Finally Heimweh – Ausbruch einer Reisekrankheit


 

Schleichende Symptome

Eigentlich wollen wir es uns nicht eingestehen. Aber irgendwie sind wir lustlos. Besichtigen wir einen Tempel, ertappen wir uns dabei, wie wir denken: “Joa, ganz nett, sieht aber genauso aus wie die letzten drei, die wir besichtigt haben”. Oder wir kommen zu einem wunderbaren, menschenleeren Strand, mit weißem Sand und türkisgrünem Wasser. Und wir schauen uns an und sagen: “Ja, nett. Sieht aus wie Strand XY in Z”. Irgendwie können wir uns nicht richtig begeistern, es haut uns nix mehr so recht um. Ja, es ist schön, natürlich, aber irgendwie kennen wir es schon.
Ich weiß, es klingt unfassbar, aber wir haben in den nun 9 Monaten einfach so wahnsinnig viel gesehen: unglaubliche Strände, dichten Dschungel, hohe Berge, tiefe Schluchten, historische Orte. Wir haben tolle Leute getroffen und auch schlechte Erfahrungen gemacht. Wir haben unendlich viel erlebt, einfach eine geniale Zeit gehabt. Und nun, vier Wochen vor Ende der Reise, hat sich das Gefühl, dass sich schon in Australien langsam angeschlichen hat und uns in Vietnam und Kambodscha begleitete, nun endgültig eingenistet: Heimweh.

Eric, ein Freund von Martin, der ebenfalls eine Weltreise gemacht hatte, hatte uns schon vor gewarnt: 8 Monate auf Reisen reichen dicke. Wir waren also vorbereitet und hatten in unserer Planung auch Erholungsphasen mit bedacht. Nach drei Monaten reisen machten wir erst einmal elf Tage Urlaub auf Fiji. Das war definitiv eine gute Entscheidung. Danach ging es voller Energie nach Neuseeland.
 

Schwerwiegender Verlauf

Nachdem wir in Neuseeland soviel erlebt und gesehen hatten, soviel mit unseren Füßen erwandert hatten und so begeistert waren, war Australien dann für uns eher ernüchternd. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Jahreszeit (Sommer – viiiel zu heiß), die Region (Ostküste) und die Ferienzeit der Australier selbst. Wir sahen tolle Strände, aber bald waren es für uns halt einfach nur Strände. Wandern im Outback war bei der Hitze einfach nicht drin und so machte sich ein komisches Gefühl breit. Wir wünschten uns Brot mit Käse, auf der Couch zu liegen und Glotze zu schauen und unser Bett! Wir waren völlig Unternehmungsmüde.
Schließlich war klar: das also ist die berühmte Reisemüdigkeit, von der wir vorher schon oft gehört hatten. Wir versuchten ihren Ausbruch hinaus zu zögern, in dem wir uns länger an einem Ort aufhielten und einfach mal nix unternahmen. Ohne Erfolg – aufhalten ließ sich ihr Ausbruch nicht.
 

Endgültiger Ausbruch

Hier in Thailand ist sie nun endgültig da. Die Sehnsucht. Sehnsucht, endlich wieder nach Hause zu kommen, Familie und Freunde zu sehen. “Richtiges” Brot und “richtigen” Käse zu essen. Die gute, klare Luft zu atmen, die Straße ganz einfach an einer Ampel überqueren zu können. Saubere Straßen, Asphalt, keine staubige Piste. Auf der eigenen Couch abhängen, die eigene Dusche genießen. Ja, ich kann verstehen, dass ihr verwundert die Stirn runzelt. Für euch mag das unglaublich klingen. Für alle anderen Langzeitreisenden wird das ein vertrautes Gefühl sein. Wir waren darauf vorbereitet und wussten, dass es kommen würde. In Australien dachten wir noch, dass das Gefühl nach einer kleinen Reisepause wieder vergehen würde. Ist es aber nicht.

