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Rumänien Rundreise: die schönsten Orte und Sehenswürdigkeiten in Rumänien in 14 Tagen
Ist Rumänien ein gutes Urlaubsland? Wie reist man am besten nach Rumänien? Kann man in Rumänien Badeurlaub machen? Was muss man in Rumänien gesehen haben?
Rumänien, das sind Graf Dracula, guter Wein, hüftgoldige Nachspeisen, Burgen, Schlösser (in den Karpaten) und ganz viel deutsche Geschichte.
Das Land, welches zwischen Ungarn, Ukraine, Moldawien, Bulgarien und Serbien am Schwarzen Meer liegt, ist in den letzten Jahren zu einem beliebten, aber noch nicht überlaufenen, Reiseland geworden.
Was viele gar nicht wissen: Rumänien ist Teil der EU, zahlt aber, ähnlich wie Polen, in Landeswährung (Leu). Hallo Roaming, sag ich da nur.
Wer Rumänien bereisen möchte, mietet sich am besten ein Auto. Wir waren mit 3 Personen und entsprechendem Gepäck unterwegs, so dass wir uns für einen SUV entschieden haben. Unser Dacia Duster wurde von uns liebevoll Dörthe getauft; ein nicht-geländefähiges Auto hätte aber ebenfalls ausgereicht.
Die meisten Strecken sind landschaftlich unheimlich schön und es gibt wenig Autobahnstrecken /-passagen, ein perfekter Roadtrip (Playlist nicht vergessen) also!
Wie es ist, 2 Wochen als Selbstfahrer das Land zu erkunden und ob man dafür Knoblauch und Silberkugeln im Gepäck haben sollte, lest ihr hier.
Karte Rumänien-Rundreise: Von Bukarest, über Rasnov, Brasov, das Fagaras-Gebirge und Hermannstadt bis nach Sighisoara.
Die Route der Rumänien Rundreise in Kürze: Bukarest ➞ Peles ➞ Bran ➞ Rasnov (Rosnau) ➞ Brasov (Kronstadt) ➞ Sambata de Sus ➞ das Fagaras-Gebirge ➞ Sibiu (Hermannstadt) ➞ Valea Viilor (Wurmloch) ➞ Biertan (Birthälm) ➞ Medias ➞ Sighisoara (Schäßburg) ➞ Bukarest
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Aufgrund der Nähe zur Ukraine haben wir auf der Reise im August 2022 bewusst auf den Norden sowie das bei Ornithologen beliebte Donau-Delta verzichtet.
1. Bukarest: morbider Charm in der Hauptstadt
Die Anreise nach Bukarest ist super easy in 02:20 und Non-Stop mit der Lufthansa von Frankfurt oder München möglich.
Über booking.com haben wir uns ein Apartment (und alle weiteren Unterkünfte) gebucht.
Tipp in der Sommerzeit: Nur mit Klimaanlage
In der Stadt kann es sehr heiß werden und die Luft steht.
Bukarest ist eine quirlige Millionenstadt, die im Südosten des Landes liegt. Hier befindet man sich im wahrsten Sinne des Wortes in der (Großen) Walachei.
Die Stadt ist ein spannender Mix aus sozialistischen Zweckbauten, teils zerfallenen Gründerzeitvillen und Prachtstraßen. Mich hat hier besonders der morbide Charm der Villen fasziniert. In den letzten Jahren wurde zwar viel saniert und herausgeputzt, jedoch erschweren häufig ungeklärte Eigentumsverhältnisse Eingriffe in den Bestand. Meines Erachtens macht genau das die Besonderheit Bukarests aus.
Kulinarisch muss man sich in Rumänien auf deftige Küche, viel Kohl, Fleisch und Zucker einstellen.
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Nach dem Pentagon (USA) ist der Parlamentspalast das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt und dazu das schwerste. Auf 360.000 m2 befinden sich 5.100 Zimmer.
