Allgemein
Bildungsurlaub, was ist das?
Laut Wikipedia ist Bildungsurlaub „eine besondere Form des Urlaubs, die der beruflichen oder politischen Weiterbildung dient. Er wird oft auch Bildungsfreistellung genannt, um den Eindruck eines Erholungsurlaubs zu vermeiden.“ [Stand: 11.11.2024, 16 Uhr]
Aufgrund des Föderalismus in Deutschland ist der Bildungsurlaub auf Landesebene geregelt. 14 von 16 Bundesländern haben diesen ins Gesetz geschrieben, 2 nicht. Die zwei Ausreißer sind Bayern und Sachsen, so dass hiermit schon die Frage „Habe ich ein Recht auf Bildungsurlaub in Bayern?“ beantwortet wäre: Nein.
Keine Sorge, das heißt nicht, dass alle, die für bayerische oder sächsische Unternehmen arbeiten, nie in den Genuss von Bildungsurlaub kommen. Denn diesen kann (nicht muss) jeder Arbeitgeber selbst regeln. Im Falle meines Arbeitgebers ist der Bildungsurlaub im sog. Manteltarifvertrag geregelt. Ein Blick in die Verträge kann sich also lohnen.
Generell gilt: ihr müsst angestellte Arbeitnehmer:in sein, um Bildungsurlaub machen zu können. Für Auszubildende und Beamt:innen gelten andere Regelungen.
Da das Thema Bildungsurlaub von so vielen Faktoren abhängt, ist der nachfolgende Beitrag als Impuls zu verstehen. Er ist weder eine Beratung, noch hat er den Anspruch auf Vollständigkeit. Mir ist es wichtig, für diese tolle Möglichkeit den eigenen Geist zu entkiezen, die Werbetrommel zu rühren.
Neben den häufigsten Fragen werde ich in Kurzform über meine Bildungsurlaube der vergangenen Jahre berichten: La Réunion, Aix-en-Provence, Guadeloupe und Bordeaux.
Was ist der Unterschied zwischen bezahltem und unbezahltem Bildungsurlaub?
Wie bereits erwähnt, ist der Bildungsurlaub in 14 von 16 Bundesländern gesetzlich geregelt und wenn er die unternehmensspezifischen Anforderungen erfüllt, auch bezahlt (Lohnfortzahlung).
Arbeitet ihr, wie ich, für ein bayerisches Unternehmen, kann es sein, dass der Arbeitgeber Bildungsurlaub als unbezahlten Urlaub anbietet. Ihr werdet dann zwar für den Zweck der Weiterbildung ebenfalls freigestellt, erhaltet aber eben keinen Lohn. Das bedeutet also konkret, dass ihr in dem Monat weniger Geld bekommt. Daher ist es wichtig, das vorher mit einem spitzen Bleistift individuell zu rechnen.
Bedenkt bei den Planungen, dass in der Zeit zwar meist der Lohn bezahlt wird, aber alle anderen Kosten wie Seminargebühren oder Unterkunftskosten von euch selbst getragen werden.
Wie viele Tage Bildungsurlaub stehen mir zu?
Es ist meist so, dass pro Jahr 5 Tage an Bildungsurlaub zur Verfügung stehen. Diese 5 Tage kann man in vielen Fällen ein Jahr ansparen und dann 10 Tage am Stück nehmen.
Ich habe in den letzten Jahren viele Bildungsurlaubende erlebt, die jedes Jahr die 5 Tage nehmen und die Wochenenden vorher und nachher nutzen, die Umgebung zu erkunden. Das kann auch ein spannendes Modell sein, wenn man nicht so lange von zu Hause weg sein kann oder will.
Was muss ich dafür leisten, dass der Bildungsurlaub auch anerkannt wird?
Hand aufs Herz: Bildungsurlaub ist eben kein, „ich-chill-mal-meine-Base-Urlaub“ auf Kosten des Arbeitgebers.
Damit die Weiterbildung überhaupt genehmigt und bezahlt wird, müssen gewisse Anforderungen erfüllt und ein Arbeitsäquivalent nachgewiesen werden. Besucht ihr beispielsweise eine Sprachschule, habt ihr den ganzen Tag Unterricht. Am Ende gibt es nur dann ein Teilnahmezertifikat der Schule, wenn ihr auch wirklich da wart und mitgearbeitet habt.
Bei unbezahltem Bildungsurlaub sind die Schulstunden deutlich reduzierter. Ich habe immer nur vormittags Unterricht gehabt.
Ist Bildungsurlaub auf Sprachkurse beschränkt?
Nein. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, z. B. Stressreduktion, mentale Gesundheit usw.
