Weltentdeckerin Oktober: Bettina und ihre Liebe zu den Bergen

Leser/innen stellen sich vor: Bettina, Weltentdecker im Oktober

Bettina erzählt uns in diesem Interview von ihrer großen Liebe: den Bergen. Und wie sie daraus eine Geschäftsidee entwickelt hat und heute ihren Traum lebt.

Über das Projekt “Weltentdecker/in des Monats”

Wir haben mit dir und unseren anderen Lesern ja mittlerweile eine echt tolle und riesige Community. Du kennst uns ja mittlerweile schon ziemlich gut. Aber wir kennen dich ja gar nicht!

Und da wir finden, dass wir das ganz dringend ändern müssen, haben wir die Kategorie “Weltentdecker/in des Monats” eingeführt. In einem Interview stellen wir dir heute unseren Weltentdecker des Monats Oktober vor.

Erzähle uns kurz etwas über dich.

WE TRAVEL THE WORLD Weltentdecker

Mein kurzer Steckbrief:

Bettina Grötschel, 37, leidenschaftliche Bergsteigerin, Co-Gründerin des Bergschmuck-Labels Fjella, Marketing Managerin, Wanderführerin.

1. Warum ist Reisen für dich wichtig?

Meine Eltern sind sehr reisefreudig und haben mich und meine Schwestern schon als Kind auf große Reisen mitgenommen: von Italien über Schottland und die Nationalparks der USA waren wir jede Sommerferien unterwegs.

Das Reisen liegt bei mir also bereits in den Genen, aber die Art des Reisens hat sich weiterentwickelt. Mit Mitte 20 habe ich gerne Städtereisen und Rundtouren durch fremde Länder gemacht, bis ich Ende 20 das Wandern auf Madeira entdeckt habe.

Ein Jahr später ging es nach Ecuador und Peru mit einigen Wanderungen und dem berühmten Inka Trail. Auf dem Weg zum ersten 4200m hohen Pass fühlte ich mich immer besser und der Sonnenaufgang über dem Machu Picchu war ein absolutes Highlight.

Seitdem bin ich den Bergen verfallen und kann mir keinen Urlaub mehr ohne das Wandern vorstellen. Die Berge üben einen ganz besonderen Zauber aus, der mich einfach glücklich macht und den ich immer wieder erleben möchte.

Die Natur in den Bergen hat für mich einen besonderen Reiz, das Gebirge ist für mich die vielfältigste und schönste Landschaft der Welt. Von grünen Almwiesen bis zu schroffen Felsen gibt es unheimlich viel Abwechslung.

Ich liebe aber auch die sportliche Herausforderung und die Anstrengung, die zum Beispiel ein Gipfelanstieg mit sich bringt. Ich liebe die Konzentration auf schwierige Passagen und das vollkommene Abschalten dabei.

Am meisten aber liebe ich das Gipfelglück und das tief damit verbundene Gefühl von Freiheit. Darüber hab ich sogar schon einmal einen Artikel geschrieben: Warum die Berge glücklich machen!

2. Welches Land oder welcher Ort hat dir bisher am besten gefallen?

Nepal ist für mich ein ganz besonderes Land, das ich schon zweimal besuchen durfte. Die Dimensionen des Himalaya sind gewaltig und die Bergwelt dort unglaublich beeindruckend.

Aber auch die Menschen sind für mich ganz besonders. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt und dennoch lassen die Menschen dort sich nicht unterkriegen und haben meist ein Lächeln auf den Lippen.

Während man in Katmandu, in all dem Lärm und Wirrwarr, das Land noch nicht so richtig greifen kann, entfaltet es sich erst so richtig beim Trekking in den Bergen. In den (für Nepal!) noch niedrigeren Höhenlagen ist meist noch viel los: es wird viel Landwirtschaft betrieben, man trifft die Kinder auf ihrem Schulweg und die ein oder andere Eselskarawane zieht vorbei.

In den sogenannten Teehäusern (den Unterkünften) wird man meist sehr gut versorgt. Je kleiner das Teehaus, umso einfacher kommt man in den Kontakt mit den Bewohnern. Bei meinem ersten Trip nach Nepal war ich Mitte Dezember zur absoluten Randsaison im Annapurna Gebiet unterwegs und dort anfangs oftmals alleine in einer Unterkunft.

Mit meinem Guide durfte ich in dem kleinen Ort Tal in der Küche am Feuer sitzen und während mein Abendessen vorbereitet wurde, bekam ich von dem Ehepaar viel über ihr Leben erzählt.

Je weiter man aufsteigt, desto unpersönlicher werden oft die Lodges, aber desto grandioser wird die Landschaft. Während das Atmen beim Wandern immer schwerer wird, kann sich in Nepal mein Auge kaum sattsehen an der Schönheit dieser Erde.

Einige der schönsten Plätze auf dieser Welt habe ich in Nepal gesehen, zum Beispiel den Ice Lake am Annapurna Circuit oder auf dem Gokyo Ri im Everest Gebiet. Nicht zuletzt habe ich mich letztes Jahr in Nepal auf dem Cho La Pass verlobt und werde alleine deshalb immer eine besondere Bindung zu Nepal haben.

