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Trekking Kirgistan: 4 Tage Jukku Barskoon Trek – Abenteuerwanderung durch unberührte Regionen [+Karte]

Trekking Kirgistan: 4 Tage Jukku Barskoon Trek – Abenteuerwanderung durch unberührte Regionen

Trekking in Kirgistan steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber immer beliebter. In diesem Artikel stelle ich dir den noch unbekannten, 4-tägigen Jukku Barskoon Trek im Osten Kirgistans (bei Karakol) vor. Übrigens: am Ende der Seite findest du unsere Videobeiträge zu Kirgistan und eine Karte mit der Wanderroute!

Wie kommen wir überhaupt auf Trekking in Kirgistan?

Die Liebe zum Wandern, besonders für Mehrtagestouren, entdeckten wir auf unserer zehnmonatigen Weltreise. Es gibt einfach nichts Schöneres und Intensiveres, als ein Land zu Fuß zu entdecken. Du bewegst dich langsam voran und kannst die Landschaft, die Leute und die Kultur in aller Ruhe in dich aufsaugen. Du kannst schweigen und deinen Gedanken freien Lauf lassen.

Du kannst tiefgründige oder auch nicht so tiefgründige Gespräche führen. Du staunst über die Leistungsfähigkeiten des menschlichen Körpers und du fühlst dich frei und unbelastet. Nun wurden wir von Discover Kyrgyzstan eingeladen, ihr Land in Zentralasien zu besuchen und dir dieses noch recht unbekannte Reiseland mit seinen vielen Facetten näher zu bringen.

Der längste und bisher aufregendste Trek war für uns der Annapurna Circuit in Nepal. Der Jukku Barskoon hat ihn aber in Punkto Abenteuer bei Weitem übertroffen! Du wanderst in touristisch völlig unerschlossener Region. Die einzigen Menschen, denen du begegnen wirst, sind Nomaden auf den Sommerweiden. Richtige Wege gibt es kaum.

Besonders bei den zwei Passüberquerungen (Jukku Pass, 3.634m und Dunguromo Pass, 3.767m) läufst du querfeldein oder folgst den Viehtritten. Du musst zahlreiche Flüsse durchqueren. Selbst wenn es Tags zuvor noch eine Brücke gegeben hat, verlasse dich nicht darauf, dass sie noch dort ist. Die Tage sind lang, wenn du den Trek in vier Tagen schaffen willst. Du musst mit 10 bis 11 Stunden rechnen. Aber du wirst mit unfassbaren Landschaften belohnt!

Berglandschaft beim Trekking in Kirgistan

In unserem Erfahrungsbericht schlüsseln wir dir unsere Erlebnisse des 4-Tages Treks detailliert auf. Grundlegende Informationen zur Vorbereitung, Streckenprofil und alles was du sonst noch wissen musst findest du am Ende des Artikels unter “Generelle Informationen zum Jukku Barskoon Trek“.

Viel Spaß beim Lesen!

Tag 1 – Die Suche nach der Brücke

Länge: 12km
Dauer: 7 Stunden
Camp: auf 2.350m
Wetter: sonnig und heiß

Es ist heiß. Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel und wir versuchen im spärlichen Schatten Schutz zu suchen. Es ist bereits 10:30 Uhr und die übrigen Expeditionsmitglieder sind noch nicht eingetroffen. Ja, Expeditionsmitglieder. Warum, wird sich dir später noch erschließen.

Wir stehen an einer staubigen Kreuzung mitten im nirgendwo. Die Landschaft sieht aus wie aus einem Wildwest Film. Würde mich nicht wundern, wenn Charles Bronson gleich auf einem kirgisischen Nomadenpferdchen um die Ecke geritten kommt. Stattdessen sehen wir von weitem die Staubfahne eines Autos auf der Straße.

Leider fährt der Wagen vorbei und so beschließt unser Übersetzer Cuba mit uns schon einmal loszulaufen. Die anderen werden uns schon einholen. Unser Guide Joldosh wartet mit unseren Backpacks auf die anderen. Martin und ich haben jeweils ein Daypack auf dem Rücken, mit allem was wir für den Tag brauchen. Martin trägt außerdem die Drohne.

Wuestenlandschaft beim Trekking in Kirgistan

Die ersten zwei Stunden unseres 4-tägigen Treks führen uns über eine staubige Straße aber durch faszinierende Landschaft. Rote Felsformationen, die uns sehr an den Uluru in Australien erinnern, säumen unseren Weg. Erster Stopp ist an den heißen Quellen, die an der Straße liegen.