Funfact: 1992 besuchte Michael Jackson die Stadt und begrüßte vom Palastbalkon die Menge mit den Worten „Hello Budapest, I am so glad to be here“ (Hallo Budapest, ich freue mich hier zu sein).
2. Altstadt von Bukarest
Das sog. Centrul Vechi lädt zum Bummeln, Schlemmen (z. B. im Hanu’lui Manuc) und Cocktails schlürfen ein. Das alte Handelsviertel verfiel zwischen Ende des Zweiten Weltkrieges und der Jahrtausendwende zusehends. Glücklicherweise hat vor einigen Jahren die Stadtverwaltung eingegriffen und seither viel saniert und Infrastruktur geschaffen. In dem geschäftigen Gemisch aus restauriertem und morbidem Charm lässt sich besonders gut in einem der vielen gastronomischen Außenbereiche das Wochenende einläuten.
3. Carturesti Carusel
Für Bücherfreund:innen der place to be! In einem renovierten Gebäude aus der Zeit um 1900 findet sich ein Buchhandlungstraum in modernem Weiß. Auf gut 1.000 m2 warten rund 10.000 Bücher. Hier gibt es natürlich auch Souvenirs sowie im obersten Stock ein Café.
4. Rumänisches Athenäum
Der klassizistische Bau von 1888 ist heute Sitz der Philharmonie George Enescu. Das Athenäum ist nicht nur eines der berühmtesten Wahrzeichen der Stadt, sondern auch eine sehr frühe Form des Fundraisings! Musikliebende Bürger:innen wünschten sich Ende des 19. Jahrhunderts ein Konzerthaus nach Pariser Vorbild, doch die Stadt hatte kein Geld. Nach dem Motto „Gebt einen Leu (Währung in Rumänien) für das Athenäum“ wurde der Wunsch tatsächlich Wirklichkeit. Ein Blick ins Programm lohnt sich allemal, ebenso wie ein Blick auf das tempelartige Äußere.
5. Platz der Revolution
An der Stelle, an der sich heute der Platz der Revolution befindet, spielten sich 1989 dramatische Szenen ab. Hier hielt Präsident Ceausescu seine folgenschwere letzte Rede. An einigen Gebäuden kann man noch immer Einschusslöcher sehen.
Zur Erinnerung: der Volkaufstand gegen den Kommunismus und damit das Regime von Ceaușescu verlief, anders als in anderen Teilen des sog. Ostblocks, blutig. Eine tiefere Auseinandersetzung führt an dieser Stelle zu weit. Jede:r ist eingeladen, sich selbst zu informieren und/oder sich vor Ort ein Bild zu machen.
Unsere kulinarischen Highlights in Bukarest:
Restaurant Hanu’lui Manuc: die alte Karawanserei, recht touristisch, aber sehr lecker, vor allem die Kohlrouladen.
Arome: sehr leckeres veganes/vegetarisches Frühstück mit der Möglichkeit, im schattigen Hinterhof zu sitzen! Tipp: Reservierung am Wochenende.
Café Verona: gemütliches und schattiges Gartencafé, perfekt für eine Pause an einem heißen Tag.
Restaurant Vatra: die Jungs würden jetzt sicherlich den Grillteller empfehlen, ich jedoch das Knoblauchhuhn – herrlich! Und zum Nachtisch grandiose Papanasi (Topfenknödel), aka Hüftgold. Tipp: bestellt nicht den Hauswein, der ist Muppes.
2. Über Peles und Bran nach Rasnov (Rosenau): Auf den Spuren von König Ludwig und Dracula
Nach einigen spannenden, aber auch anstrengenden heißen Tagen in der Hauptstadt, kam unsere „Dörthe“ (Dacia Duster) endlich zum Einsatz. Es ist durchaus abenteuerlich, durch die mehrspurigen Kreisel Bukarests zu fahren. Außerhalb der Stadt wird es dann schnell entspannter und man kann cruisen. Große Teile der Strecke sind einspurig, da ist Stau vorprogrammiert.