3. Erzähle uns von deinem einprägsamsten Erlebnis auf Reisen.

Meine bedeutendste Reise war mein Jahr Auszeit, das ich größtenteils zu Fuß verbracht habe. Zunächst habe ich zweimal die Alpen überquert, von Salzburg nach Triest und zurück von Venedig nach München.

Nach diesen grandiosen zwei Monaten in den Alpen ging es für mich nach Neuseeland. In 4 Monaten habe ich dort das gesamte Land von Norden nach Süden zu Fuß durchquert. 3000km lang ist der Weitwanderweg Te Araroa, dem ich gefolgt bin.

Das waren die für mich wohl eindrücklichsten 4 Monate meines Lebens. Immer zu Fuß mit meinem gesamten Leben auf dem Rücken (8-9kg Basisgewicht) habe ich meist in meinem Zelt oder auf der Südinsel in kleinen Berghütten geschlafen.

Ich war meist für 1 Woche vollkommen autark unterwegs bis ich zum nächsten Supermarkt oder Verpflegungspunkt kam – auf der Nordinsel auch mal kürzer, auf der Südinsel länger. Vier Monate bin ich „einfach nur“ dem Te Araroa gefolgt.

Keine Gedanken darüber, wo es als nächstes hingeht, kein Zeitdruck, keine Verpflichtungen. Einzig die Wetterbedingungen haben es zeitweise erschwert und es gab so manche knifflige Flussüberquerung.

Ich war noch nie in meinem Leben so entspannt, wie in dieser Zeit. Wenn ein Problem auftauchte, konnte ich mich voll und ganz auf die Weitwanderer-Weisheit verlassen „The trail provides“. Der Weg sorgt für einen und schickt einem genau die Hilfe, die man braucht – ob warmes Bett, Schafstall bei Unwetter oder Hilfe durch andere Wanderer.

Zum Abschluss meiner etwas anderen „Weltreise“ bin ich nach Südamerika geflogen und habe die unglaubliche Bergwelt Patagoniens entdeckt. Am südlichsten Ende der Welt bin ich auf dem einsamen Dientes Circuit gewandert und dann immer weiter nach Norden vorgedrungen – diesmal aber mit teilweise langen Busfahrten zwischendrin.

Der abenteuerliche Huemul Circuit, den ich mit zwei Argentiniern an meinem Lieblingsort El Chalten gewandert bin, ist mir noch sehr eindrücklich in Erinnerung, ebenso wie das Wandern bei El Bolson und Bariloche.

In Südamerika kann man noch sehr unabhängig mit Zelt unterwegs sein und einfach dort bleiben, wo man gerne möchte. Das vermisse ich in Europa, wo es nur in wenigen Ländern erlaubt ist!

4. Was vermisst du am ehesten, wenn du unterwegs bist?

Auf Reisen, die nur wenige Wochen dauern, vermisse ich so gut wie nichts. Ich kann mich schnell mit dem Essen anfreunden und habe wenig Ansprüche. Nach meiner zweimonatigen Alpenüberquerung konnte ich allerdings kein typisches Berghütten-Essen mehr sehen.

Andererseits ist mir beim viermonatigen Trekking meine eigene Trockennahrung nie zu viel geworden. Geträumt habe ich allerdings von frischem Obst und Gemüse, dass mir meist zu schwer fürs Trekking war. In den Orten habe ich dann aber zugeschlagen und mir immer was ich grade essen wollte vor Ort zubereitet.

In sehr kalten Gebieten vermisse ich abends ab und an eine richtige Heizung. In Nepal zum Beispiel fallen mir die Stunden nach Ankunft bis zum Schlafengehen oft schwer und wenn die Finger gefühlt abfrieren, wenn man sie wäscht, die Haut einfach aufplatzt und die Nase vor Kälte anfängt zu bluten, wünsche ich mir schon etwas mehr Komfort.

Das alles ist aber am nächsten grandiosen Wandertag sofort wieder vergessen und ich nehme es sehr gerne in Kauf für ein tolles Bergabenteuer.

5. Verändern dich deine Reisen? Wenn ja, wie?

Nicht jede Reise ist lebensverändernd, mein Jahr auf Wanderschaft hat allerdings meinen bisherigen Lebenslauf gewaltig umgeworfen. Ich hatte vor Start meinen Job als Marketing Managerin bei einer IT Firma gekündigt und war mir sicher, unterwegs herauszufinden, was ich beruflich in Zukunft machen möchte.

Wieder zurück in Deutschland hatte ich dann aber immer noch keinen konkreten Plan. Innerlich war ich sehr verändert, ich war viel gelassener geworden und vor allem auch „unabhängiger“. Die Sicherheit eines langjährigen Jobs hatte ich ohnehin schon aufgegeben, warum also nicht jetzt etwas Neues wagen?

Mit meiner Schwester Andrea überlegten wir, was wir zusammen auf die Beine stellen könnten. Etwas mit Bergen musste es unbedingt zu tun haben. Andrea wollte mir damals ein Schmuckstück als Erinnerung an die Berge schenken, aber ist nicht fündig geworden.