Es ist sogar so, dass der Bereich Sprachurlaub teilweise gesondert geregelt ist. Natürlich würden viele von uns gerne ihr Schulfranzösisch (wie ich zum Beispiel) auffrischen oder endlich mal Italienisch lernen. Ob das allerdings einer Weiterbildung für den eigenen Beruf tatsächlich von Nutzen ist, wird im Einzelfall geprüft.
Je nach Bundesland und Unternehmen müssen zur Genehmigung gewisse Anforderungen erfüllt sein. Einen Überblick könnt ihr euch auf bildungsurlaub.de verschaffen. Hier findet ihr Seminare, Veranstalter und die Spezifika der Bundesländer.
Bildungsurlaub unter Palmen – Wunsch oder Wirklichkeit?
Seit 2014 habe ich 4x Sprach-/Bildungsurlaub gemacht:
- 2014: La Réunion (Indischer Ozean)
- 2018: Aix-en-Provence (Festland Frankreich)
- 2022: Guadeloupe (Karibik)
- 2024: Bordeaux (Festland Frankreich)
Dabei möchte ich noch einmal betonen, dass ich mich 2014 zwischen zwei Jobs befand und in den Folgejahren den unbezahlten Bildungsurlaub in Bayern genutzt habe, vgl. die Spezifika der Bundesländer auf bildungsurlaub.de.
Wie viel Zeit sollte eingeplant werden?
Die beiden Bildungsurlaube „in der Ferne“ – also La Réunion und Guadeloupe – habe ich jeweils mit einer Freundin gemacht. Auf den Inseln ist man sonst, zumindest meines Erachtens, einsam.
Warum einsam? Die Sprachschulen sind meist recht klein und man hat nicht viele Mitschüler:innen. Zudem ist es schwierig, Leute kennenzulernen, da diese Inseln (aus meiner Erfahrung) nicht wie Asien beim Backpacken ticken. Da hier außerdem gegen 18 Uhr die Sonne untergeht, ist der Tag früh zu Ende.
La Réunion ist mein absoluter Lieblingsort auf dieser Welt und unfassbar schön! Da die Reise schon über 10 Jahre her ist, ergibt ein separater Blogbeitrag leider keinen Sinn mehr.
Guadeloupe war ein Traum, wenngleich auch mit ein paar Schönheitsfehlern, siehe Beitrag.
Da beide Inseln sehr weit weg sind, empfiehlt es sich, neben den 2 Wochen in der Sprachschule, noch gute 1-2 Wochen für die An- und Abreise sowie die Erkundung der Insel (am besten mit einem Mietwagen) einzuplanen.
Die Schulbank haben wir 2 Wochen von Montag bis Freitag von 9h bis 12.30h gedrückt. Nachmittags hatten wir folglich Zeit für Strände, Ausflüge, Einkäufe usw. Wenn ihr den ganzen Tag in der Schule seid, ändern sich eventuell die Möglichkeiten/Planungen.
Die beiden Sprachreisen „in der Nähe“ – also Aix-en-Provence und Bordeaux – habe ich allein unternommen und war, vor allem von Aix, hellauf begeistert!
Ich bin jeweils am Donnerstag vorher angereist, habe die Umgebung erkundet und unter der Woche die Nachmittage genutzt. Auch hier war ich nur bis mittags in der Schule, behaltet das im Hinterkopf. Die Rückreise war einen Tag nach Ende der Schulzeit am Samstag.
Wie wähle ich die richtige Sprachschule aus?
Es gibt einige Sprachreiseanbieter, die an diversen Orten Sprachschulen unterhalten.
Hier die Sprachschulen, in denen ich war:
- La Réunion: DP Langues (top)
- Aix-en-Provence: Dialog Sprachreisen (top)
- Guadeloupe: ESL (Reinfall)
- Bordeaux: Les Ateliers FL (prima)
Bei der Auswahl stehen natürlich Orte, Kosten, Starttermine usw. im Vordergrund. Auf Inseln sind die Sprachschulen meist recht klein. Auf La Réunion hatten wir beispielsweise nur 1 Mitschülerin, auf Guadeloupe jeweils 2. Wenn man sich gut versteht, ist das toll, aber auch nicht selbstverständlich. Das sollte, wie bereits beschrieben, bei der Reiseplanung bedacht werden.
Auf dem Festland sind die Schulen meist deutlich größer und man lernt viele Leute kennen. Zudem wird Programm angeboten: Pétanque, Ausflüge nach Avignon, Theater usw. Das war in Aix wirklich toll! Wer Anschluss finden und Programm haben möchte, sollte sich auf jeden Fall informieren, wie groß die Schule ist und was tatsächlich geboten wird.
Was kostet mich mein Bildungsurlaub auf Guadeloupe?