Unser erster Stopp war das Schloss Peles (#highlightnummereins), eigentlich eher ein Zufallstreffer, mir hatte schlichtweg das Bild im Reiseführer gefallen. Das Schloss aus dem 19. Jahrhundert entpuppte sich dann als eines meiner Highlights auf der Rumänien Rundreise. Hatte ich doch viele Jahre in Bayern gelebt, war ich durchaus Märchenschloss-affin – dem Kini (König Ludwig von Bayern) sei Dank. Da ist man dann in Peles goldrichtig.
Den Blick aufs Schloss kann man vor allem vom Café/Kiosk aus genießen, wo ich das Verspeisen des Törtchens „Extase“ wärmstens empfehlen kann. (Auf Google konnte ich leider weder den Namen noch eine Internetseite finden. Es handelt sich nicht um die Restaurants, sondern um einen kleinen Selbstbedienungskiosk mit Blick auf das Schloss.)
Für Freundinnen und Freunde gepflegter seichter Abendunterhaltung auf Netflix in der Weihnachtszeit: A Christmas Prince spielt in Peles!
Schloss Bran – das Dracula Schloss
Nächster Halt: Schloss Bran, auch bekannt als das Schloss vom Herrn Dracula. 1897 veröffentlichte Bram Stoker den weltbekannten Roman Dracula, die Mutter aller Vampirgeschichten. Als Vorlage dienten Stoker Schloss Bran und Vlad der Pfähler (seine „Spezialität“ war das Pfählen von Feinden). Ersteres eine Trutzburg aus dem 13. Jahrhundert in den Karpaten, letzterer Woiwode (für Adliger, Heerführer) des Fürstentums Walachei im 15. Jahrhundert, der den Beinamen Draculea trug. Dieser leitet sich wohl vom Drachenorden Kaiser Sigismunds ab.
Hier wird es auch gleich ein wenig Disney-esque. Souvenirstände en masse und ausreichend Verpflegung für die hungrigen Besuchenden, damit diese sich nicht an den Hals fallen.
Ein Besuch des Schlosses lohnt sich auf jeden Fall, wenngleich man wissen sollte, dass es hier vorrangig um die tatsächliche Geschichte des Schlosses geht und nur zu einem kleinen Teil um Dracula – Silberkugeln, Knoblauchketten und Pflöcke können also geflissentlich zu Hause bleiben, womit die Frage zum Eingang dieses Beitrags geklärt wäre.
Eine Ferienwohnung in Rasnov (Rosenau) war für die Folgetage unser Basislager. Ein nettes, aber eher nichtssagendes Städtchen mit Zitadelle auf dem Hügel. Für Familien mit Kindern eignet sich sicherlich der Dino-Park, den ich hier erwähnen möchte, aber nicht selbst besucht habe.
3. Umland von Rasnov: Bären, Brasov und Brokat
Ein Vorteil von Rosenau: man ist schnell überall und wenn man ein wenig Lust auf Dirtroads mitbringt, gelangt man recht zügig zum Libearty Bear Sanctuary(#highlightnummerzwei), ein Ort für ca. 100 schwer traumatisierte Braunbären.
Ja, auch das gehört zu Rumänien: die lange Tradition von Tanzbären. Touristenmagnete, die in drolligen Kostümen vor Restaurants oder im Zirkus Pirouetten dreh(t)en, die oft auf kleinsten Raum gehalten, geblendet, verstümmelt und gequält werden und wurden. Hier bekommen sie ein zweites Leben geschenkt. Die Organisation lebt von Spendengeldern und ich bekam von meinen Jungs zum Geburtstag, kurz nach dem Urlaub, eine Patenschaft für die Bärendame Roxi geschenkt.
Brasov – Das Tor zu Siebenbürgen
Nur 20 km von Rasnov liegt Brasov, die Perle Siebenbürgens. Brasov, auch bekannt als Kronstadt, war früher eines der Zentren der Region. An dieser Stelle eine Einladung an alle Interessierten, sich eingehender mit der Geschichte der Siebenbürger Sachsen zu beschäftigen. Die Stadt gilt aufgrund seiner sehr guten touristischen Infrastruktur als „Tor zu Siebenbürgen“ und, würde ich diese Reise noch einmal planen, wäre sicherlich der bessere Ausgangspunkt für Aktivitäten in der Gegend.
