Alleine auf dem Alpe-Adria-Trail – wie Sabrina ihre Angst überwand und los marschierte

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Wir bewundern ja Leute, die ganz alleine losziehen, um die Welt zu entdecken. Sabrina bezeichnet sich selbst als „abenteuerlustigen Angsthasen“ – was sich lustig an hört, hat ernste Hintergründe. Und trotzdem hat sie all ihren Mut zusammen gesammelt und ist ganz allein auf 37 Etappen den Alpe-Adria-Trail gelaufen. „Hut ab“ können wir dazu nur sagen! Dabei hat Sabrina Erinnerungen gesammelt, die ihr keiner mehr nehmen kann. Und ein paar davon teilt sie mit uns in unserem Weltentdecker-Interview. Viel Spaß beim Lesen!

Erzähle uns kurz etwas über dich!

Weltentdeckerin des Monats – Sabrina von Couchflucht

Hey, mein Name ist Sabrina, ich bin schon das eine oder andere Mal 29 geworden (ganze 12 x, für alle, die es genau wissen wollen) und ein echtes Ruhrpottmädchen. Und obwohl oder gerade weil ich mitten im Ruhrgebiet zuhause bin, liebe ich es über alles, in der Natur unterwegs zu sein. Ich gehe leidenschaftlich gerne wandern, am allerliebsten in den Bergen, zu denen es mich immer wieder zieht. Wenn ich nicht gerade zu Fuß unterwegs bin, unternehme ich auch unheimlich gerne Mountainbike-Touren.

Nachdem ich über 15 Jahre in einem großen Konzern als Angestellte beschäftigt war, habe ich im Herbst letzten Jahres alles auf eine Karte gesetzt und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Als Content Creator und Bloggerin mache ich nun endlich das, was schon immer mein Traum war: Reisen, Wandern, Radfahren! Das Draußen-Sein und andere damit zu inspirieren steht auf meinem Outdoor-Reiseblog an erster Stelle.

Blog: couchflucht.de
Instagram: instagram.com/couchflucht/

Auf welche Art reist du am liebsten und warum?

„Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen.“, das wusste schon Göthe, und ich bin da ganz seiner Meinung. Es gibt für mich keine schönere und intensivere Möglichkeit, eine fremde Region mit ihrer Kultur, ihren Menschen und ihren Landschaften kennenzulernen.

Daher versuche ich auch auf meinen Reisen, ein Land immer durch möglichst viele Wanderungen zu erkunden. Am allerliebsten direkt auf einer Mehrtagestour oder sogar einer Fernwanderung. Positiver Nebeneffekt: Mein Geist kommt zur Ruhe, ich kann mal so richtig abschalten und bin dabei auch noch sportlich aktiv. Das macht definitiv süchtig

Was war dein sportlichstes Erlebnis?

Weltentdeckerin des Monats

Das war wohl ohne Zweifel meine Weitwanderung auf dem Alpe-Adria-Trail im Herbst 2019. Fast 750 Kilometer bin ich vom Gletscher des Großglockners über Kärnten und Slowenien bis an die italienische Adria gewandert.

Von den Bergen bis ans Meer. Auf den insgesamt 37 Tagesetappen bin ich das eine oder andere Mal an meine Grenzen gestoßen, habe aber nie aufgegeben.

Was war die größte Herausforderung auf deiner Reise und warum?

Ich war ganz alleine unterwegs, was ich schon immer einmal unbedingt machen wollte, aber mich bislang nie getraut hatte. Ich bezeichne mich immer gerne als „abenteuerlustigen“ Angsthasen, wobei die Angstproblematik bei mir schon ernste Hintergründe hat. Jahrelang habe ich unter meinen Ängsten gelitten und mich von ihnen massiv einschränken lassen.

Damit sollte nun endgültig Schluss sein. Mit einer gehörigen Portion Muffensausen lief ich los, um mir selbst zu beweisen, dass ich es schaffen könnte. Experiment gelungen!

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass ich es tatsächlich sogar genießen konnte, nur mit mir selbst auf eine Reise zu gehen.

Was war das Highlight deiner Reise? Wieso war es so besonders?

Nockberge in Kärnten

Puh, das ist wirklich unheimlich schwierig zu beantworten. Der Alpe-Adria-Trail ist ein total abwechslungsreicher Fernwanderweg, der mich auch landschaftlich immer wieder überrascht hat. Und auch wenn nicht jede einzelne Etappe spektakulär war, gab es doch jeden Tag irgend einen ganz besonderen Moment, der mich mit allen Strapazen versöhnt hat.

Schon die allererste Etappe, die an der Gletscherpasterze des Großglockners startete, hat mich total umgehauen. Eine alpine Bergwelt wie aus dem Bilderbuch, die Pfiffe der Murmeltiere und unglaublich türkisblaue Bergseen. Ich war im siebten Himmel. Aber auch die Weite in den Kärntner Nockbergen, die mich so oft an die schottischen Highlands erinnert haben, war ein absolutes Highlight der Fernwanderung. Oft stand ich ganz alleine an den Gipfelkreuzen der grasbedeckten Kuppen, die mich mit ihrem ganz speziellen Kontrast aus Sanftmut und Schroffheit so in ihren Bann gezogen haben.

Nicht zu vergessen: Die atemberaubende Schönheit des slowenischen Soca-Tals. Dass dieser Fluss in echt tatsächlich so intensiv türkisgrün schimmert, wie ich es schon vorher immer auf Bildern bestaunt hatte, war schon krass!

Was war dein emotionalster Moment auf Reisen und was hat ihn so besonders gemacht?