Viele Kirgisen möchten dort hin und so werden wir immer wieder von vorbei preschenden Autos eingestaubt. Schon bald werden wir von unseren Portern Joomart und Asylbek sowie unserem Guide Joldosh eingeholt. Die Jungs sind gut drauf und legen einen forschen Schritt vor. Die Sonne brennt gnadenlos auf uns hinab, Lichtschutzfaktor 50 und ein Sonnenhut sind unbedingt notwendig.

Schließlich kommen wir an den heißen Quellen an. Als wir sagen, dass es uns doch etwas zu heiß für ein heißes Bad ist, sehen wir die Enttäuschung in den Augen der Jungs. Wir versichern ihnen, dass sie ruhig gehen können. Wir haben ja den ganzen Tag Zeit, auf dem Plan sind vier Stunden angesetzt. Wir können ja nicht ahnen, wie falsch wir damit liegen würden.

Nach dem sich die Jungs ihr heißes Bad gegönnt haben und wir die Füße im Gebirgsbach abgekühlt haben, laufen wir ein Stück die Straße weiter. Schließlich lassen wir uns zum Mittagessen am Ufer des reißenden Gebirgsbaches nieder, der uns schon die ganze Zeit begleitet. Wohl gesättigt folgen wir weiter der Straße, die sich nun langsam zu einem schönen Pfad entlang des Flusses wandelt.

Wasserfall in beim Trekking in Kirgistan

Erstes Highlight auf unserer Strecke: ein wunderschöner und erfrischender Wasserfall. Du kannst ganz nah an ihn heran und dich von seiner Gischt abkühlen lassen. Der Weg geht auf dieser Seite des Flusses nicht mehr weiter, die Steilhänge des Gebirges reichen hier direkt bis an den Fluss. Über zwei dicke Baumstämme können wir den Fluss aber ohne Probleme überqueren. Ein paar Meter weiter heißt es nun: Aufsteigen!

Das Tal ist überflutet

Soweit wir unseren Guide richtig verstehen, können wir nicht im Tal weiterlaufen. Der Fluss führt zu viel Wasser und der Weg ist überschwemmt. So geht es ziemlich steil hinauf und wir müssen uns unter Tannenzweigen und dichtem Gebüsch durch zwängen. Einen richtigen Weg gibt es hier nicht mehr.

Der Hang, an dem wir uns schließlich fortbewegen, fällt steil nach rechts ab und ich weiß, dass es an der unsichtbaren Kante hinter all dem Gestrüpp einfach senkrecht nach unten geht. Vor uns liegt ebenfalls eine Schlucht, die wir nicht überqueren können. Langsam wird uns klar, dass der Guide auch nicht recht weiß, wie wir weiter laufen sollen.

So heißt es erst mal stoppen und auskundschaften. Während zwei aus der Gruppe nach einem geeigneten Weg suchen, versuchen wir es uns am Steilhang einigermaßen bequem zu machen. Die Sonne brennt unerbittlich auf uns hinab.

Scheitert der Trek bereits am ersten Tag?

Schließlich kommen die Kundschafter mit schlechter Botschaft zurück: die Brücke über die wir den Fluss im Tal wieder überqueren müssen wurde fortgerissen. Es macht also keinen Sinn, überhaupt weiter zu kraxeln. So steigen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt am Fluss ab.

Dort diskutieren wir die Möglichkeiten durch. Ich bin gedanklich schon dabei, diesen Trek abzubrechen, uns abholen zulassen und einen anderen Trek zu starten. Unser Guide hingegen will am Flussufer das Camp für die Nacht errichten und eine Brücke bauen.

Sollen wir eine Flussdurchquerung wagen?

Ich frage unseren Übersetzer Kuba vorsichtig, ob wir den Fluss nicht auch so überqueren können. Oder ist das zu gefährlich? Joomart zögert nicht lange und lässt gleich Taten folgen: er beginnt vorsichtig den Fluss zu durchqueren. Vorne ist er noch recht flach, hat aber eine unglaubliche Fließgeschwindigkeit.

Der hintere Teil wird kritisch, ich kann fast gar nicht hinsehen! Bis über die Knie steigen ihm die eiskalten, reißenden Wassermassen. Doch er schafft es!