Unsere Top 4 Sehenswürdigkeiten in Brasov:
1. Rathaus-/Marktplatz
Der Platz ist der historische Mittelpunkt der Stadt, den vor allem viele Rumänen wegen seiner mitteleuropäischen Architektur bewundern, die es weiter im Süden der Karpaten nicht gibt. So erinnert vieles an Deutschland oder Österreich. Historische Häuser, das Alte Rathaus, Restaurants und Cafés machen das Ensemble perfekt. Mit den großen Brasov-Lettern auf dem Hügel im Rücken, kann man auf einem überdimensionierten Stuhl stehend wundervolle Erinnerungsfotos schießen.
2. Schwarze Kirche
Die Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt. Die ursprüngliche Pfarrkirche wurde erst während der Reformation protestantisch und ist es bis heute.
Ihren Namen erhielt die Kirche aufgrund einer Brandkatastrophe, die das Dach zerstörte und die Mauern schwärzte. Tipp: direkt um die Ecke liegt das CH9 Café.
3. Blick auf die Stadt
Einen traumhaften Blick auf die Stadt erhält man, wenn man einen kleinen Spaziergang am Hügel von Wachturm zu Wachturm macht. Einige Türme sind für Besucher geöffnet und kosten Eintritt. Tipp: geht am Turnul Negro gemütlich den Weg hoch und die Treppen am Turnul Alb wieder runter – ihr landet quasi direkt im Juno Wine Garden. Andersherum kommen die Treppen rauf einem Pamela-Reiff-Po-Workout gleich.
4. Libraria Humanitas
Wie bereits in Bukarest kommen Buchliebhaber auch in Brașov auf ihre Kosten. Dazu ein paar coole Souvenirs, die mal nicht „von der Stange“ kommen.
Unsere kulinarischen Highlights in Brasov:
CH9 Speciality Coffee: ein sehr stylisches Café für Kaffee und Kuchen direkt hinter der Schwarzen Kirche.
Juno Wine Garden: hier sitzt man unheimlich schön in einem Mauer-geschützten Innenhof und genießt, z. B. in einem großen Weinfass sitzend, rumänische Weine. Dazu der Blick auf einen hölzernen Flügel und schon erscheint Billy Joel im Kopf und singt „Sing us the song, you’re the piano man, sing us a song tonight…“
Dze Best Café & Restaurant: Georgien-Fans aufgepasst! Hier haben wir exzellente georgische Küche genossen und konnten vor lauter Glück und Völlegefühl nur noch lächeln.
Besuch des Klosters Sambata de Sus
Das Kloster Sambata de Sus (#highlightnummerdrei) liegt rund 75 km von Rasnov entfert und ist der wichtigste rumänisch-orthodoxe Wallfahrtsort in Siebenbürgen. Das Kloster, welches wir bestaunen durften, ist 1993 erst neu eingeweiht worden, nachdem dieses im 17. Jahrhundert gegründet wurde, unter den Habsburgern aufgelöst wurde und später fast vollständig verfiel.
Besonders eindrücklich ist mir das helle Blau und kräftige Gold der Kapelle in Erinnerung geblieben. Außerdem 3 kleine Stückchen Hüftgold, die ich in der vorgelagerten Bäckerei gekauft habe, yummy.
4. Fagaras-Gebirge: Regen ist angeblich nur Konfetti, das vom Himmel fällt…
Das Fagaras-Gebirge liegt in den Südkarpaten und bietet einerseits wunderbare Wanderwege und andererseits die Transfogarasche Hochstraße – ein Serpetinenmekka für Auto- und Motorradbegeisterte. Landschaftliche unglaublich reizvoll, wenn man denn etwas sieht … Obwohl wir stets brav unsere Teller aufgegessen hatten, meinte es Petrus nicht gut mit uns, unser Aufenthalt in den Bergen fiel ins Wasser.