Es ist schön und schade zugleich. Schön, weil man merkt, wie wichtig einem die Heimat ist. Wie gut es uns in Deutschland geht, was wir alles haben, worüber wir sonst nur meckern: die Bahn, die Müllabfuhr, Supermärkte und und und. Schade, weil wir zu müde sind, um uns das Land näher zu bringen, zu faul, um von einem Ort zum nächsten zu reisen und die Menschen zu sehen, ihr Leben und ihr Land. Wir sind nun einfach auf einer Insel und machen Urlaub. Urlaub wie wir ihn machen würden, wenn wir einfach nur 2 Wochen hätten, um uns zu erholen. Strand, lesen, essen. Und das tut uns gut. Wir freuen uns auf unser vorerst letztes großes Abenteuer, bevor es heim geht: Nepal. Hier wollen wir endlich wieder die Flip Flops gegen die Wanderschuhe eintauschen. Und die unerträgliche Hitze gegen eine kalte Brise. Wir sind gespannt, auf das was kommt. Und hoffen, dass wir dann wieder voller Energie und Tatendrang sein werden.
 

Krankheitserscheinungen

Für mich sind beide Phänomene getrennt von einander zu betrachten. Sie können sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander auftreten.
 

Reisemüdigkeit

Die Reisemüdigkeit wirkt sich in erster Line in Unlust und Unternehmungsmüdigkeit aus. Sie tritt, je nach Persönlichkeit, früher oder später ein und hauptsächlich bei Langzeitreisenden. Man verspürt kein Interesse, sich etwas anzuschauen, auch hat man nicht so recht Lust weiter zu reisen. Auf lange und unbequeme Busfahrten, die man sonst als Abenteuer gesehen hat und die einem nichts ausmachten, hat man gar keine Lust mehr und will sie möglichst umgehen. Ein längerer Aufenthalt an einem Ort mildert die Symptome, heilte uns aber nicht von dieser Müdigkeit.

 

Heimweh

Im Gegensatz zur Reisemüdigkeit kann Heimweh auch bei kürzeren Reisen auftreten. Es äußerst sich durch ein starkes Sehnsuchtsgefühl nach bestimmten, mit der Heimat eng verbundenen Objekten oder auch Individuen. Wir vermissen z. B. unsere Familien und Freunde, deutsches Brot, guten Käse, den ich zu Hause tagtäglich in mich reinstopfe und unsere schnuckelige Wohnung. Beide Phänomene werden vermutlich innerhalb kürzester Zeit nach unserer Rückkehr in ein drittes Phänomen, das Fernweh, umschlagen.
 

Habt ihr ein Mittel gegen Reisemüdigkeit?

 
 
 

Carolin Steig

Reisebloggerin & Outdoorlover bei WE TRAVEL THE WORLD
Am liebsten draußen in der Natur unterwegs. Entweder zu Fuß oder mit Islandpferd Snörp.
Carolin Steig

21 Kommentare

    • 26. März 2014
    • Antworten

    Bitte nicht im Land von Som Tam und Tom Ham Gung an Brot und Käse denken. Nutzt die Zeit in Thailand für die (aus unserer bescheidenen Sicht) beste Küche der Welt. Wünschen euch noch Lust und Laune für die nächsten Wochen und einen guten Start in der Heimat – wenn es dann soweit ist. Dann ist immer noch Zeit genug für Käsebrot…

    • Mmmmh Käsebrot … Nein, Spaß bei Seite, wir lieben die Thailändische Küche und genießen sie auch. Gleich gibt es erstmal frisch gefangenen Fisch. Und wir nutzen die Zeit hier zum Durchatmen und freuen uns wie Bolle auf Nepal. Berichtet mal, wann und wie oder ob überhaupt, euch eine dieser tückischen Reisekrankheiten befällt :-)