Flussüberquerung beim Trekking in Kirgistan

Martin und ich schauen uns kurz an aber wir sind zuversichtlich, dass wir das packen. Wir haben zum Glück beide unsere Joggingschuhe dabei. Wir ziehen sie kurzerhand für die Flussüberquerung an. Die Hosen ziehen wir vorher einfach aus und schon geht es hinein in die kalten Fluten.

Mit unseren Wanderstöcken können wir uns einigermaßen im steinigen Untergrund stabilisieren. Der erste Teil ist recht gut zu überwinden, nun geht es aber an die tiefe Stelle. Aber mit vereinten Kräften kommen alle sicher auf der anderen Seite an.

Wir freuen uns wie die Schneekönige, dass wir den Trek doch fortsetzen zu können. Da wir nun statt 4 Stunden bereits 7 ½ Stunden unterwegs sind, beschließen wir gleich bei der nächsten Möglichkeit das Camp aufzuschlagen.

Campsite beim Trekking in Kirgistan

Den Abend lassen wir gemütlich am Feuer ausklingen und verkriechen uns bald in unsere Zelte. Da wir unser eigentliches Etappenziel heute nicht erreichen konnten, müssen wir auf die morgige Etappe noch zwei weitere Stunden aufschlagen. Also stehen uns ca. 8 Stunden bevor.

Tag 2 – 11 Stunden und endlose Höhenmeter

Länge: 18km
Dauer: Knapp 11 Stunden
Höchster Punkt: Jukku Pass 3.634m
Camp: auf 2.543 m
Wetter: durchwachsen mit einigen Schauern

Ich stelle mal wieder fest, dass Zelten nix für mich ist. Völlig gerädert wache ich um 7:00 Uhr auf nachdem ich gefühlt um 5:00 Uhr endlich einschlafen konnte. Alles tut mir weh, meine Augen sind klitzeklein und ich bin hundemüde. Naja, nutzt ja nix!

Das Wetter ist heute nicht mehr so freundlich, der Himmel ist bedeckt und kaum bin ich aus dem Zelt geklettert, fängt es an zu dripseln. Also nieseln. Nach einem kräftigen Frühstück mit Porridge sieht die Welt aber schon wieder anders aus: der Regen hat auf gehört und ich freue mich auf den heutigen Tag! Und das obwohl ich weiß, dass wir statt 6 Stunden wohl 8 Stunden brauchen werden.

Zweites Frühstück bei Nomaden

Wir sind froh heute wieder einem normalen Weg folgen zu können. Er führt uns durch Nadelwald sanft bergauf bis zu einer großen Wiese, auf der ein kleines Zelt steht und zahlreiche Pferde grasen. Unsere Porter sind schon vorgelaufen, werfen die Rucksäcke hin und unterhalten sich mit den Nomaden.

Fruehstueck bei Nomaden, Trekking in Kirgistan

Als wir aufschließen werden wir herzlich zum Tee eingeladen. Da sagen wir nicht nein, auch wenn wir erst zwanzig Minuten unterwegs sind. Und es gibt nicht nur Tee sondern auch „Oromo“ (ich hoffe wir haben das richtig aufgeschrieben). Das ist ein leckerer Teig mit Zwiebeln und der ersten Milch der Kuh. Solche Einladungen folgen auf unserem Weg noch einige Male und wir müssen sie manchmal aus Zeitgründen schweren Herzens ausschlagen.

Kirgisische Gastfreundschaft

Nomaden Familie beim Trekking in Kirgistan

Die Kirgisen sind ein unglaublich gastfreundliches Volk. Sie heben die besten Stücke immer für den Gast auf auch wenn sie manchmal gar nicht wissen, wann der nächste vorbei kommt. Diese Tradition ist tief in ihrer Nomadenkultur verwurzelt.

Oft ist ein Hirte den ganzen Tag unterwegs und muss zum Beispiel Zuflucht vor einem Sturm suchen. Und da es jedem so ergehen kann, werden auch Fremde immer wärmstens aufgenommen und mit dem Besten versorgt. Ist das nicht eine tolle Kultur der Gastfreundschaft?

Wo ist der Weg zum Jukku Pass?

Weite Ebene in Kirgistan

So gemütlich und lustig es in diesem kleinen Zelt auch ist, wir müssen uns losreißen und weiter ziehen. Der Weg führt uns weiter ganz entspannt seicht bergan. Die Sonne kämpft sich durch und wir sind gut gelaunt. Allerdings wissen wir auch, dass wir heute noch ordentlich Höhenmeter machen müssen.