Aber der Reihe nach: Aufgrund der großen Beliebtheit der Region hatte ich uns ganz in der Nähe der Hochstraße eine Unterkunft gebucht, Casa Mosuli. Von dort aus wäre man vor den ganzen Tagestouristen auf der Strecke, auf der man auch ab und an Braunbären in freier Wildbahn sieht.
Diese Unterkunft wurde in einigen Blogs empfohlen, da man dort abends leckere rumänische Hausmannskost bekommt.
Tipp: das Abendessen sollte einige Tage vor Ankunft bestellt werden
Am Anreisetag selbst geht es nicht.
Aufgrund des schlechten Wetters war an Wandern nicht zu denken, so dass wir mit Döchte durch Siebenbürgen gecruised sind und z. B. Kloster Kerz besucht haben, eine alte Zisterzienserabtei aus dem 13. Jahrhundert.
Bei Nieselregen und Nebel ging es trotzdem auf die Transfagarasan (#highlightnummervier). Die imposante, gut ausgebaute Strecke windet sich (von Siebenbürgen aus kommend) Serpentine um Serpentine hinauf auf ca. 1.600 m zum Bâlea-See (kein dm weit und breit). Da kann es auch schon mal empfindlich kalt werden.
Von der Strecke aus lassen sich übrigens diverse Wanderungen unternehmen, die leider wetterbedingt nicht getestet werden konnten.
Eigentlich war der Plan, die gesamte Strecke zu fahren. Ab dem Balea-See war die Strecke Richtung Sibiu jedoch gesperrt und die schönen Restaurants an und um den See geschlossen. Aber ich kann hier schon mal spoilern, dass wir noch eine andere Gelegenheit finden sollten, die Strecke zu er-fahren.
5 Life-Hacks (mit Augenzwinkern) für solche Wetterlagen:
1. Ein gutes Buch 2. Fertigstellen der Master-Thesis am Laptop 3. Törtchen 4. Ein gut gefüllter Getränkekühlschrank in der Unterkunft 5. Gute Gespräche mit guten Freunden
5. Sibiu: von Gastfreundschaft und Pastrami-Glück
Manches Mal passiert es wirklich: man betritt einen neuen Ort und ist sofort schockverliebt. So geschehen in Sibiu. Nach einigen Tagen im Regen kam die Sonne wieder zum Vorschein, nur wenige Wolken zogen vorbei und Sibiu (#highlightnummerfünf), auch bekannt als Hermannstadt, öffnete seine Tore und nahm uns herzlich auf.
Sibiu profitiert seit der Jahrtausendwende vom Wirtschaftsboom des Landes. Internationale Firmen haben sich angesiedelt, der Region geht es gut und als Hermannstadt 2007 zur europäischen Kulturhauptstadt ernannt wurde, boten sich u. a. im Tourismus Chancen. Die historische Bausubstanz wurde umfassend saniert und die Infrastruktur ausgebaut. So rausgeputzt präsentierte uns die Kreisstadt seine wunderschöne barocke Architektur.
Auf dem Großen Ring (Piata Mare) fand gerade ein quirliger Markt statt und ein Hauch von Sisi (Sibiu war mal mit dem Fürstentum Siebenbürgen Teil des Habsburger Reiches) zog uns direkt in den Bann.
In einem typischen Wiener Kaffeehaus gab es Kaffee und Kuchen zur Stärkung, um im Anschluss die wunderschöne und kaum durch Kriege zerstörte Altstadt zu erkunden.
Hier kommen die Top 5 Sehenswürdigkeiten in Sibiu:
1. Piata Mare
Der von prächtigen Bürgerhäusern umrahmte Große Ring ist der Hauptplatz der Stadt. Auch heute noch finden regelmäßig Märkte und vielerlei andere Veranstaltungen statt. Den barocken Look hat der Platz seiner habsburgischen Vergangenheit zu verdanken. Im Norden des Platzes steht der alte Ratsturm Turnul Sfatului (Verbindung zum Kleinen Ring aka Piata Mica), im Süden das berühmte Brukenthal-Museum (Gouverneur Siebenbürgens im 18. Jahrhundert) und im Westen die Jesuitenkirche sowie das Neue Rathaus.