  1. NEEEEIIIINNNNNN….Ihr dürft auf keinen Fall HEIMWEH haben…Ich sitze hier in Deutschland und würde alles geben, um mit euch zu tauschen…Als Tipp vielleicht skypt ihr mal mit freunden und bekannten, dass hilft schon mal fürs erste! Und dann würde ich als persönliche Einstellung die letzte zeit geniessen und sich auf zuhause freuen. Denn ihr werdet bestimmt wieder Fernweh bekommen und euch dann ärgern, weil Ihr die blöden Gedanken hattet….Ihr müsst für uns eure Reisemüdigkeit überwinden und uns soviel wie möglich von der Ferne zeigen….!!!!!

    • Danke Jasmin! Ja wir haben lange überlegt, ob wir euch von dieser schlimmen Krankheit überhaupt erzählen sollen, weil wir wissen, wie das auf euch “Daheimgebliebenen” wirken muss. Aber wir wollen ja ehrlich mit euch sein!
      Übrigens haben wir die Skype-Medizin schon ausprobiert, das macht es nur schlimmer :-)
      Danke für Deine aufmunternden Worte, das trägt sicherlich zur Heilung bei! Und jetzt will ich nen Döner!

      • Ich glaube Ihr macht das genau richtig. Es ist wie es ist, und dann sollte sowas auch ausgesprochen werden. Schließlich wärt Ihr nicht authentisch, wenn Ihr nicht sagen würdet, was Ihr denkt. Ich wünsche Euch einfach, dass Ihr die letzten Tage nicht alles ‘zerdenkt’, sondern einfach nochmal die Seele baumeln lasst. Ihr könnt es nicht ändern, macht das beste daraus. :)

        • Danke für die aufmunternden Worte, wir werden sie beherzigen

      • Ich find es trotzdem super das ihr hier alles teilt was euch beschäftigt…:) Und euer Blog wird eine wundervolle Erinnerung sein..:)

        • Das freut uns zu hören! Wir wollen ja ehrlich Bericht erstatten. Oh ja, der Blog ist jetzt schon eine super Erinnerung, wenn ich mir unsere Einträge von Costa Rica anschaue

  2. Wir sind ganz stolz auf euch, dass ihr soooo lange durch gehalten habt. Ich hätte mich nicht auf eine Weltreise begeben. Zwei Wochen von Zuhause weg reichen mir schon. Allerdings muss ich zugeben, dass wir schon die Tage zählen und uns sehr auf euch freuen. Nepal wird aber bestimmt noch sehr schön. Vlg

  3. Wenn wir drei Wochen in den USA waren oder sonst wo auf der Welt, freue ich mich zum Ende tierisch auf ein tolles Frühstück mit einem leckerem Leberwurstbrötchen.
    Einen Tag später gibt es dann die obligatorische Currywurst am Uellendahl. :)

    Die Eindrücke, die Bilder, die Gerüche und alles drum und dran bei so einem “Urlaub” sind so intensiv, dass man das alles gar nicht richtig verarbeiten kann und man sich dann irgendwann wirklich wieder auf zu Hause freut. Zwei Tage später möchte man am liebsten sofort wieder los und sich ins nächste Abenteuer stürzen, nur geht das dann leider nicht. Und das ist bei uns schon nach drei Wochen so, also will ich mir gar nicht vorstellen wie dass bei euch nach 8 Monaten ist.
    Genießt die letzte Zeit eures Abenteuers. Wir alles freuen uns jedenfalls schon sehr auf euch. Lg

      • Ich gebe euch zwei Tage.