Vorher führt uns der Weg aber in eine weite Ebene in der sich der gestern noch reißende Fluss weiter verzweigt und etwas gemächlicher dahin strömt.

Es bietet sich uns ein atemberaubendes Panorama und wir kommen aus dem Staunen und Fotografieren gar nicht mehr raus. Rechts von uns erheben sich die Berge und wir wissen, dass wir dort irgendwo den Weg zum Pass finden müssen. Und wir merken auch, dass sich unser Guide nicht ganz sicher ist, wo er den Weg in die Berge einschlagen muss.

Ein langer Aufstieg

Reiter in Kirgistan

Er versichert sich bei zwei Nomaden, die mit ihren Pferden vorbei kommen und so beginnt der Anstieg. Und ab hier endet der Weg. Immer wieder folgen wir einzelnen Viehtritten und halten gleichzeitig die Augen nach der Ideallinie auf. Umgehen wir das steile Stück und nehmen dafür den längeren Weg auf uns? Wir entscheiden uns mal so mal so.

Die Gruppe zieht sich langsam auseinander, da jeder seinen eigenen Schritt geht und mit atmen beschäftigt ist. So schrauben wir uns Stück für Stück in Richtung Pass. Nach ca. Dreiviertel der Strecke bergan lassen wir uns zum Mittagessen nieder. Der Wind pfeift über uns hinweg und es ist ganz schön ungemütlich.

Mittagessen Beim Trekking in Kirgistan

Gestärkt machen wir uns an den Rest des Aufstieges. Nach jeder Bergkuppe denken wir „jetzt sind wir oben“ aber es liegt nur noch eine weitere Steigung vor uns. Mit den Augen fest auf den Boden gerichtet kämpfen wir uns weiter. Dabei entdecke ich wunderschöne Wildblumen, zahlreiche Grashüpfer und Schmetterlinge, denen der raue Wind gar nichts auszumachen scheint.

Jukku Pass KirgistanAussicht vom Jukku Pass in KirgistanAussicht vom Jukku Pass in Kirgistan

Und schließlich erreiche ich endlich den Kamm des Passes und bin erst mal sprachlos. Gegenüber von uns türmen sich riesige, von Gletschern bedeckte Berge auf. Unter uns erstreckt sich ein grünes Tal mit einem Fluss, der sich in der Ferne verliert. Wir jubeln alle und genießen diesen majestätischen Anblick.

Was hoch geht muss auch wieder runter

Der Gedanke an den Abstieg trübt meine Freude doch ein kleines bisschen. Wir müssen nun fast 1.000m in das vor uns liegende Tal absteigen. Die Hänge sind steil und so rutschen und hoppeln wir mehr oder weniger den Berg hinab. Wieder versucht jeder für sich den besten Weg zu finden. Hin und wieder rutscht jemand aus und landet auf dem Hintern. Zum Glück verletzt sich niemand.

Schon wieder eine Schlange

Schlange Kirgistan, Gadyuka Viper

Unten angekommen, sehe ich grade noch eine Bewegung im Gras und springe zurück. Bereits zum zweiten Mal hier in Kirgistan trete ich fast in eine “Gadyuka” Viper. Sie ist wohl für einen gesunden Erwachsenen nicht tödlich, lässt aber die Bissstelle sehr stark anschwellen. Na das kann ich hier nun wirklich nicht gebrauchen!

Camp beim Trekking in Kirgistan

Nach ca. 10,5 Stunden erreichen wir fix und fertig aber happy endlich unseren Zeltplatz. Und der kann sich sehen lassen! Asylbek war schon vorgelaufen und als wir ankommen steht unser Zelt bereits. An einem eiskalten Bach waschen wir uns ein wenig und setzen uns erfrischt zum Abendessen. Was ein Tag!

Tag 3 – Schaffen wir es bis zum Dunguromo Pass?

Länge: 25 km
Dauer: 10,5 Stunden
Camp und höchster Punkt: 3.513 m
Wetter: sonnig und heiß

Wunderschöne Landschaft beim Trekking in Kirgistan

Der dritte Tag führt uns zunächst ca. 4 Stunden durch das breite Flusstal. Die Sonne brennt und die Landschaft scheint sich überhaupt nicht zu verändern. Das ist fasst kräftezehrender als die Passüberquerung am Tag zuvor. Und vor uns liegt ein langer Tag an dem wir wieder 1.000 Höhenmeter überwinden müssen.