2. Turnul Sfatului
Der alte Wachturm aus dem 13. Jahrhundert diente früher als Brandwache und heute diversen Wechselausstellungen. Der Aufstieg nach oben lohnt sich aufgrund des grandiosen Ausblicks über die Stadt und – bei gutem Wetter – bis ins Fagaras-Gebirge. Tipp: schaut mal genau hin, Sibiu heißt nicht umsonst „die Stadt der 1.000 Augen“!
3. Piata Mica
Im ehemaligen Händler- und Handwerkerviertel gibt es nicht nur „Kaffeebier“ (siehe Café NOD), sondern viele „Häuser mit Augen“ – das liegt an der Sibiu-typischen Bauweise der halbrunden Dachfenster. Ein echter Hingucker und nichts für Paranoide 😉
4. Sibiu itself
Bevor ich hier noch weitere 100 Bauwerke, Brücken oder Kirchen nenne: erkundet die Stadt zu Fuß, lasst euch treiben, bummelt herum, flaniert und lustwandelt (dieses wunderbare Wort wird meines Erachtens viel zu selten verwendet) durch die Stadt. Besucht die Ober- und die Unterstadt gleichermaßen, schaut, wann Markt ist (ich habe noch nie so unfassbar große Auberginen und Blumenkohlköpfe gesehen), und kehrt ein, wenn ihr verweilen wollt.
5. Lullula Art Shop
Die individuellsten und vor allem handgemachten Souvenirs gibt es bei Lullula. Der kleine Shop ist vor allem für seine Katzen- und Fledermausmotive bekannt und ich erfreue mich noch heute fast täglich meiner Dracului-Tasse. (Dracului ist eine Wort-Eigenkreation, die sich aber erschließt, wenn man ein paar Tage in Rumänien weilt …)
Eine kleine Pastrami-Kunde
Kulinarisch war Sibiu ein absolutes Fest und ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Pastrami-Exkurs einstreuen, denn ich LIEBE Pastrami: die meisten von uns kennen das geräucherte, gepökelte und gewürzte Rindfleisch aus dem Film Harry & Sally (1989), bzw. den USA im Allgemeinen.
Doch die Legende besagt, dass jüdische Einwanderer aus Rumänien erst im 19. Jahrhundert Pastrami mit in die USA brachten. Das konservierte Fleisch – „pastra“ bedeutet konservieren – ist also eine rumänische Erfindung.
In Sibiu gab es auf der Strada Nicolae Balcescu einen kleinen Laden (auf der linken Seite Richtung Piata Mare, Name/Adresse leider bei Google nicht auffindbar) der viel dünn aufgeschnittenen Pastrami u. a. mit Knoblauchsauce in eine Art Döner-Tasche gefüllt und mich mit Sauce-Bart zu einer sehr glücklichen Reisenden gemacht hat. Dracula wäre bei meinem Odeur sicherlich rückwärts aus der Tür gegangen und hätte sich ein anderes Opfer gesucht!
Café NOD: Schon mal „coffee infused beer“ (Bier mit Kaffee) getrunken? Sehr lecker und auf der Piata Mica sitzt man einfach so wunderbar. Nach diesem Aperitif lässt es sich locker ins Tango fallen.
Restaurant Tango: ein rundum perfektes Abendessen mit wunderbarem Ambiente im Außenbereich. Das Tatar gehört nun zu meinen Top 3 der je gegessenen Tatars und auch die Spaghetti Frutti di Mare bekommen volle Punktzahl.