Beispielhaft möchte ich die Kosten für eine Sprachreise auf Guadeloupe aufführen. Bordeaux und Aix-en-Provence sind deutlich günstiger gewesen, da z. B. die Reise kürzer war und die Flüge nicht so teuer.
Guadeloupe ist kein günstiges Pflaster. Das merkt man bei jedem Einkauf oder beim Essengehen. Eine Languste im Restaurant kostet, wenngleich das ein luxuriöses Essen ist, knapp unter 40 €, satt ist man danach nicht unbedingt.
Und obwohl die Supermärkte viele Leckereien aus Frankreich bereithalten, geht auch jeder Einkauf ins Geld. Ein Sixpack lokales Bier kostet 12 €. Da greift man „leider“ zum Exportwunder Heineken. Außerdem hörte ich, dass es in der Nebensaison zu Engpässen in der Versorgung kommen kann. Hier empfiehlt sich bei der Reiseplanung eine tiefergehende Recherche.
Für einen groben Überblick fasse ich euch hier mal die Kosten der 3 Wochen auf der Insel zusammen:
| Kostenpunkt | Preis |
|---|---|
| Flüge Air France (pP) | 820 € |
| Unterkunft Airbnb (2P) | 1.230 € |
| Sprachschule halbtags, 2 Wochen (pP) | 725 € |
| Mietwagen (2P) | 550 € |
| Tagespauschale (Sprit, Eintritte, Essen usw.) (pP) | 50 € |
Summa summarum kommt man bei 3 Wochen Sprachurlaub auf Guadeloupe pro Person auf ca. 3.500 € und damit lebt man nicht im Luxus.
Hinzu kommt der Lohnausfall bei unbezahltem Bildungsurlaub.
Lässt sich Bildungsurlaub von der Steuer absetzen?
Steuererklärungen sind individuell und hängen von vielen Faktoren ab. Daher sind die nachfolgenden Informationen nur als Gedankenstütze zu verstehen.
Wer seine Steuererklärung mit einem Steuerprogramm durchführt, wird den Punkt „Fort- und Weiterbildung“ finden, wo die entstandenen Kosten eingegeben werden können.
Darunter fallen z. B. Kosten für:
- den Flug
- die An- und Abreise zum Flughafen
- die Unterkunft
- die Sprachschule
Außerdem stehen euch Verpflegungspauschalen zu. In Frankreich beträgt der Tagessatz beispielsweise 53 €. Ich habe beim Bundesministerium der Finanzen nachgeschaut, Stand: 15.12.2024, 11 Uhr.
Es empfiehlt sich, der Steuererklärung die Rechnungen sowie das Teilnahmezertifikat direkt beizufügen.
Tipp: Speichert alle Rechnungen direkt ab, damit ihr sie direkt bei der Steuererklärung griffbereit habt.
Warum sollte ich Bildungsurlaub machen?
Ja, ich kann manche von euch geneigten Leserinnen und Lesern vor meinem geistigen Auge grübeln sehen … Soll ich das wirklich machen?
Da geht es auch sicherlich nicht ausschließlich um formale Dinge wie Antrag oder Kosten, sondern viel mehr um die Fragen: kann und will ich in dieser Zeit von zu Hause weg sein? Ist meine Komfortzone nicht schön? Habe ich Zeit und Lust im Vorfeld ggf. Vokabeln und Grammatik zu pauken?
Diese Fragen kann jede und jeder nur für sich selbst beantworten, aber ich möchte hier ein ganz eindeutiges Plädoyer FÜR Bildungsurlaub aussprechen.
„Non scholae, sed vitae discimus!“
„Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir“ – der Spruch ist damals wie heute so wunderschön wahr!
Denn der größte Gewinn einer Bildungsreise ist, dass wir auf jeden Fall etwas dazulernen! Und das hat (für mich) nichts mit einem bescheinigten Sprachniveau oder anderen Fertigkeiten zu tun. Wir gewinnen – im wahrsten Sinne – Erfahrungen. Wir meistern Herausforderungen, lernen neue Menschen kennen, führen Gespräche, die uns weiterbringen, bauen Vorurteile ab, schmecken in andere Küchen hinein und haben die Chance, uns selbst und/oder andere zu überraschen.
Zum Schluss möchte ich daher Klaus Raab aus seinem ZEIT-Artikel „Brücken für alle“ zitieren, der meines Erachtens perfekt zu Bildungsreisen passt:
„Reisen kann den Blick weiten. Es geht um die Entkiezung der eigenen Wahrnehmung. Wer reist, der weiß, dass die Welt jenseits des eigenen Ortsschilds weitergeht.“
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Hast du noch Tipps für die Planung eines Bildungsurlaubs? Was sind deine Erfahrungen? Wir freuen uns auf deinen netten Kommentar!
Titelbild: Désirée Cathèrine Handke