Bevor wir unseren Aufstieg beginnen und das breite Flusstal in Richtung Berge verlassen, machen wir Mittagspause. Wir gönnen uns heute sogar zwanzig Minuten Mittagsschlaf bevor es weiter geht.

Steile Berghänge und wieder Flüsse

Flussueberquerung Kirgistan

Nach einigen hundert Metern stehen wir wieder vor einer Flussüberquerung. Und das wird für heute nicht die letzte sein. Anschließend müssen wir ziemlich steil hinauf, da wir leider nicht einfach durch das Flussbett in das Seitental laufen können. So müssen wir über die steilen Berghänge, die zum Fluss hin abfallen, in das Tal vorstoßen. Und das ist extrem mühsam und kräftezehrend.

Unwegsames Gelände beim Trekking in Kirgistan

Vor dem ersten Berghang bin ich guter Stimmung, dass wir danach über sanfte Wiesen entlang des Flusses weiterlaufen können. Als ich die Spitze erreiche und hinüber schauen kann, ist diese Hoffnung schlagartig dahin: Die Berghänge fallen direkt zum Fluss ab, so dass wir nun immer an den Steilhängen entlang laufen müssen.

Und das oft nur auf extrem schmalen Viehtritten. Links geht es steil hinab zum Fluss. Ein falscher Schritt und du rutschst den Berg hinab. Das will ich mir gar nicht weiter ausmalen und konzentriere mich auf meine Schritte. Die Gruppe ist verstummt und jeder konzentriert sich nur auf sich.

Der Weg ist versperrt!

Erdrutsch beim Trekking in Kirgistan

Und dann ist der Weg plötzlich versperrt. Durch einen riesigen Erdrutsch, der sich wie ein Dolch durch das Flusstal geschoben hat. Das Geröll türmt sich bestimmt zehn bis zwanzig Meter hoch vor uns auf. Und es gibt keinen Weg drum herum! Oberhalb ist der Weg zu steil und wir müssten uns komplett durch das Geröllfeld kämpfen.

Zur anderen Seite ist der Weg wieder durch einen reißenden, schlammfarbenen Gletscherfluss versperrt. Immer wieder hören wir, wie das Wasser krachend Gesteinsbrocken mit sich reißt. Frustriert lassen wir uns am Flussufer auf den Boden fallen. Wir sind erschöpft, schon seit 8 Stunden unterwegs und wissen, dass mindestens noch 2 weitere Stunden vor uns liegen.

So leicht geben wir nicht auf

Joldosh macht sich gleich auf, um zu schauen ob den Erdrutsch vielleicht an seinem Ende im Flusstal umgehen können. Nach ca. einer Dreiviertel Stunde kommt er mit schlechter Nachricht zurück. Zu gefährlich. Nun heißt es wieder, einen Weg durch den bedrohlich wirkenden Fluss zu finden.

Ueberquerung eines Flusses in Kirgistan

Während wir auf Joldosh warteten, sahen wir einige Kühe den Fluss durch queren. Das gibt uns Hoffnung. Joomart und Asylbek laufen los und prüfen die Übergänge. Nach einer weiteren halben Stunde heißt es wieder Turnschuhe an und ab in die eiskalten Fluten.

Der Fluss ist breit und schon nach wenigen Sekunden beginnen meine Füße höllisch zu schmerzen! Jetzt nur nicht hektisch werden, ein Fehltritt und ich werde mitgerissen. Auf der anderen Seite versuche ich schnellstmöglich aus den eisigen Turnschuhen zu kommen. Wieder haben wir es geschafft!

Eine tolle Entdeckung

Trotzdem bleibt die Stimmung gedämpft. Laut unserem Guide sollen wir heute noch den Pass überqueren und auf der anderen Seite bis zum Camp wieder absteigen. Wie sollen wir das schaffen? Langsam quälen wir uns weiter durch das unwegsame Gelände. Jeder hängt seinen Gedanken nach und stolpert vorwärts.

Plötzlich ruft einer der Jungs irgendwas auf kirgisisch von hinten. Ich drehe mich erschrocken um und sehe wie alle auf den Berg links von uns zeigen. Ich kneife die Augen zusammen, kann aber nichts erkennen. Die anderen schließen zu mir auf „Marco Polo Sheeps“ ruft Joldosh.