Hochmeister delikat’essen: Besser als die Besitzer selbst, kann ich es nicht ausdrücken. „Die Speisekarte ist ein Manifest namens „Neue-Alte Siebenbürgische Küche“, ein neues Konzept, das von alten Rezepten von Großmüttern und verstaubten Büchern inspiriert ist und verschiedene Einflüsse der 11 Völker aufweist, die uns ihre gastronomische Kultur hinterlassen haben.“
La Cuptor: Was mit Knoblauchhähnchen in Bukarest eher basic begann, endete in Sibiu mit Hähnchen an schwarzem Knoblaucheis und einem grandiosen Nachtisch namens „Wald“. Perfekt. Tipp: reservieren.
Wine Not?Eben, deswegen empfiehlt sich hier definitiv eine Weinprobe. Tipp: Weine aus Transsilvanien.
6. Hohe Rinne: rumänische Gastfreundschaft mitten im Wald
Von Sibiu aus ist man schnell in den Karpaten und kann wunderbar wandern. Der Ort Hohe Rinne ist wiederum Rumäniens höchstgelegener Luftkurort und im Winter ein beliebter Skiort, der sich prima für diverse Wanderungen eignet.
Auf unserer Wanderung haben wir lange Zeit nur ein paar Schafe und streunende Hunde (Tipp: besser aus dem Weg gehen, nicht füttern) getroffen.
Die Landschaft ist wunderschön und der Rundumblick in die Karpaten einmalig. Eine solide Grundkondition sollte man mitbringen.
Dass wir gut 1,5h vor dem Ziel auf ein illustres Grüppchen Einheimischer(#highlightnummersechs) treffen würden, hätte ich nicht erwartet. Eine Gruppe älterer Männer und Frauen hatte Zelte aufgestellt, ein großes Feuer gemacht und war gerade dabei, das Essen vorzubereiten. Natürlich sagt man „O zi buna“ (guten Tag) und schwupp-di-wupp hatten wir ein Glas Schnaps in der Hand und wurden zum Essen eingeladen. Einer der Herren sprach Französisch, so dass wir uns miteinander verständigen konnten. Alles andere ging mit einem Lächeln, Händen und Füßen.
Zur rumänischen Gastfreundschaft gehört nebst einem starken Klaren auch das Teilen von Essen. Ehe wir uns versahen, bekamen wir frische bulz ciobanesc cu branza de burduf gereicht, Hirtenkäse ummantelt mit Polenta direkt aus dem Feuer. Hand aufs Herz: ich war unsicher, ob ich annehmen sollte.
Aber dem Lächeln der älteren Dame, die ein Stück Polenta von der Asche befreite und es mir mit ehrlicher Hand reichte, war nicht zu widerstehen. Einfach lecker! Wir haben noch mehrfach gerne zugegriffen und mussten uns tatsächlich irgendwann loseisen, um noch vor Anbruch der Dunkelheit zurück beim Auto zu sein. Multumesc, das heißt Dankeschön.
Von Sibiu aus kann man viele schöne Ort besuchen und dazu noch die pittoreske Landschaft Siebenbürgens und ihre Kirchenburgen genießen. Wie ich bereits eingangs erwähnte, die perfekte Rumänien Rundreise!
Die Orte Wurmloch, Biertan, Medias und Sighisoara eignen sich gut für kurze Stippvisiten, da sie überschaubar „groß“ sind.
Für einige Vielreisende stehen Orte wie Wurmloch und Biertan auf der Abhak-Liste, wenngleich der Eventcharakter eher im Namen als im Aufenthalt begründet liegt …
Valea Viilor (Wurmloch): „Wurmlöcher sind theoretische Gebilde, die sich aus speziellen Lösungen der Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie ergeben. Erstmals wurden sie im Jahre 1916 von Ludwig Flamm sowie erneut im Jahre 1935 von Albert Einstein und Nathan Rosen beschrieben. Sie werden daher auch Einstein-Rosen-Brücke genannt.“
Im gleichnamigen Ort steht eine sehenswerte Kirchenburg aus dem 13. Jahrhundert, die seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
Biertan (Birthälm):
Eine der wohl prächtigsten Kirchenburgen Siebenbürgens steht in Biertan. Die Kirche ist vor allem für ihren Flügelaltar mit 28 Tafeln sowie das Schloss zur Sakristei berühmt. Das ist mit sage und schreibe 13 Riegeln gesichert – vielleicht das Vorbild für Fort Knox.