        Spätestens wenn ihr die ersten Amtsbesuche hinter euch habt. :)

  4. Na das habt Ihr ja wieder schön geschrieben und so muss es auch sein! Das Leben bietet so viele Perspektiven und Ihr habt ja noch ziemlich viele vor Euch. Man muss nur bereit sein, sie zu erkennen. Häufig sind es ja nur prozesshafte=alterungsbedingte Veränderungen, die sind nicht immer leicht zu entdecken. Da helfen Gefühl und Wachheit und Ehrlichkeit gegen sich selbst! Und dann darauf einlassen und die neuen Lebensumstände gewinnend nutzen! Auch aktiv ansteuern und “leben”.
    Warum ich das jetzt schreibe: Ihr hattet einen Riesen-Perspektivenwechsel. Da ist es doch wunderschön zu erfühlen, dass es zu Hause besonders schön ist. Auch im Wissen, dass jetzt hier viel Neues auf Euch wartet.
    Also Herzlichen Glückwunsch zu Euren neuen Lebens”erfahrungen”!
    Was mich angeht: In 4 Wochen seid Ihr wieder hier, da freue ich mich riesig drauf. Herzlich Willkommen in Deutschland und bei Ma+Pa!

  5. Komme erst heute zum lesen. Kann euren blues gut nachempfinden. Die Rückkehr ist ja schon in greifbare Nähe gerückt, also geniesst jetzt die letzte Etappe !! In 6 Wochen ist das alles nur noch ein Traum. lg ma

  6. Ihr Lieben, 10 Tage nach meiner Rückkehr leide ich unter Fernweh!! :D

  7. Ich bin auch froh, dass ihr über dieses Thema schreibt. Ich habe momentan die Qual der Wahl: 6 Monate arbeiten in Phnom Penh oder weiterreisen. 6 Monate sind schon ne lange Zeit, um über die Reisemüdigkeit hinweg zu kommen und ich frage mich, ob mich die Reiselust nicht schon viel eher wieder packen wird!?

    • Phnom Penh wäre für mich persönlich nicht unbedingt der Ort, an dem ich 6 Monate sein möchte. Die Reiselust wird dich definitiv früher packen :-) Wir könnten jetzt wieder los. Wenn das aber ein spannender Job ist kann das natürlich sehr interessant werden. Probier’s doch einfach aus! Den Job hinschmeißen kannst du doch jederzeit.

  8. Mir geht es genauso! Keiner zu Hause kann es verstehen.. und ich fühl mich auch schon so ein bisschen schlecht, dass ich mich so fühle. Eigentlich sollte ich das alles hier genießen, hab die Möglichkeit hier zu sein und dass alles zu erleben. Zuhause ist Winter und schlechtes Wetter, hier in Neuseeland ist Sommer. Eigentlich ein super mega schönes Reiseland. Aber ich fühl mich so kraftlos, mag nicht mehr weiter und will einfach nur nach Hause ins vertraute Umfeld. Nach 5 Monaten Reisen.. 2 Monate hab ich noch… jetzt aufgeben möchte ich irgendwie auch nicht, ich weiß ja zu hause wartet nur Arbeit und es wird schnell wieder das Gefühl aufkommen, weg zu wollen. Naja ich versuche, dass jetzt durchzustehen, aber es ist echt hart, wenn jeder daheim sagt: “Aber du bist doch im Urlaub und erlebst so viel tolles dort, wie kann es dir da schlecht gehen?! ”
    Hätte auch nie gedacht, dass mir das Reisen mal zuviel sein könnte ????

    • Hi Sabi,
      lieben Dank für deinen Kommentar und die Beschreibung deiner Gefühlswelt. Ich glaube es ist ganz normal, dass man auf so einer langen und aufregenden Reise an diesen Punkt kommt. Und dass die daheim gebliebenen zu Hause das nicht richtig verstehen können ist auch nachvollziehbar. Nimm dir einfach eine Auszeit, suche dir einen schönen Ort an dem du 1-2 Wochen bleibst und einfach nichts machst. Da gibt es ja in Neuseeland so einige :-) Dann kommt die Reiselust schon wieder.
      Wo geht es für dich denn danach hin?
      Wir wünschen dir noch eine tolle Zeit

      Viele Grüße
      Caro

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