Ich folge mit den Augen seinem ausgestreckten Arm. Jetzt kann ich sie erkennen! Als winzige Punkte fast am Gipfel des Berges! Bestimmt 15 bis 20 dieser riesigen und majestätischen Tiere bewegen sich dort langsam hinauf. Was sie dort oben an dem kargen Gipfel wohl machen? Meine Stimmung hellt sich ein wenig auf.

Es gibt nur einen Weg und der heißt vorwärts!

Erdrutsch Kirgistan

Vor uns versperrt ein weiterer Hang den Blick auf den weiteren Wegverlauf. Von rechts schiebt sich der Erdrutsch nun in seiner vollen Größe in unser Blickfeld. Was für Massen hier herunter gekommen sind!

So ganz wohl fühle ich mich nicht, wenn ich mir links von uns das Bergmassiv mit seinen losen Gesteinsmassen anschaue! Immer wieder müssen wir größere und kleinere frisch abgerutschte Steinfelder überqueren. Es ist unglaublich mühselig, der Untergrund ist uneben und fällt oft rechts steil in Richtung Fluss ab.

Als wir endlich auf der Kuppe des nächsten Hanges stehen, verliere ich jede Hoffnung, dass wir es noch bis zum Pass schaffen. Wieder liegt ein weiterer Berghang vor uns, das Gelände ist unwegsam. Wir halten an. Wir diskutieren, was wir machen sollen. Hier campen? Viel zu gefährlich und am Hang auch kaum möglich. Es gibt nur einen Weg und der heißt vorwärts! Wir sind uns aber einig, bei der nächsten geeigneten Stelle unser Camp aufzuschlagen. Wenn wir eine finden …

Und schon wieder über den Fluss

Flussueberquerung kurz vor dem Camp, KirgistanUnser Zeltlager, Trekking Kirgistan

Als ich das flache Ufer auf der anderen Seite des Flusses sehe, schöpfe ich Hoffnung. Hier können wir unser Camp aufschlagen! Wir sind mittlerweile auf 3.500 Metern, die Nacht wird kalt werden aber das ist uns gerade allen egal. Und dass wir schon wieder den Fluss überqueren müssen? Kein Problem, alles Routine …

Wir sind unendlich froh, als wir um 20:00 Uhr nach 10,5 statt 6 (!) bzw. 8 Stunden alle eingemummelt beim Abendessen sitzen. Kuba und Asylbek haben es sogar geschafft, mit nassem Treibholz ein Feuer zu entzünden! Es qualmt erst fürchterlich, wird aber bald zu einem großen, wärmenden Feuer. Lange bleiben Martin und ich allerdings nicht sitzen. Wir mummeln uns in unser Zelt und sind bald eingeschlafen.

Tag 4 – Regen und ein mühsamer Abstieg

Länge: 11 km
Dauer: 4,5 Stunden
Höchster Punkt: 3.767 m
Endpunkt: 2.743 m Barskoon Valley
Wetter: Regnerisch

In der Nacht wache ich vom Prasseln des Regens auf. „Oh nein“ denke ich, „hoffentlich hält das Zelt dicht“. Es hält dicht aber einschlafen kann ich trotzdem nicht mehr richtig. Der Regen hält an bis zum Morgen. Zum Glück ist heute der letzte Tag, da macht mir das auch nix mehr aus. Rein in die Regenklamotten und los! Das Frühstück nehmen wir bei dem Wetter im Zelt ein.

Hinauf zum Dunguromo Pass

Hinauf zum Dunguromopass, KirgistanBlick ins Tal vom Dunguromo Pass, Kirgistan

Bis zum Pass benötigen wir ungefähr eine Stunde. Und von dort aus bietet sich uns wiederum eine atemberaubende aber gänzlich andere Aussicht ins nächste Tal. Die Sonne malt schöne Flecken auf die grasbedeckte Landschaft vor uns.

Der Dunguromo, nach dem der Pass benannt ist, hüllt sich rechts neben uns in dichte Wolken. Ich hoffe, noch einen Blick auf ihn erhaschen zu können. Aber das wird leider nichts mehr. So machen wir uns an den Abstieg, der tatsächlich mit einem Pfad beginnt!