Selbstredend gehört auch diese Kirchenburg zum UNESCO Weltkulturerbe.
Medias:
Die Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern besitzt ebenfalls eine Kirchenburg sowie eine nette, kleine Altstadt.
Sighisoara (Schäßburg):
Sighisoara, auch als Schäßburg bekannt, ist wohl der bekannteste Ort in diesem Siebenbürger Quartett, und gleichzeitig der touristischste.
Das aus Ober- und Unterstadt bestehende Sighișoara (30.000 Einwohner) ist berühmt für ihre mittelalterliche Altstadt, roten Dächer und vielen Wehrtürme.
Das UNESCO Weltkulturerbe (ich sag mal BINGO) ist die größte bis heute erhaltene Burg im Staate Rumänien.
8. Transfagarasan bis Bukarest: bei Kaiserwetter über die Hochstraße
„All good things come to end“ – und so auch unsere Rumänien-Rundreise.
Nachdem wir die berühmte Transfagarasan beim ersten Mal weder komplett befahren noch sehen konnten, haben wir es am Rückreisetag erneut gewagt und sind für das sehr frühe Aufstehen belohnt worden!
Bei Kaiserwetter sind wir die gut 150 km der Hochstraße mit einem Lächeln im Gesicht gefahren. Es war einfach herrlich! Tipp: genügend Zeit einplanen.
Zurück in Bukarest ging es für mich mit dem Flieger über Wien weiter nach Krakau, aber das ist eine andere Geschichte…
Meine 4 Tipps für deine Rumänien-Rundreise:
1. Mückenspray
Vor allem in Bukarest habe ich gedacht, diese Biester saugen mir noch den letzten Tropfen Blut aus dem Leib (vielleicht sind das die wahren Draculetten!?). Da ich nicht an Mückenzeug gedacht habe und es vor Ort doch recht teuer ist, mein unbedingter Tipp für eine Reise nach Rumänien!
2. Weinprobe(n)
Wahrscheinlich hat kaum jemand Rumänien als Weinland auf dem Zettel, so dass ich nur jede(n) Weinliebhaber:in ermutigen kann, sich durch die rumänischen Weine zu probieren. Es war mir ein Fest!
In Wormersdorf daheim und in der Welt zu Hause. Gutes Essen, ein Glas Schaumwein, Begegnungen mit Menschen und die Schönheit dieser Erde führen mich immer wieder in die Welt hinaus.
Liebe Desirée,
dein Beitrag macht direkt Lust auf einen Roadtrip durch Rumänien. Ich kenne das Land nur von einigen Geschäftsreisen nach Bukarest, bei denen nie Zeit war, aus der Stadt rauszufahren. Da habe ich wohl einiges verpasst … Vielleicht kann ich es mal nachholen – dann werde ich auf jeden Fall auf deine Tipps zurückgreifen.
Liebe Grüße,
Angelika
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5 Kommentare
Liebe Desirée,
dein Beitrag macht direkt Lust auf einen Roadtrip durch Rumänien. Ich kenne das Land nur von einigen Geschäftsreisen nach Bukarest, bei denen nie Zeit war, aus der Stadt rauszufahren. Da habe ich wohl einiges verpasst … Vielleicht kann ich es mal nachholen – dann werde ich auf jeden Fall auf deine Tipps zurückgreifen.
Liebe Grüße,
Angelika
Danke für den tollen Bericht und die Tipps. Ich werde versuchen es Ende September nachzumachen 🙂
Viel Spaß!
Ich habe gestern zufällig auch das Pastrami Sandwich in Sibiu gegessen. Maestro heißt der Laden. Ich fand es ebendo lecker 😋
Wie cool! Wir wünschen dir noch eine gute Reise!
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