem Bambusstab gegen den Kopf erblinden viele Elefanten. Die 15 Tiere, die es in Kambodscha in Gefangenschaft noch gibt, müssen den Druck der ganzen Tourismusindustrie aushalten. Das bedeutet viel zu lange Arbeitstage, zu wenig Futter und Wasser. Normalerweise ist ein Elefant 18 Stunden am Tag damit beschäftigt zu fressen, zu trinken und sich zu pflegen.
Es war einfach schön, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Wenn man da an unsere Zoos denkt …

Gegen 12:00 Uhr ging es bei extremer Hitze in einem halbstündigen Marsch zum Basecamp des Projektes. Hier gab es Mittagessen, was echt lecker war, aber etwas zu wenig. Wegen der Hitze war die Pause auf zwei Stunden angesetzt, was natürlich recht lang war. Im Nachhinein wäre eine Halbtages Tour ausreichend gewesen, wir erfuhren von dieser aber erst, als man uns fragte, ob wir die Halbtages- oder Ganztagestour machen würden.
Die zweite Hälfte führte in einen anderen Teil des Dschungels und auch zu anderen Elefanten. Diese waren schon viel weiter im „richtigen“ Elefantsein, was sich in ihrem Verhalten widerspiegelt. Sie bewegen sich sicherer, holen sich ihr Futter auch von den Bäumen, knicken auch Bäume um, damit sie an die Blätter kommen.
Trotzdem zog sich die Tour nun ziemlich in die Länge. Nach weiteren zwei Stunden mit den Elefanten ging es dann auf den Rückweg.
Insgesamt war es ein sehr interessanter aber doch etwas zäher Tag. Wir können euch eher die Halbtagestour empfehlen, am besten einfach beim Elephant Valley Project nachfragen. Einen halben Tag lang Elefanten beobachten reicht einfach.
 

Weitere Infos:

– Mahuts oder Mahouts sind Führer und oftmals Eigentümer eines Arbeitselefanten. Mehr Infos: hier 
– Ein Elefant kostet zwischen 15.000 – 20.000 USD und meist teilen sich viele Familien einen Elefanten
– Bei den Elefanten vom Projekt werden Mahuts eingesetzt die über Jahre eine Beziehung zu den Elefanten aufbauen. Sie fügen ihnen keine Schäden zu und sind den ganzen Tag einfach nur in der Nähe ihres Elefanten.
– Einige der einheimischen Guides, unter anderem die der Nature Lodge, reden das Projekt schlecht, weil die Touristen nicht mehr ihre Touren buchen, sondern zum Elephant Valley Project gehen. Die Tour sei viel zu teuer und bei der Gemeinde käme nichts von den Einnahmen des Projekts an. Das stimmt aber so nicht.  Und sie vergessen gerne, dass die Touristen, die wegen des Projektes kommen, in Sen Monorum übernachten, im Ort essen und trinken, einkaufen und die Infrastruktur nutzen.