Steilhänge beim Trekking in Kirgistan

Leider hält der Komfort nicht lang an und es heißt bald wieder Flüsse überqueren, sich an Steilhängen entlang hangeln und über diverse Berghänge kraxeln. Immer wieder prasseln heftige Schauer auf uns nieder und ganz ehrlich: Ich habe jetzt grad einfach keinen Bock mehr!

Es ist geschafft – Endpunkt Barskoon Valley

Abstieg ins Tal, Trekking in Kirgistan

Nach ca. 4 Stunden und einem besonders harten letzten Teilstück am Steilufer eines Flusses hinunter erreichen wir unseren Endpunkt im Barskoon Valley. Hier führt eine Straße entlang hinauf zu einer Goldmine und somit hat uns die Zivilisation mit einem Schlag wieder eingeholt.

Abschiedsessen beim Trekking in Kirgistan

Komisches Gefühl. Eine Stunde weiter oben bist du von allem komplett abgeschnitten und auf dich allein gestellt. Und plötzlich stehst du an dieser Straße und fühlst dich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit katapultiert. Während wir auf unseren Pickup warten, essen wir unser Mittagessen. Die Gruppe ist schweigsam, jeder lässt das erlebte noch einmal Revue passieren.

Plötzlich geht alles ganz schnell: unser Guide aus Karakol kommt mit einem Wagen, das Gepäck wird in den Kofferraum geschmissen. Und es heißt Abschied nehmen! Joomart, Asylbek und Joldosh fahren bei einem Bus der Goldmine mit ins Dorf. Schnell drücken wir ihnen noch ein Trinkgeld in die Hand und schon geht es über die dreckige Straße in Richtung Issik-Kul See.

Auf dem Weg liegen noch ein paar schöne Wasserfälle, bei dem Wetter und nach diesem Trek wollen wir allerdings einfach nur noch unter eine Dusche.

Was ein Abenteuer!

Aussicht auf dem Jukku Barskoon Trek in Kirgistan

Martin und ich sind immer noch ganz begeistert von diesem Trek. Was ein Abenteuer fernab ausgetretener Touristenpfade! Du erinnerst dich, ganz am Anfang habe ich von unseren “Expeditionsmitgliedern” geschrieben.

Jetzt verstehst du sicher auch, warum wir uns so gefühlt haben. Unser Guide erzählte uns unterwegs, dass wir tatsächlich die ersten Touristen seien, die diesen Trek komplett laufen würden. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Vorstellen kann ich es mir aber.

Generelle Informationen rund um den Trek:

Kirgistan: ein unentdecktes Paradies für Wanderer und Bergsteiger

Das knapp 200.000km² große Land ist zu 94% mit Bergen bedeckt. Einige 7.000er befinden sich auch darunter. Der höchste Berg ist der 7.439 m hohe Dschengisch Tschokusu. Für uns war schnell klar: eine Trekking Tour darf in Kirgistan nicht fehlen! Und so schlug uns Discover Kyrgyzstan den 4-tägigen Jukku Barskoon Trek vor. Und wie du dir nach unserem Bericht denken kannst, hat dieser Trek all unsere bisherigen Abenteuer bei weitem übertroffen!

Recherche im Internet? Von wegen!

Wir freuten uns zu Hause schon riesig auf den Trek und wollten uns im Internet vorab schlau machen. Aber: Fehlanzeige! Kirgistan, Kirgisien oder auch Kirgisistan genannt, ist im Internet fast noch ein weißer Fleck.

Informationen sind spärlich und nur über bekanntere Regionen zu finden. Das will Discover Kyrgyzstan ja auch ändern und hat daher viele Blogger aus der ganzen Welt eingeladen, das Land kennenzulernen und seinen Lesern vorzustellen.

Strecken- und Höhenprofil des Jukku Barskoon Treks

Ausgangspunkt des Treks ist Saruu Village, ein Ort westlich von Karakol. Von dort geht es mit dem Auto noch ca. 12 km in Richtung Berge nach Kunboz Balchak, wo die Wanderung für uns startet. Wir empfehlen dir aber als Startpunkt die Straße weiter bis zu den dortigen Hotsprings zu fahren, da die ersten zwei Stunden über eine staubige Straße führen. Die Landschaft ist hier zwar mit faszinierenden roten Felsformationen beeindruckend, der Weg an der Straße aber nicht so ansprechend.