Warum gibt es eigentlich keinen Schmuck für Bergfans, während es eine Vielfalt an zum Beispiel maritimen Schmuck gibt? Das wollten wir ändern und haben unser eigenes Bergschmuck Label Fjella gegründet.

Seit Dezember 2017 gibt es unseren Schmuck für Bergliebhaber im Online Shop und mit viel Energie und Liebe entwickeln wir unser Label stetig weiter. Von unserer gegossenen Kollektion, die wir in der Goldstadt Pforzheim für uns fertigen lassen, über die von uns handgestempelte Bergfex-Silberkollektion bis zum Holzschmuck, versuchen wir die Bergliebe in besonderen Schmuckstücken einzufangen und widerzuspiegeln.

Dabei lassen wir uns auch von unseren Fans inspirieren und haben zum Beispiel Lieblingsberg-Kollektionen mit Watzmann oder Drei Zinnen Motiv entwickelt. Auch zum Thema Alpenschutz möchten wir beitragen und haben zusammen mit dem Freundeskreis Riedberger Horn ein ganz besonderes Schmuckstück entwickelt, das für den Alpenschutz steht und für dessen Verkauf wir an die Alpenschutzkommission CIPRA spenden.

Wir teilen außerdem unsere Bergliebe auf unserem Fjella Blog, um mit unseren Touren auch andere Bergfexe zu inspirieren. Und da wir leider immer wieder feststellen, dass das Thema Frauen in den Bergen viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, haben wir unsere eigene OutdoorFrauenPower Serie im Mai gestartet.

6. Stadt oder Natur? Wenn du magst, erzähle uns warum.

Das wird jetzt keine Überraschung sein – Ich liebe vor allem die natürliche Schönheit der Welt. Der Anblick der Dolomiten berührt mich viel tiefer als das schönste von Menschenhand gebaute Werk.

Der Sonnenaufgang am Berggipfel beeindruckt mich nachhaltiger als jedes Museum. Die Atmosphäre abends auf einer Berghütte schlägt jede noch so angesagte Bar.

Nie lerne ich so viele Menschen kennen wie auf Wanderschaft – in der Stadt bleibt man eher anonym.

7. Was muss auf all deinen Reisen immer dabei sein?

So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Grade beim Trekking ist es mir wichtig, das Rucksackgewicht soweit wie möglich zu reduzieren. Immer dabei ist mein Handy (zum Navigieren, Kontakt halten und für den Notfall) sowie meine Kamera.

Ich liebe es zu fotografieren, aber bin aus Gewichtsgründen schon vor sehr vielen Jahren von meiner Spiegelreflexkamera auf kleine und leichte Modelle umgestiegen (ab und an versenke ich mal eine Kamera bei einer Flussüberquerung oder so, daher zähle ich schon fast nicht mehr!).

Auch sehr wichtig ist mein e-book Reader, ich lese sehr gerne und im Zelt habe ich nachts schon unzählige Bücher verschlungen.

8. Was ist dein größter Reisetraum?

Ich habe zum Glück bereits einige Reiseträume verwirklichen können und bin sehr dankbar dafür. Es gibt natürlich noch viele Ziele auf meiner Bucket List – vor allem so einige Berge und (Weit)wanderungen wie die Haute Route in den Pyrenäen, einen 6000er besteigen, und einige Bergtouren in den Alpen, im Himalaya und Patagonien.

Mein größtes Glück kann ich aber bei richtigen Wetterbedingungen fast überall im Gebirge erleben: das Bergglühen. Es gibt für mich nichts Schöneres, als zu erleben, wie sich die Bergkuppen langsam von weißgrau zu hellem Gelb verfärben, um dann in ein glühendes Gelborange überzugehen.

Oftmals sind es Momente, die ich in vollkommener Stille erlebe. Am frühen Morgen bin ich dann vom Tal oder der Hütte im Dunkeln aufgestiegen zu einem schönen Aussichtspunkt oder Gipfel.

Mein Herz zerspringt in diesen Momenten fast vor Glück und Dankbarkeit. Nach diesen Momenten bin ich süchtig, das ist und bleibt mein größter Reisetraum.

Möchtest du uns sonst noch etwas erzählen? Immer her damit!

Danke euch für das Interview!

Jetzt bist du an der Reihe – werde Weltentdecker/in und erzähl’ uns deine Geschichte!

Wie? Das geht ganz einfach: Schick uns einfach eine E-Mail an mail@wetraveltheworld.de. Schreib’ uns in der Mail bitte deinen vollständigen Namen, dein Alter, Interessen und in einem Satz was dein außergewöhnlichstes Reiseerlebnis war. Ganz egal ob auf Balkonien oder im Amazonas. Vielleicht bist du dann beim nächsten Mal schon mit dabei! Hier findest du alle Weltentdeckerterviews.

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Fotos: Bettina Grötschel

Carolin Steig

1 Kommentar

    • 3. Oktober 2019
    • Antworten

    Ich folge dir immer. Ihre Beiträge sind wunderbar. Wenn ich das Geld habe, möchte ich reisen. Danke.

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