Einen richtigen Gefühlausbruch hatte ich kurz vor der Überquerung der Karawanken nach Slowenien, als ich praktisch meine Halbzeit auf dem Alpe-Adria-Trail hatte. Mir wurde mit einem Schlag bewusst, was ich bisher alles geschafft hatte. Ganz alleine, nur mit der Kraft meiner Beine und Füße. Plötzlich war ich von einem unbändigen Stolz erfüllt, den ich irgendwie in jeder Zelle meines Körpers spüren konnte.

Bisher hatte ich Leistung immer nur über Erfolge in der Schule, während meines Studiums oder später im Beruf definiert. Spätestens in diesem Moment fühlte es sich an, als ob mein Weltbild sich radikal geändert hatte. Ich wusste, dass diese Fernwanderung für mich die größte Leistung meines Lebens war.

Völlig überwältigt von diesem emotionalen Höhepunkt meiner Wanderung liefen mir Tränen des Glücks über das Gesicht.

Was hast du auf deiner Reise über dich selbst gelernt?

Dass ich viel mehr schaffen kann als ich mir selbst zutraue. Die Fernwanderung hat etwas mit mir gemacht und einen Stein ins Rollen gebracht, der nicht mehr aufzuhalten ist.

Alles, was ich dafür tun musste, war einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich erkannte, dass alles immer weitergeht, selbst wenn ich glaubte, mich verlaufen oder in einer Situation verrannt zu haben. Letztlich kam ich trotz allem jeden Tag an meinem Etappenziel an, egal wie sehr meine Füße auch schmerzten und egal, wie viele Umwege ich mal wieder gemacht hatte.

So simple und scheinbar banale Erkenntnisse waren es, die ich auf mein gesamtes Leben übertragen konnte und die mir den Mut gaben, meine eigenen Ziele zu verfolgen.

Auch wenn ich auf der Fernwanderung so einige mulmige Momente hatte, habe ich meine Angst nie die Oberhand gewinnen lassen. Und von diesen Erfahrungen werde ich sicherlich noch lange zehren.

Was bedeutet Reisen für dich?

Reisen ist für mich mein absoluter Lebensinhalt und das, was mich als Mensch am meisten ausmacht. Ich bin schon mit chronischem Fernweh auf die Welt gekommen und habe meine schönsten Momente auf Reisen erlebt.

Für mich ist es weit mehr als eine Flucht aus dem hektischen Alltag und die Möglichkeit sich zu erholen. Vielmehr bieten mir meine Reisen, die Chance mich weiterzuentwickeln, zu lernen und zu wachsen. Reisen machen mein Leben bunt und bedeuten einfach pure Freiheit für mich.

Was war dein lustigstes Erlebnis mit einem Tier?

Da ich unheimlich tierlieb bin und mit jedem Tier, dem ich auf meinen Reisen begegne, spreche, ergeben sich eigentlich immer lustige Begegnungen.

Auf meiner ersten Mehrtagestour in den Kitzbüheler Alpen habe ich zum Beispiel bei der Rast an einer urigen Almhütte die Bekanntschaft mit einem „Killerhuhn“ gemacht. Die Wanderschuhe hatte ich zum Lüften ausgezogen. Eines der zahmen Hühner pickte mir zur Begrüßung gleich mal mit voller Leidenschaft in meinen rechten großen Zeh. Nach diesem, unerwarteten Liebesbeweis, und da wir ja nun schon Blutsbrüderschaft geschlossen hatten, wollte ich die Wogen glätten. Ich beschloss kurzerhand das Huhn auf den Arm zu nehmen, um es ausgiebig verhätscheln und betätscheln zu können. Als Dank erhielt ich ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk: Ein ordentlicher Hühnerschiss zierte nun mein durchgeschwitztes Wandershirt.

Was ist das beste Postkartenmotiv?

Mit die schönsten Postkartenmotive habe ich wohl im letzten Sommer im Schweizer Wallis aufgenommen. Einmal am Fuße des Matterhorns zu stehen und die Faszination mit meinen eigenen Augen und allen Sinnen zu erleben, war schon immer ein Traum von mir.

Wie ein Felszahn ragt es in den Himmel, völlig alleinstehend am Horizont. Ich habe noch nie zuvor einen ästhetischeren Berg gesehen. Wenn es so etwas wie Perfektion von Natur aus gibt, dann hat das Matterhorn diese wohl für sich reserviert.

Als sich dann noch eine Herde der flauschigen Walliser Schwarzkopfnasenschafe zu mir gesellte, wurde die Szenerie sogar noch perfekter. Mehr Bilderbuchidylle geht für mich einfach nicht!

Was ist dein absoluter Geheimtipp? Was ist dort so besonders?

Mein absoluter Geheimtipp ist ein Besuch des Acadia National Parks in Maine, USA im Indian Summer. Hier in Neuengland an der Ostküste der USA ist die Farbenpracht der Blätter im Herbst einfach zum Umfallen schön. Gerade gegen Ende der Saison, wenn keine Kreuzfahrtschiffe mehr in Bar Harbor anlegen, ist es angenehm ruhig im Nationalpark.

Entlang der zerklüfteten Felsküste am Atlantik und in der rauen Landschaft voller Berge, Wälder und Seen lassen sich unzählige spannende Wanderungen unternehmen. Unbedingt empfehlen kann ich die Tour auf dem Beehive Trail, die eine der spektakulärsten im Acadia National Park ist und auch einen Klettersteig beinhaltet.

Ansonsten lege ich jedem nahe, auch mal meine Heimat, den Ruhrpott für ein paar Tage kennenzulernen. Es ist sehr viel grüner und idyllischer als die Vorurteile es behaupten und dazu aufgrund der Spuren der Industriekultur definitiv eine der spannendsten Ecken Deutschlands.

Das können wir nur bestätigen und möchten euch unbedingt unsere Ruhrpott Blogposts ans Herz legen [Anm. d. Red.]

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