Der Trek ist 66,63km lang und hat es ganz schön in sich. Du überwindest insgesamt 3.092 Höhenmeter, erwanderst zwei Pässe (Jukku Pass, 3.634m und Dunguromo Pass, 3.767m). Wege gibt es meistens nicht und wenn du den Trek in vier Tagen machen willst, musst du mit zwei 10-11 Stunden Tagen rechnen. Unsere Empfehlung ist ganz klar: nimm dir eher fünf oder sogar sechs Tage Zeit.

Jukku Barskoon Trek: Karte mit Route und Infos

Voraussetzungen für den Jukku Barskoon Trek

Der Trek hat uns und auch die Guides an die Belastungsgrenze gebracht. Sei dir bewusst, dass es oftmals keine Wege geschweige denn irgendwelche Wegmarkierungen gibt. Auch unser Guide musste sich immer wieder bei Nomaden des Weges versichern. Brücken, die vielleicht am Tag vorher noch vorhanden waren, sind plötzlich verschwunden und du musst reißende Wildwasser durchqueren. Um die passende Stelle zur Überquerung zu finden verlierst du kostbare Zeit. Du bist auch so schon bis zu elf Stunden unterwegs (bei einem 4 Tage Zeitplan).

Körperliche und mentale Fitness

Du solltest also körperlich wirklich fit sein und dich auch mental nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Wir empfehlen dir unbedingt Wanderstöcke mitzunehmen. Die haben uns an dem einen oder anderen Steilhang enorm geholfen. Eine detaillierte Packliste werden wir noch erstellen und hier verlinken.

Unsere Bitte: Mache diesen Trek auf keinen Fall auf eigene Faust! Nimm dir zumindest einen Guide, der sich in der Region auskennt. In ein paar Jahren kann der Trek vielleicht auch auf eigene Faust gegangen werden. Derzeit fehlt hierzu aber jegliche Infrastruktur. Am besten wendest du dich vor deinem Trip an die Tourismus Organisation von Karakol,Destination Karakol. Im Ort Bokonbayevo findest du in der Tourist Info nützliche Informationen zu den angebotenen Treks.

Packliste

Wir hatten für den 4-tägigen Trek zwei Porter, einen Übersetzer und einen Guide dabei. Die Porter haben unsere Backpacks getragen. Wir haben unseren Daypack mit Wasser, wärmeren Sachen, Snacks, Sonnenschutz etc. getragen. Zelte, Isomatten und Schalfsäcke wurden uns gestellt. Die Schlafsäcke waren sauber, wir hatten trotzdem unsere Inlays dabei. Da es in den Bergen nachts kalt wird, empfehlen wir dir, dich nach dem Zwiebelprinzip zu kleiden. Hier unsere detaillierte Packliste:

 

Unser Kirgistan Rundreise Vlog:


 

Hast du auch schon mal so ein Abenteuer erlebt? Wenn ja, dann ab damit in die Kommentare!

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Disclaimer: Diese Reise wurde durch die Unterstützung des amerikanischen Volkes durch die United States Agency for International Development (USAID) ermöglicht. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung des Autors und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten von USAID oder der US-Regierung wider. Dieser Artikel enthält Werbelinks. Mit der Buchung/dem Kauf über einen dieser Links erhalten wir eine Provision. Dich kostet es natürlich nichts extra! Danke für deine Unterstützung!

Carolin Steig

Carolin Steig

Projektmanagerin, Bloggerin & Weltreisende bei WE TRAVEL THE WORLD
Am liebsten draußen in der Natur unterwegs. Entweder zu Fuß oder mit ihrem Islandpferd.
Carolin Steig

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3 Kommentare auf "Trekking Kirgistan: 4 Tage Jukku Barskoon Trek – Abenteuerwanderung durch unberührte Regionen [+Karte]"

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Miuh
Gast

Wow, welch eine Tour…! Für mich mit meiner nicht so tollen Fitness wäre die Strecke so nicht zu schaffen, aber die Fotos habe ich sehr gerne angeschaut und bestaunt. Wunderschöne Landschaften! Der Bericht zeigt mir, welche Orte, welche Landschaften es noch auf der Welt sind, die noch gar nicht bekannt sind. Einerseits ist es wunderschön, diese Orte entdecken zu können, andererseits hoffe ich auch, dass es nicht zum Nachteil der Natur und der Bewohner dort wird, falls tatsächlich ein stärkerer (und weniger individueller) Tourismus gefördert wird. Liebe Grüsse, Miuh

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[…] Lies dazu den ausführlichen Bericht zum Jukku Barskoon Trek. […]

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